Freundschaftsfest

Wenn die Calamares mit Slivovitz verdaut werden

Drei Tage und zwei Nächte lang verwandelte sich der Obere Winkel in eine Gourmet-Meile. Seit 35 Jahren gibts an diesem Anlass Essen von den verschiedensten Orten der Welt.

Die Strategie ist klar: «Erst sehen wir uns alles an, und dann entscheiden wir, was wir nehmen.» Das war noch jedes Ausländerfest so, pardon, Freundschaftsfest natürlich. Aber nach 35 Jahren, so lange gibts das Fest schon, sind wir nicht mehr wählerisch. Beim Essen dagegen schon. Octopus vom Grill bei den Thais, das kriegt man nicht alle Tage. Die Spiedini sind ohnehin gesetzt. Aber davon später. Und dann landen wir doch wieder am Anfang, dort, wo José Campos, der «Jefe» des Traditionsfests wirkt. Paella, Calamares, Chorizo oder Gambas? Tatsächlich, ein Schweizer schleppt zwei Kalbsbratwürste mit Pommes ab - die spanische Konzession an helvetische Geschmäcker.

Fünf Nationen

José Campos hat alle Hände voll zu tun. «Doch helfen mir rund 20 Leute, schon beim Aufbau und nachher während des Fests.» Nicht nur Spanier, «nein, auch aus Santo Domingo in der Dominikanischen Republik». Sonst war das Fest auch schon internationaler: Noch fünf Stände, sein spanischer, ein türkischer und ein tamilischer sowie das Thai-Restaurant werden durch die Balkan-Spezialitäten wie Cevapcici mit Pivo (Bier) und Slivovitz abgeschlossen. «Sonst sind wir sieben, aber dieses Jahr machen nur fünf mit.»

So fehlen die Schweizer «und darum haben wir heuer wieder ein Ausländerfest», lacht Campos. «Nächstes Jahr sind sie wieder dabei», hofft er, und dann wird sowieso einiges anders sein. «Unser Fest findet dann am zweiten Juni-Wochenende statt, weil am dritten das Alte Spital nicht mehr sein Sommerfest durchführt. Am zweiten Wochenende ist meistens besseres Wetter.» Über das sich der Präsident der Ausländerorganisationen im Alten Spital dieses Jahr allerdings kaum zu beklagen brauchte.»

Italiener grenzen sich ab

Ein Schatten liegt aber seit Jahren über dem Freundschaftsfest: Die Italiener haben sich abgesondert, feiern drüben in der Adlergasse neben ihrem Vereinslokal in einer Garage. Campos mag nicht gross darüber reden. Die Italiener seien schon lange nicht mehr im Alten Spital, und offenbar hat es seinerzeit Streit gegeben, auch über die Standgebühren. Doch die Spiedini, Spiesschen mit kleinen Würfeln von Abruzzen-Lämmern, die sind einfach der Hammer.

Und so bestellen wir am Spezialgrill in aller Freundschaft einige Häppchen. Apropos Freundschaft: Seit Jahren versucht José Campos, den Festschluss um 1.30 Uhr zu verlängern. «Sechsmal gabs dazu ein Nein der Stadt.» Diesmal legte am Samstag nach 23 Uhr Petrus das Veto ein - mit Blitz und Donner.

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