Sie bezeichnen sich als Crew, und sie haben auch ein Schiff. Doch so richtig viel Arbeit wartet nicht auf Esther und Peter Wentz, wenn sie an Bord ihrer «Dingi Basel» sind. Die Tabakpfeife liegt auf dem Tisch. Auf den Kissen der Sitzbank ist der Name des Schiffes aufgestickt. Leika, die drei Monate alte Hauskatze, macht gerade Mittagsschlaf.

Der pensionierte Malermeister aus Dornach und seine Frau verbringen fast jedes Wochenende auf dem Schiff. Mit dem Bootshafen, den es seit elf Jahren gibt, sind sie sehr zufrieden. «Das Umfeld stimmt», sagt Wentz, der auch Präsident des Motorboot-Clubs Solothurn war. Einziger Nachteil: Der Hafen sei so gut, dass es oft fast zu viele Leute habe.

Ihr Bootsplatz liegt zwar etwas oberhalb des Lido. Trotzdem legt Peter Wentz fast immer am Hafen an: Hier treffen sie nicht nur Bekannte, sondern erhalten am Besuchersteg auch den Strom für ihr Boot, den Backofen, Fernseher sowie Radar und GPS benötigen.

«Die Boote werden immer grösser»

Von Gemütlichkeit kann Silvia Frey dagegen nur träumen. In ihrem Büro geht es im Sommer drunter und drüber. Neue Gäste kommen auf den Platz, andere möchten etwas einkaufen. Die Platzverantwortliche der TCS Campinganlage ist zudem auch für die 80 Bootsplätze verantwortlich, die zur Hälfte dem Kanton und zur Hälfte dem TCS gehören.

«Eigentlich ist der Hafen schon zu klein», sagt Frey. «Er ist ausgebucht.» Und das ist nicht das einzige Problem: «Die Boote werden immer grösser.» Zehn Meter und länger sind einige schon. Doch der Hafen wird gegen hinten immer enger. Zu zweit müssen die Hafenbetreiber derzeit täglich das Seegras entfernen. «Eine Mordsbüez», sagt Frey.

Lieber Solothurn statt Basel

Seit 45 Jahren hat Peter Wentz ein Schiff in Solothurn. Auch die Ferien verbringt das Ehepaar im Drei-Seen-Land. «Wir können drei Wochen fahren, ohne am gleichen Ort durchzukommen», sagt Wentz. «Wir haben nichts zu pressieren», ergänzt Frau Wentz.

Probleme mit der Geschwindigkeit hätten sie so oder so nicht. Neun Stundenkilometer erreicht ihr Boot. 10,5 Meter und neun Tonnen hat der 70-PS-Dieselmotor zu bewegen. 33 Jahre alt ist ihr Schiff und sieht doch noch neu aus. Die Anschaffung sei teuer, sagt Wentz, aber «Wer sein Boot unterhält, hat eine sehr wertbeständige Investition.»

Trotz des Basler Dialektes kann sich Wentz nicht vorstellen, sein Boot am Rhein einzuwassern. «Die Berufsschifffahrt nimmt dort viel zu viel Platz ein.»

Anlegeplätze werden selten gewechselt

Dass die meisten Gäste dem Standort lange treu sind, bestätigt auch Silvia Frey. Es gebe nur wenig Fluktuation, sagt sie. Und wenn, dann müsse es schon eine aussergewöhnliche Lebenssituation sein.

18 Anlegeplätze gibt es aussen am Hafensteg für Besucher. Gerade im Sommer kämen Schiffsbesitzer aus dem Seenland und blieben manchmal über ein, zwei oder auch drei Nächte, sagt Silvia Frey. 15 Franken kostet das Anlegen über Nacht inklusive Strom. Es gibt eine eigene Tankstelle, wo Abfall und Fäkalien entsorgt werden können. Zu den Aufgaben von Platzwartin Frey gehört es, zu kontrollieren, ob die Boote korrekte Nummern und einen Fahrzeugausweis haben.

Bootstour als Touristenmagnet

Gleich neben dem Besuchersteg sind die drei Öufi-Boote von Fred Fankhauser. Sie haben Solothurn in den letzten Jahren touristisch aufgewertet. «Es ist ein wichtiges Angebot, das wir sehr gut verkaufen», sagt Murielle Blaser von Solothurn Tourismus. So sei die Bootstour, etwa kombiniert mit Absinth-Degustation oder der Stadtführung zu Wasser besonders bei Vereinen, Hochzeiten oder Seminargruppen begehrt.

Fankhauser selbst ist mit dem Bootshafen zufrieden. «Die Lage ist sehr gut, ich bin und bleibe gerne hier», sagt er. Ach, und: «Dem Geburtstagskind alles Gute!»

Mit dem Boot ist man flexibel

Auf der MS Dingi Basel schaukelt es leicht. Kätzchen Leika ist aus dem Schlaf erwacht. Am Lido kommen Passanten vorbei und rufen Peter Wentz zu: «Ein sehr schönes Boot.» Wohnwagen und Boot hätten einige Gemeinsamkeiten, erklärt der Schiffsbesitzer mit Blick auf den Campingplatz: Wer vernarrt sei, bleibe oft ein Leben lang bei seinem Hobby. Nur mit dem Platz ist es so eine Sache. «Die Wohnwägeler erhalten einfach Nachbarn zugeteilt. Wenn wir einen Nachbarn haben, der uns nicht passt, sagen wir einfach Adieu und tschüss.»

Nur die rot-blau lackierten Fingernägel von Esther Wentz verraten, dass es etwas Wichtigeres in ihrer Freizeit gibt. Wenn der FC Basel spielt, muss Peter Wentz alleine auf sein Schiff.