Winterdienst
Wenns in Solothurn nachts nach Schnee «schmöckt»

Für Werkhofchef Patrick Schärer hielt sich der Winterdienst bisher in Grenzen. Auf der Hut muss er trotzdem immer wieder sein.

Wolfgang Wagmann
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Patrick Schärer ist für weiteren Schnee gewappnet.

Patrick Schärer ist für weiteren Schnee gewappnet.

Wolfgang Wagmann

Es schneit. Für Werkhof-Chef Patrick Schärer immer ein besonderes Momentum. Denn jetzt muss er entscheiden, wie viele seiner Leute in den Winterdienst geschickt werden. Am Dienstag waren es fast alle. «32 Leute sind jetzt seit 13.30 Uhr draussen. Nur die sechs Mann der Kehrichtabfuhr sind nicht am Pflügen und Salzen.»

Auch alle 20 Fahrzeuge, darunter vier externe, die von Vertragsnehmern des städtischen Werkhofs gefahren werden, sind nun im rollenden Einsatz – wortwörtlich. «Jeder hat seine Route, die er nun abfährt», erklärt Schärer. Und wenn es weiter schneit? «Dann fängt er eben wieder von vorne an.» Das Ziel sei es, bis zum frühen Abend an diesem Dienstag alles geräumt zu haben. «Wenn es kälter wird, müssen wir noch salzen. Wenn es dreinregnet und alles zu Pflotsch wird, hören wir irgendeinmal auf.»

Steingruben «Pulver gut»

Erste Priorität haben für den Werkhof die Busrouten, «dort fahren unsere schwersten Fahrzeuge». Aber auch die Topografie der Stadt kann die Prioritäten vorgeben: Ein Ersteinsatz erfolgte an diesem Morgen im höher gelegenen Steingrubenquartier. «Dort gab es in der Früh deutlich mehr Schnee als unten in der Stadt.»

Wird es zu viel, kann er auch abgeführt werden. In sogenannte «Schnee-Depots» bei der Hafebar, hinter der Reithalle oder auf dem Badi-Parkplatz. Wie früher in die Aare gekippt, wird nur noch der Schnee in der Innenstadt: «Dort räumen wir zuerst, und der Schnee ist noch nicht mit Salz versetzt», so der Werkhof-Chef. Kein Thema sind für ihn die Kantonsstrassen, die auch auf Stadtgebiet der Kanton räumt.

Der «Schneeschmöcker»

Bis über die Festtage war der Schnee im Werkhof kein Thema. «Unsere Leute waren nicht unglücklich, konnten sie zu Hause mit ihren Familien feiern.» Fast so wars auch im letzten Winter gewesen. «Da kamen wir nur gerade auf zwei Einsätze», erinnert sich Patrick Schärer, der seit seinem Amtsantritt auch schon anderes erlebt hat. So den Dezember 2012, als in Solothurn die Schneedecke 40 cm erreicht hatte. «Am schlimmsten ist es, wenn es an der Fasnacht schneit.»

Denn erstens müssen Schärer und seine Crew partout schauen, dass die Umzugsroute befahrbar bleibt, und zweitens sorgen Konfetti als Beigabe im Salzpflotsch für eine unerwünschte Mischung. «Die schönsten Winterdienste sind für uns zwischen Samstag 17 Uhr und Montag am frühen Morgen. Dann haben wir keinen Verkehr.»

Auswählen kann sich Patrick Schärer sein Schicksal nicht. Aber auf der Hut sein, das kann er. Zwar gibt es heute viele Wetter-Portale, «doch die Modelle stimmen oft nicht». Denn mit dem Schnee ist es so eine Sache. So schneite es am ersten Januar-Donnerstag ausgerechnet über die Mittagszeit heftig – aber nur in und gerade um Solothurn.

«Uns wird vieles angeboten, Sensoren und Webcams, die uns die Einsätze erleichtern sollen.» Doch davon hält der Werkhofchef nicht all zu viel. «Wenn ich Pikett habe, schau ich nachts jeweils raus, was sich so tut.» Auch sei Solothurn recht klein und überschaubar. «Und meine Leute kennen es in- und auswendig.»

Wenig Reklamationen

Auch an diesem Dienstagmorgen gab es wie immer bei Neuschnee einige Anrufe von Stadtbewohnern. Nicht immer müssen es Reklamationen sein, wie beispielsweise einer zugepflügten Ausfahrt. «Manchmal erhalten wir auch Hinweise auf eisglatte Stellen, die wir dann entschärfen können.»

In den letzten Jahren hätten sich die Beschwerden zur Schneeräumung im Rahmen gehalten. «Aber es kommt halt immer auch darauf an, wie viel Schnee es gibt.» Und Patrick Schärer weiter: «Ich sage den Leuten jeweils: Wartet doch mit dem Freischaufeln der Ausfahrt zu, bis wir gepflügt haben.»

Andererseits hat auch der Werkhof manchmal seine Probleme mit Anwohnern, die beispielsweise ihre Autos an den unmöglichsten Orten, sogar auf Trottoirs, parkieren, und damit den Winterdienst behindern oder sogar punktuell verunmöglichen. «Dann wirds prekär», weiss der Chef Werkhof und gibt einem Fahrer über das Telefon Order, wo er noch pflügen muss.