Der «Weitblick» – ein ziemlicher Brocken in der städtischen Entwicklung der nächsten Jahrzehnte. Nicht zuletzt, da für den Kanton Solothurn bis 2030 ein Bevölkerungswachstum von rund 20 Prozent prognostiziert wird, macht man sich auch in der Stadt Gedanken, wo denn Wohnen, Arbeiten und Freizeit künftig Platz finden. Und da liefern die rund 17 Hektare grüner Wiese entlang der Westtangente mögliche Antworten.

Vor neun Jahren wurde die Stadt Eigentümerin des Gebiets Obach, Mutten sowie Ober- und Unterhof, um letztendlich mitzubestimmen, auf welche Weise und mit welchem Nutzungsmix diese «Lücke» zwischen Stadtkern und Weststadt zu schliessen ist. Und so gilt der «Weitblick» in der laufenden Ortsplanungsrevision neben Haupt- und Westbahnhof als «prioritäres Entwicklungsgebiet». Für die erste Etappe mit den vier ausgewählten Baufeldern 1, 2, 3 und 8 laufen aktuell die Erschliessungsarbeiten.

Baurecht oder Eigentum?

Nächsten Dienstag beschäftigt sich der Gemeinderat mit dem vorliegenden Konzept zu den Vergabekriterien und dem Vergabeprozess für diese 4 von insgesamt 13 Baufeldern. Gemäss der vorberatenden Gemeinderatskommission GRK sollen offenbleiben, ob die Grundstücke weiterverkauft oder im Baurecht abgegeben werden. Einzig Baufeld 1 wurde auf die beiden Vergabearten aufgeteilt. Definiert wurden im Übrigen auch die Schritte, über die ein sogenannter Vergabeausschuss die Baurechtsnehmer resp. Käufer selektiert. Dabei ist für jedes Baufeld ein eigenes Verfahren vorgesehen. Der Ausschuss besteht aus der Leiterin des Stadtbauamts Andrea Lenggenhager, Stadtplanerin Gabriela Barman Krämer, Finanzverwalter Reto Notter, Stadtschreiber Hansjörg Boll und dem Juristen und ehemaligen Leiter des städtischen Rechtsdiensts Gaston Barth. Die Landvergabe wird von diesem Ausschuss beantragt, und die GRK wird die ausgewählten Projekte letztlich genehmigen.

Baufeld 1 verläuft im Norden des Areals entlang der Bahnlinie und ist gemäss Planung für zwölf drei- bis fünfgeschossige Stadthäuser in geschlossener Bauweise vorgesehen – für Gewerbe und Wohnen. Die Zielgruppe für diese Mischzone soll aus kleinen und mittleren Unternehmen und lokalen Kleininvestoren bestehen. Der westliche Teil soll im Baurecht abgegeben, der östliche verkauft werden.

Baufeld 2 gilt als «Filetstück» der «Weitblick»-Planung, gerade durch seine Nähe zum Bahnhof Allmend und zur Bushaltestelle. «Das Baufeld ist optimal an den öffentlichen Verkehr angeschlossen und doch nicht direkt an der Bahnlinie», verdeutlicht indes Lenggenhager. Die Fläche umfasst das Areal des heutigen Henzihofs mit Lusthäuschen und Hostet sowie das Gebiet des «Whitestone»-Bikeparks. Diese Mischzone mit drei- bis fünfgeschossigen Bauten ist für Wohnraum mit einer altersmässigen, kulturell und sozial durchmischten Bevölkerung sowie Dienstleistungsbetriebe im Gesundheitsbereich vorgesehen, ebenso für kulturelle Angebote. Auch zwei Kindergärten sind dort geplant. Im Zusammenhang mit Baufeld 2 steht auch die Frage, ob das Lusthäuschen und der Henzihof erhalten werden. Bis Herbst sollen mehrere Gestaltungsvarianten vorliegen. Der Quartierverein Weststadt und die SP setzen sich für einen Erhalt des Ensembles ein, das sich im Inventar der Kulturdenkmäler befindet; ebenso für eine Vergabe aller Baufelder im Baurecht statt im Eigentum.

Baufeld 3 östlich des Baufelds 2 soll einer oder mehreren Wohnbaugenossenschaften im Baurecht oder allenfalls im Eigentum zur Verfügung abgegeben werden. Gewünscht ist ein familienfreundliches und altersgerechtes Wohnangebot mit drei- bis fünfstöckigen Gebäuden.

Baufeld 8 befindet sich in der nordwestlichen Ecke der Kreuzung Grabackerstrasse–Gibelinstrasse und wird als «wirtschaftlicher Leuchtturm» mit gewünscht hoher Bebauungs- und Arbeitsplatzdichte beschrieben. Nach den Vorstellungen der Stadt soll sich hier ein Dienstleistungs- oder Produktionsbetrieb ansiedeln, beispielsweise aus der Biotech- oder Informatikbranche. Ferner soll auch Platz für publikumsorientierte Angebote bestehen.

Wer kommt zum Handkuss?

Obwohl die Auswahlkriterien von Baufeld zu Baufeld variieren, wird unter den Bewerbern generell ein Mobilitätskonzept und eine Orientierung an reduziertem Energieverbrauch vorausgesetzt, ebenso eine im Sinne der Raumplanung gewünschte verdichtete Bauweise. Darüber hinaus wird erwartet, dass die potenziellen Käufer und Baurechtsnehmer mit ihrem Projekt einen wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Beitrag zur Quartier- und Stadtentwicklung leisten. Auch die Orientierung an Arbeitsplätzen sticht heraus. Wie Lenggenhager informiert, sind bereits einige Inserenten – Genossenschaften, Investoren, Planungsbüros – für die erste Bauetappe vorstellig geworden, viele davon regionaler Herkunft, aber auch einige aus Bern oder Zürich.

Die Detailplanung für die anderen Baufelder wird in zwei weiteren Etappen bis (2024–30 und 2031–36) abgewickelt. Teil der ersten Etappe ist hingegen auch die Allmend südlich des Baufelds 1, die als naturnahe Nutzfläche für Stadtveranstaltungen genutzt werden soll.