Der Bub hatte Angst, seine Mutter könnte ihn verlassen. Dabei würde er bloss einen Morgen in der Spielgruppe bleiben, um mit anderen Kindern zu spielen. Doch wie gibt man einem Kind mit Migrationshintergrund ohne Kenntnisse der deutschen Sprache zu verstehen, dass ihn Mama vor dem Mittag wieder abholt?

Mit solchen Problemen kämpft manche Spielgruppe - sobald denn fremdsprachige Eltern die Schwellenängste überwinden, ihr Kind einer solchen Institution anzuvertrauen. Auch Manuela Achermann, die 2013 die Spielgruppe Stärnehüpfer gegründet hat, beschäftigte sich mit dieser Problematik und liess sich kurzerhand in Sprachfrühförderung weiterbilden.

Die Idee hat bereits in Zürich Schule gemacht, und zwar in Gebieten mit ausgeprägter Migrationsthematik. Mitunter ein Ziel ist es, die Hemmschwelle zu Betreuungsangeboten gerade für Familien mit Migrationshintergrund zu senken. Zudem kann Sprachfrühförderung auch für Schweizer Kinder mit sprachlichem Aufholbedarf sinnvoll sein.

«Wir haben hier auch Kinder, die gar nicht deutsch können. Unter solchen Bedingungen ist es schwer, zu starten», stellt Achermann fest. Ab August wird sie die Sprachfrühförderung jeweils Donnerstagnachmittag auch in ihrer Spielgruppe anbieten, als erste in der Stadt. In Biberist betreibt die Spielgruppe Heubürzli bereits ein ähnliches Angebot.

Sprachliche Orientierung geben

Es gehe ihr auch darum, einem fremdsprachigen Kind praktische Anleitungen geben zu können; wie die Früchte heissen, welche Farbe wie genannt wird oder was als zum Znüni gibt. Natürlich steht auch eine psychologische Absicht dahinter: In einem Fall hat Achermann gemerkt, wie ein Bub ruhig wurde, sobald er einige Brocken Deutsch verstand und damit besser an den beliebten Ritualen wie dem Morgenlied mitmachen konnte.

Sprachliche Orientierungslosigkeit hingegen kann unter Umständen zu angriffigem Verhalten führen, oder zum Rückzug in die Apathie. «Mir war es wichtig, Gedanken darüber anzustellen, welche Bedürfnisse die Kleinen haben», so Achermann. Und: Als Vorbereitung für den Kindergarten, dessen Einstieg oft eine Hürde darstellt, bietet die Frühförderung eine Hilfestellung. «So kann ich sie danach guten Gewissens in den Chindsgi schicken», sagt Achermann. Das Förderangebot kommt fürs gesamte Altersspektrum von zweieinhalb- bis vierjährig zum Zug.

Ausgehend von ihren jetzigen 21 Kindern, die sie in der regulären Spielgruppe zusammen mit zwei Freiwilligen betreut, schätzt Achermann, dass ein Viertel dieser Kinder ebenfalls von einer Sprachfrühförderung profitieren könnte.

Was oft natürlich auch von der Einstellung der Eltern abhängt: Während in einigen fremdsprachigen Familien die deutsche Sprache geübt wird, ist sie in anderen Familien gar nicht präsent - beispielsweise weil die Eltern schon untereinander unterschiedliche Sprachen sprechen. Und unter dem oft geäusserten pädagogischen Grundsatz «Ein Elternteil, eine Sprache», kann da unter Umständen für Deutsch gar kein Platz mehr sein.

Sternenhüpfer mit schönen Zähnen

Mit einem weiteren Pfeiler hat Achermann ihr Angebot bereits aufgewertet. So trägt die Spielgruppe Stärnehüpfer seit Anfang Jahr das Label «Zahnfreundlich». Achermanns Erfahrungswert: «Viele Kinder im Spielgruppenalter wissen gar nicht, was schädlich für die Zähne ist.»

Deshalb ergeht schon an die Eltern eine klare Weisung, was in der Znünibox darf und was nicht: «Eltern wissen beispielsweise oft nicht, dass schon nur ein ‹Fruchtzwerg› zwei Würfel Zucker enthält.» Auch Schoggi oder andere zuckrige Znünis stehen auf der Bannliste, stattdessen gibts Früchte und Gemüse. Entsprechende didaktische Spiele unterstützen die zahnmedizinische Früherziehung. Auch werden nach dem Znüni jeweils die Zähne geputzt. «Dafür nehme ich mir die Zeit, auch wenn dies in vielen Spielgruppen oft nicht gemacht wird.»

Eltern, die zuhause schon achtsam gegenüber Karies sind, wissen das «Zahnfreundlich»-Label zu schätzen. Denn oft sei es dem eigenen Kind nur schwer begreiflich zu machen, warum sein Gspänli jetzt Schokolade zum Znüni erhält, es selbst aber nicht. Ist die ganze Gruppe an gesunder Ernährung orientiert, kommt Missgunst gar nicht erst auf.

Tag der offenen Tür bei den «Stärnehüpfern»: Samstag, 26. April, 10 bis 15 Uhr, Zuchwilerstrasse 28.