Kulturfabrik Kofmehl
Wenn zwei Uhr nachts der Amtsschimmel wiehert

Mit dem Saisonstart in einer Woche ist (fast) definitiv bereits eine Stunde früher als bisher Party-Ende. Partygänger und Konzertbesucher müssen bereits damit bereits um 2 Uhr die Kulturfabrik Kofmehl verlassen.

Wolfgang Wagmann
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Solothurner Zeitung

Amtsdeutsch ist die Sache von Pipo Kofmehl nicht. Doch jetzt bleibt dem Leiter der Kulturfabrik Kofmehl nichts anderes übrig: «Im gegenwärtigen Rechtsverfahren wird die Auflage der Stadt, um 2 Uhr zu schliessen, vom Bau- und Justizdepartement bestätigt. Die aufschiebende Wirkung, bis 3 Uhr noch offen halten zu können, wurde uns nur bis zum letzten Saisonende zugestanden. Wenn wir also bis 3 Uhr offen halten, machen wir uns strafbar. Wir würden damit nur in die Hände der Beschwerdeführer spielen.»

Und da der Entscheid der nächsten Instanz, des Verwaltungsgerichts, wohl kaum mehr vor der Saisoneröffnung in einer Woche zu erwarten sei, plant man in der Kulturfabrik mit der neu geltenden Tatsache: Um 2 Uhr nachts ist Schluss. «Diese Zeit kommt einem Abbruch der Party gleich», weiss Pipo Kofmehl um die Problematik, wenn eine Stunde früher als bisher die Halle geräumt werden muss, mitten in der allgemeinen Hochstimmung.

Nur noch ein Moonliner ab Kofmehl

Deshalb müsse man die Abläufe neu planen. Und zum Beispiel die Frage beantworten: Wer ist bis wann zuständig? In Absprache mit der Stadtpolizei und Stadtkanzlei sei vereinbart worden, dass die Kulturfabrik Kofmehl neu nur noch bis 2.30 Uhr den Ordnungsdienst aufrechterhalte. «Dann fährt auch neu der bisher zweitletzte als letzter Moonliner-Kurs.» Der letzte sei angesichts des neuen Regimes ab Oktober ersatzlos gestrichen – bis dann fährt noch ein später (oder früher) Moonliner um 3.50 Uhr, doch nur noch ab dem Amthausplatz.

Damit sei auch kein Ordnungsdienst mehr bis 4 Uhr oder noch länger aufrechtzuerhalten, betont die Führung der Kulturfabrik. «Was nach 2.30 Uhr passiert, ist dann Sache der (Stadt-)Polizei», erklärt Pipo Kofmehl, «länger können wir die Leute nicht hüten.»

Keine Alternative für die Jungen

«Mit zwei Uhr wird das Angebot stark eingeschränkt», sind sich sowohl Kofmehl wie Chrigu Stuber, Programmleiter der Kulturfabrik, einig. Für die Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen gebe es nach 2 Uhr keine Alternativen in Solothurn mehr, die Älteren könnten – zumindest vorläufig noch – auf andere Nachtlokale in Solothurn ausweichen. «Die Nachfrage sinkt», glaubt Pipo Kofmehl, «und wie sich das finanziell für uns auswirkt, können wir noch nicht beurteilen.» Dass weniger Geld für den Betrieb der Kulturfabrik – letzte Saison zählte sie immerhin 75 000 Eintritte – zur Verfügung stehen dürfte, ist gleich auf zwei Faktoren zurückzuführen: Einerseits gehen die direkten Umsätze der «letzten» Stunde verloren, andererseits könnten sich die Eintrittszahlen generell rückläufig entwickeln. «Aber vielleicht ändert sich ja das Ausgangsverhalten», wagt Chrigu Stuber die Spekulation, dass die Partygäste, weil eher wieder vor der Türe stehen auch früher eintrudeln. Und weiter setzt Stuber auf eine Vorwärtsstrategie: «Wir müssen halt noch besser werden.»

Das Team bei der Stange halten

So oder so: Für die Führungscrew sei die Planung diesen Sommer «extrem schwierig» gewesen. «Aber wir haben nichts gestoppt oder geändert.» Die junge, rund 200 Köpfe zählende und ehrenamtlich arbeitende Helferschar galt es aber angesichts der amtlichen Erschwernisse speziell zu motivieren, «damit sie weitermachen.» Pipo Kofmehl setzt alles daran, dass der durch zwei auswärts wohnende Hausbesitzer seit 2006 angestrengte Rechtsstreit das Team nicht belastet. «Die jungen Leute, die sich hier engagieren, sollen damit nichts zu tun haben, sondern Inhalte generieren können.»

Oder auch weitere Aufbauarbeit im Haus selbst leisten, wie die Tool-Crew, die aktuell den Foyer- und Garderobenteil neu gestaltet oder die Estrade im Hallen-Westteil ausbaut. «Zum Glück haben wir einen Rechtsbeistand und Architekten, die uns ehrenamtlich unterstützen», meint Kofmehl auch im Hinblick aufs laufende Baubewilligungsverfahren für eine Lärmschutzwand. «Das gibt uns immer wieder Schnauf – wir sind eine riesige Bande, die zusammenhält.»

An die Auflagen gehalten

Dazu gehört auch die Eigentümerin der Kulturfabrik, die Stiftung für Jugendkultur im Kanton Solothurn, deren Präsident Rolf Studer betont: «All die Jahre haben die Kofmehl-Betreiber sich an alle Auflagen gehalten und oft noch mehr getan, als vorgeschrieben war.» So hat die Kulturfabrik erneut wie in jeder Sommerpause Briefe an die Anwohnerschaft verschickt, um mit dieser auf den baldigen Saisonauftakt hin in Kontakt zu bleiben. «Die letzte Saison war für uns in dieser Beziehung die ruhigste seit der Eröffnung 2005», verweist Pipo Kofmehl auf Massnahmen wie den Verzicht auf die so genannten Body-shaker-Partys, die offenbar mitunter Probleme bereitet hatten. Was allerdings nichts daran ändert: Von Justitia verfügt, gehen bis auf Weiteres im Kofmehl um zwei die Lichter aus.