In den Bergen fehlt der Schnee, hier scheint die Sonne – Klimawandel im Kleinen: Statt über spärlich beschneite Skipisten flitzen sie durch die Regale und heizen das Weihnachtsgeschäft an; all jene, die das passende Geschenk unter den Weihnachtsbaum oder die passende Verköstigung auf den Gabentisch stellen wollen. «Das gute Wetter bringt die Leute in die Stadt», bestätigt Michael Brüderli von der «Suteria», der mit einem guten Abschluss bis heute Abend rechnet.

Dazu dürften insbesondere die Solothurner Torte als Allzeitklassiker und die «Weissensteine» als aufstrebende Renner beitragen. Ebenso positiv wirkte sich aus, dass die auch sonst sonntags geöffnete «Suteria» vom Besucherstrom der Sonntagsverkäufe zusätzlich profitiert habe. 

Ebenso zufrieden zeigt sich auch Philipp Hofer von der gleichnamigen Confiserie. Ihr Solothurner Kuchen kurbelt ebenso das Weihnachtsgeschäft an. «Besonders die Sonntagsverkäufe liefen gut, weil das Wetter trocken war.»

Der Einfluss der Adventsanlässe

Auch heuer erwiesen sich Rahmenanlässe wie Chlausemäret, Wiehnachtsmäret und Weihnachtsgeschichte auch als mehr oder weniger prägende Faktoren fürs Weihnachtsgeschäft. «Uns kam der Chlausemäret entgegen», findet Marianna Höhle, Inhaberin des «Novum»-Geschenkeladens. Höhle nennt auch den Sonntagsverkauf als Multiplikator. Beliebt seien vor allem auf die Person zugeschnittene Geschenke. Dagegen werde die zunehmende Tendenz des E-Shoppings spürbar. «Es scheint, als würden viele Leute den Einkauf von daheim bequem übers Internet erledigen. Gerade die zunehmende Menge an Paketen, die die Post vor Weihnachten bewältigen muss, deutet darauf hin», so Höhles Eindruck.

Ein erfolgreiches Vorabresümee lassen auch die Aussagen der Spielwarenanbieter zu. Zwei erfolgreiche Sonntage haben dazu beigetragen, informiert Verena Holzer-Bohnenblust vom Kinderparadies Bohnenblust. Guten Absatz finden nach wie vor Holzspielsachen, Puppen, Plüschtiere, Autos und Eisenbahnen – neben «industriellen» Trendartikeln. Zudem erkennt sie die schweizweite Nachfrage nach Gesellschafts- und Brettspielen ebenso in Solothurn. Auch lassen sich die potenziellen Käufer gerne persönlich beraten – «trotz Internet und Rabattschlachten.»

Die persönliche Beratung wird auch vom siebenköpfigen Genossenschaftsteam vom «Spielhimmel» an der Theatergasse als wichtiges Element wahrgenommen. Es ist das zweite Geschäftsjahr am neuen Standort, der aus Sicht von Genossenschafterin Sabrina Hintermann mit Vorteilen verbunden ist. Einerseits habe es sich nun herumgesprochen, dass der Laden nicht mehr am Landhausquai ansässig ist. «Auf der anderen Seite ist es ein Vorzug, nicht an der Hauptgasse zu sein. Abseits vom grossen Käuferstrom können wir uns so noch Zeit für persönliche Beratungen nehmen», so Hintermann. Abgesehen von rar erhältlichen Spielsachen sei der direkte Absatz viel besser als übers Internet. Sie bestätigt die Beliebtheit von Brettspielen, «insbesondere das Familienspiel ‹Camel up› mussten wir mehrmals nachbestellen.» Doch auch schön gefertigte Schach- oder Carambole-Bretter seien beliebt. «Dabei werden Gesellschaftsspiele nicht nur als Geschenke gekauft, sondern um die Aktivitäten über die Festtage aufzulockern.» Einen Aufwärtstrend beim traditionellen Spielzeug spürt auch Susi-Verena Furrer vom «Bim Müggli» an der Urbangasse: «Ware aus guten Häusern und geschützten Werkstätten ist beliebt.» Auch erfreulich: «Das Weihnachtsgeschäft ist heuer zwei Wochen früher, nämlich Mitte November, losgegangen.» Furrer betont die Effekte der Adventsanlässe: «Uns hat beispielsweise auch die Verkaufsausstellung ‹Advent im Kloster› geholfen», ist sie überzeugt.

«Mehr oder weniger unverändert» sei der Umsatz im Bastelparadies – und damit offenbar auch die Bastellaune sowie der Wunsch, Selbstgemachtes zu verschenken. Dies gibt Theres Grütter zu Protokoll, die das Geschäft zusammen mit Rita Merkt führt. Dabei profitiert die Schmiedengasse neu ebenfalls von der offiziellen Weihnachtsbeleuchtung  – «die ist natürlich schön, bringt aber nicht automatisch die Leute in unseren Laden, der nicht direkt an der Gasse liegt.»

Lokale Bücher beliebt

«Im Weihnachtsgeschäft zählt jeder Tag», sagt Simone Lüthy, Geschäftsführerin Buchhaus Lüthy. Darunter subsumiert sie auch die erfahrungsgemäss frequenzstarken Tage nach Weihnachten. Bereits guten Absatz fanden Kalender sowie Bücher mit lokalem Einschlag: also von Autoren wie Ernst Burren, Peter Bichsel oder Reto Stampfli, ferner Werke wie das Solothurner Lesebuch, das närrische Geschichtenbuch der Regio Energie oder – aus aktuellem Anlass – «Die Sesselbahn am Weissenstein». «Im Moment auf Vorjahreskurs» befindet sich Manor, wie Mediensprecherin Elle Steinbrecher bekannt gibt. Da mit dem heutigen 24. Dezember aber einer der wichtigsten Verkaufstage noch bevorsteht, bleibt die Bilanz auch hier vorläufig. «Besonders gefragt sind Parfüms, Schmuck, Kleider, Spielwaren und Waren aus dem Heimbereich.» Als Verkaufsschlager bei der Elektronik erweist sich das iPad.

Anlässlich der Sonntagsverkäufe hat sich auch Caroline Spillmann, die neue Geschäftsführerin der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn (SGSo), umgehört: «Der zweite ist besser gelaufen», sagt sie. Schuhgeschäfte wie Dosenbach und Bata vermelden gute Erfolge, weniger zufrieden sei man laut Spillmann bei Voegele gewesen. Damenmodegeschäfte bezeichnen den Umsatzerfolg als «okay», «und erfreulich war der Sonntag beim Herren-Modegeschäft DC und bei Knecht Mode.» Zu hinterfragen ist, ob die Weihnachtsgeschichte anlässlich des zweiten Sonntagsverkaufs das Kaufverhalten positiv beeinflusst hat: «Die Leute folgten der Veranstaltung, und auch jene, die die Läden aufsuchten, kauften nicht viel», so Spillmanns Einschätzung. Sehr gut läuft gemäss Rückmeldungen der Verkaufsstellen übrigens der Absatz der SO-Gutscheine des SGSo.