Rückblick

Wenn der Winter nicht mehr stattfindet: So war das Solothurner Wetter 2020

Ein schöner Sommer lockte viele an und auf die Aare.

Ein schöner Sommer lockte viele an und auf die Aare.

Auch in der Region Solothurn geht das Jahr 2020 als zu warm in die Wetterannalen ein. Zudem war es auch etwas zu trocken.

Mit einem Jahresmittel von 11,2 Grad reiht sich 2020 nahtlos in die jüngste Serie der zu warmen Jahre ein. Zwar wurde der Rekord von 12 Grad – aufgestellt 2018 – in der Region Solothurn klar verfehlt, aber von den zwölf Monaten waren lediglich drei im Normalbereich oder etwas kühler ausgefallen. Der Februar mit einem Wärmeüberschuss von fast 5 Grad sowie der April mit einem solchen von gut 3 Grad wichen am deutlichsten nach oben zum langjährigen Jahresmittel ab.

Es hätte auch mehr regnen dürfen

Das Jahr 2020 geriet auch etwas zu trocken, wie die Niederschlagsstatistik des Wallierhofs Riedholz belegt.

Die Gesamtjahresmenge von 1206 Litern oder Millimeter Regen pro Quadratmeter hält zwar gerade noch die Marke von monatlich 100 Litern, bleibt in der Jahresbilanz aber um genau 100 Liter hinter dem Sechsjahres-Durchschnitt zurück.

Trockener war es zuletzt nur noch 2015 mit einer Gesamtjahresmenge von 111 Litern gewesen. Besonders trocken präsentierten sich im letzten Jahr der April und der November mit jeweils nur gerade 33 Litern Niederschlag. Zu beachten ist auch, dass die Regenmengen in der Stadt Solothurn übers Jahr jeweils um rund 10 Prozent geringer ausfallen als in Riedholz oben unmittelbar am Jurabogen.

Und wieder gab’s einen grünen Winter

Im «Winter» 2019/20 sah Solothurn nur gerade im Dezember für wenige Tage eine geschlossene Schneedecke – im Januar 2020 fehlte diese völlig und auch im Februar reichte es nur am Monatsende zu einigen Flocken bis in die Stadt hinab. Auch brachten es die beiden ersten Monate 2020 nur gerade auf läppische vier Eistage, an denen die Temperatur nie die 0-Grad-Marke übertraf. Zu registrieren ist am 10. Februar auch der Wintersturm Sabine, der aber keine nennenswerten Schäden hinterliess.

Definitiv nichts mehr mit Eis und Schnee hatte der März am Hut. Der erste Frühlingsmonat ebnete den Weg für einen extrem sonnigen und deshalb trockenen April, der vor allem den Morchelfreunden das Nachsehen gab. Immerhin herrschte im Lockdown perfektes Wetter fürs Joggen, Biken und Spazieren – so insbesondere auch über die Ostertage. Wesentlich nasser präsentierten sich der Mai und der Juni, was den wegen Corona um einige Wochen hinausgeschobenen Start der Badi-Saison erträglicher machte.

Der Sommer als Verschnaufpause

Es schien, als hätte Petrus ein Einsehen mit der coronamüden Solothurner Bevölkerung, denn der Sommer 2020 konnte sich durchaus sehen lassen. Niemand vermisste allerdings die extremen Hitzewellen, die in den beiden Vorjahren 2018/19 für Waldbrandgefahr und Trockenstress in der Vegetation gesorgt hatten. Zwar gab es Ende Juli und in der ersten Augusthälfte durchaus einige Tage mit Maxima über 30 Grad und ab und an eine Tropennacht, doch immer wieder wurden diese Perioden durch zwei, drei Regentage unterbrochen. So verzeichnete man in Riedholz für die drei Sommermonate immerhin 328 Liter Regen pro Quadratmeter – in den beiden Vorjahren waren es nur 280 Liter gewesen und im Hitzesommer 2015 gerade mal 204 Liter.

Der sommerliche Wettercharakter zog sich bis weit in den September hinein, so war das beliebte Schwimmen in der Aare bis in die dritte Woche des Monats bei einer Wassertemperatur von über 20 Grad möglich. Die grosse Zäsur erfolgte am Freitag, 25. September, als die Tagesmaxima um 10 bis 12 Grad einbrachen. Bei Höchsttemperaturen nur noch knapp im zweistelligen Bereich flüchtete nun alles nach drinnen in geschlossene Räume – und die Folgen sind bekannt: Ab Oktober stiegen die Coronafallzahlen auch im Solothurnischen markant an.

Ende September wurden auch schon die ersten Flocken auf dem Weissenstein gesichtet. Ein Ereignis, das einen zu kühlen und nassen Oktober ankündete. Und der November brachte erwartungsgemäss, was er immer in seinem Gepäck mit sich führt: Nebel ohne Ende. Immerhin lag die Obergrenze meist unterhalb von 1000 Metern, sodass die Sonnenhungrigen bei den Berggasthöfen der ersten und zweiten Jurakette in Scharen auf ihre Rechnung kamen. Ein Vergnügen, das derzeit ebenso abgehakt werden muss wie das Skifahren auf unsern «Högern» – obwohl es auf diesen für einmal genug Schnee gegeben hätte…

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