Solothurn

«Wenn wir an der Gurzelngasse wären...»

Auch 2012 wartet das Historische Museum Blumenstein mit attraktiven Anlässen und Ausstellungen auf. Das Highlight: Die Sonderausstellung «Von der Tapete zum Hüftgelenk – die Industriegeschichte der Region Solothurn».

«Was uns fehlt ist die Laufkundschaft. Wenn wir an der Gurzelngasse wären, möchte jeder Tagestourist unser Stadtmodell aus der Barockzeit anschauen.» Trotz dieser Erkenntnis – Erich Weber, Konservator des Historischen Museums Blumenstein, weitab nördlich der Altstadt, macht das Beste aus der Situation. «Der Internet-Auftritt ist für uns zentral, so findet man uns auch ausserhalb von Solothurn. Denn Museumstouristen, die gibt es, und die finden uns auch», ist Weber überzeugt.

Stadtführungen als Schlechtwetterprogramm durchs Museum dagegen «funktionieren nicht», weiss der Stadtführer aus Erfahrungen. Dagegen kämen wohl Museumsführungen, vermittelt durch Region Solothurn Tourismus, zustande. «Und ein immer ausgebuchter Hit sind die Kinderprogramme mit Übernachtungen im Schloss, wo auch auf dem alten, wieder restaurierten Holzherd gekocht wird.»

Die Konzertreihe Musik im Blumenstein oder Anlässe wie die Kulturnacht und das beliebte «Schätze schätzen» – letztes Jahr von 350 Personen besucht – verbessern die Bilanz. «Der Anlass findet am 10. März erneut statt. Doch wie lange es ihn noch gibt, hängt von den Experten ab, welche die mitgebrachten Gegenstände einschätzen», so der Konservator, der noch einen Pfeil im Köcher hat, um sein Museum bekannter zu machen: Die Stadt plant offenbar eine «Ausschilderungsoffensive», die auch das Blumenstein «auffindbarer» machen soll.

Weg von der «Barock-Ecke»

Die Inneneinrichtung des ehemaligen Patriziersitzes aus dem 17./18. Jahrhundert macht aus dem Schloss Blumenstein naturgemäss eine Dauerausstellung barocker Wohnkultur. Mit Wechselausstellungen, aber auch der jetzt fertiggestellten Treppenhaus-Ausstellung «2000 x 11 – auf der Hintertreppe durch Solothurns Geschichte», die in elf Themenbereich eine kompakte Gesamtschau über die Stadtgeschichte vermittelt, will Erich Weber zeigen, dass die Region Solothurn viel mehr ist als der ständig bemühte «Barock-Groove». Wichtiger sei es, dass «man auf die ganze Siedlungsperiode der Stadt und Region eingeht.» In diesem Zusammenhang verweist der Museumsleiter allerdings auf ein für ihn gravierendes Problem: «Es gibt keine Forschungsstelle, welche die Stadtgeschichte professionell aufarbeitet, ausser die (Kantons)Archäologie.»

Die Industrieregion Solothurn

Einen Kontrapunkt will der Konservator deshalb mit der Sonderausstellung «Von der Tapete zum Hüftgelenk – die Industriegeschichte der Region Solothurn» setzen. Sie wird am 5. Juni eröffnet und soll bis am 30. April 2013 dauern. Das Ziel von Erich Weber: «Wir überraschen die Leute mit den Produkten, die hier hergestellt wurden.» Ob ein Maschinengewehr der Waffenfabrik Solothurn, die Geräte der Autophon oder der legendäre Kisag-Bläser – die Palette an gezeigten Objekten soll möglichst repräsentativ sein.

Wobei das Blumenstein aufgrund seiner Möglichkeiten natürlich an Grenzen stosse, wenn es beispielsweise um Produkte der Grossindustrie gehe. «Da werden wir mit Filmmaterial oder auch mit Fotos arbeiten müssen», sieht Weber durchaus, wo das Machbare aufhört und das Unmögliche beginnt.

Gegen das Klischee

Ergänzend zur Ausstellung schwebt dem Blumenstein-Konservator ein Rahmenprogramm mit Vorträgen in der nächsten Wintersaison vor. «Die Idee ist, dabei auch Exponenten und Zeitzeugen der entsprechenden Firmen zu Wort kommen zu lassen.» Mit der neuen Wechselausstellung versucht Erich Weber auch dem herrschenden Klischee zu begegnen, das da lautet: «Es gibt bei uns keine Industrie mehr». Auch wenn viele Grossbetriebe so nicht mehr existierten, «viele Arbeitsplätze sind bei den zahlreichen KMU in unserer Region erhalten geblieben.»

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