Unkrautvertilgung
Wer in den Giftschrank langt, muss genau wissen, was er tut

MItten im belebten Solothurn kam es beim Herbizid-Einsatz am Burristurm zu Kollateralschäden. Mehr Vorsicht ist geboten beim Einsatz von MItteln der Giftklasse 5.

Wolfgang Wagmann
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Diese Platane mit Blattbräung an der Nordringstrasse soll ebenfalls krank sein

Diese Platane mit Blattbräung an der Nordringstrasse soll ebenfalls krank sein

Solothurner Zeitung

Die schönste Barockstadt der Schweiz kann sich so nur nennen, wenn sie dafür auch etwas tut. Das hat Solothurn in den letzten Jahren getan. Die barocken Schanzenreste aus dem 17. Jahrhundert erstrahlen zumindest auf der Altstadtseite wieder in jenem Weiss, das Reisende damals «Wällen aus Marmor» zugeschrieben hatten.

Wolfgang Wagmann

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Solothurner Zeitung

Noch vor wenigen Jahren dagegen wirkten die Befestigungen ungepflegt, zeigten sich in einem struppigen grünen Pelz von Efeu, Polsterpflanzen und Grasbüscheln, ja sogar junge Bäume wuchsen in den Mauerritzen empor. Dabei geht es nicht nur um ein ästhetisches Problem. Auf die Dauer würden der Riedholz- und Burristurm sowie die St.-Ursen-Bastion durch gesprengte Mauerfugen fast irreparable Schäden erleiden.

So weit, so gut. Der städtische Werkhof zeigte zuletzt viel Elan, um die Sehenswürdigkeiten wieder auf Vordermann zu bringen. Elan allein ist aber nicht die Vorgabe. Das Befreien der alten Mauern erfordert Sensibilität, vor allem, wenn Handarbeit alleine nicht mehr weiterhilft und der Griff zum Sprüher mit Unkrautvertilgungsmitteln offenbar unumgänglich wird. Doch da wirft der Herbizid-Einsatz rund um den Burristurm Fragen auf.

Die Folgeschäden in Nachbars Garten deuten trotz aller gegenteiligen Beteuerungen aus dem Stadtbauamt auf einen wenig umsichtigen Umgang mit der Giftspritze hin. Immerhin wurde da ein Mittel versprüht, dessen Deklaration einige Gruselkapitel enthält. Und das mitten im belebten Zentrum von Solothurn am Amtshausplatz.

Vielleicht der Punkt, sich wieder einmal an die alte Volksweisheit zu halten: «Weniger isch meh!»