Kulturfabrik Kofmehl
Wenn die Post über vierzig abgeht

«Forever young», das Partyformat für über 40-Jährige in der Kulturfabrik Kofmehl, feierte die 20. Ausgabe.

Wolfgang Wagmann
Merken
Drucken
Teilen
Forever Young im Kofmehl am 25.3.2017
4 Bilder
Die Stimmung ist ausgelassen
DJ Martin Ackle

Forever Young im Kofmehl am 25.3.2017

zvg/Kulturfabrik Kofmehl

Aller Anfang ist schwer. Eine Party für Leute über 40? Der Enthusiasmus bei den Initiantinnen Monika Kummli und Catherine Meili ist ungebrochen. Genauso wie bei Pipo Kofmehl, dem Leiter der Kulturfabrik Kofmehl, der den beiden Party-Organisatorinnen am Wochenende zum 20. Mal Gastrecht im Rostwürfel geboten hat. «Die Stimmung war super, alle haben sich amüsiert und den Plausch gehabt», sind sich die Drei einig.

2011, nach dem Start war die Poardy noch keineswegs perfekt. Und das Publikum anspruchsvoll. «Es ging um die richtige Musik, und es ging um den richtigen DJ. Ob nur Oldies gespielt werden sollen, oder auch Rihanna.»

Pipo Kofmehl muss heute grinsen, wenn er an damals denkt. «Das waren die grossen Diskussionen. Stundenlange Sitzungen haben wir deswegen gehabt.» Doch dann kam Martin - und darin sind sich alle einig: Mit DJ Martin Ackle waren die Diskussionen um die Play-List weitgehend verstummt, alles wurde easy. «Er ist für uns der perfekte DJ, und er weiss hervorragend auf die Leute einzugehen», bestätigen Catherine Meili wie Monika Kummli unisono.

Monika Kummli, Pipo Kofmehl und Catherine Meili stehen hinter dem Partyformat «Forever young».

Monika Kummli, Pipo Kofmehl und Catherine Meili stehen hinter dem Partyformat «Forever young».

Wolfgang Wagmann

Auch «Ü 60» kommt vorbei

Zwei bis viermal pro Saison heisst es «Forever young» in der Kulturfabrik und die beiden quirligen Frauen dürfen im Kofmehl ihre Lieblingsrolle ausleben: Gastgeberinnen sein. «Mit Monika und Catherine steht und fällt die Sache.» Pipo Kofmehl bescheinigt ihnen jene Authentizität, die ein erfolgreiches Party-Format wie «Forever young» ausmacht. Denn «es ist nicht wirklich authentisch, wenn 20-Jährige Partys für Menschen ab 40 Jahren machen - und umgekehrt ist es genauso», meint er zur Vorstellung, dass 45-Jährige Jugend-Partys auf die Beine stellen.

Musik mache aber vor dem Alter nicht halt, und die gewählte Gästestruktur helfe, Schwellenängste abzubauen. «Es gibt solche, die waren von Anfang an dabei, und auch über 60-Jährige besuchen unsere Partys», sieht Catherine Meili die untere Alterschwelle ab rund 35 Jahren. Und Pipo Kofmehl liefert noch eine interessante Erkenntnis nach: «Es gibt auch Jüngere, die ihre Eltern hier abgeben und sie dann wieder abholen.»

Einladung per Briefli

Auch nach der Jubiläums-Fete im platschwollen Kofmehl habe es viele, fast nur positive Rückmeldungen «à gogo» gegeben, wie sich Pipo Kofmehl ausdrückt. Dabei sei das Publikum «sehr anspruchsvoll», beispielsweise ist die «richtige» Beleuchtung ein Dauerthema. «Es ist schon fast eine Kunst, einen Anlass zu kreieren, der allen passt», weiss der Kofmehl-Betriebsleiter - doch genau das sei das Verdienst dr beiden Organisatorinen. Sie besorgen vor allem die Werbung für «Forever young» - und das mit mit viel Herzblut und Engagement. «Give aways» an Firmenanlässen gehören dazu, nicht dagegen PR über das Facebook. «Nein, ich schreibe noch richtige Einladungs-Briefli mit einigen persönlichen Sätzen», verrät Catherine Meili.

Doch ohne das Kofmehl-Team ginge nichts, lobt Monika Kummli ihre Partner von der Kulturfabrik, «sie ist der beste Durchführungsort für uns.» Die beiden Frauen hätten auch schon andere «Ü-40-Partys in anderen, grösseren Städten besucht. Doch nirgends sei es so toll wie in Solothurn gewesen - «dort kennen jedenfalls viele unsere Kofmehl-Partys.» Die auch ihre Markenzeichen haben: So sind für Monika Kummli und Catherine Meili als Deko die weissen Tischtücher mit Kerzen jeweils ein Muss.

Jung und alt zusammen

Die Kulturfabrik lässt jüngere oder ältere Organisatoren von Party-Formaten in ihren Hallen gewähren - neben «Forever young» gibt es beispielsweise auch die beliebten «Stoopid»-Events in der Raumbar. «Und solange Catherine und Monika für ‹Forever young› fänen und sich so wunderbar stark machen, solange wird es ‹Forever young» sicher geben. Aktuell sind drei bis vier Ausgaben pro Jahr geplant – ein Modus, der für die Ü-Vierziger offensichtlich gut planbar ist.» Einen Konflikt mit dem Kofmehl-Anspruch «Jugendkultur» sehen der Betriebsleiter und sein Team nicht - im Gegenteil.

So entdecke man viele Gesichter der «Oldie-Party» auch sonst an Kofmehl-Konzerten und -Anlässen. Aber auch wenn jüngere Besucher während ihres Anlasses in der Raumbar noch bei «Forever young» vorbeischauen, stört das die Organisatorinnen nicht. «Das gibt viel Goodwill untereinander», ist auch Pipo Kofmehl von der Wechselwirkung Jung - Alt überzeugt.»