Solothurn

Wenn der Volieren-Wart an Krücken geht

Ausnahmezustand in der Voliere Solothurn: Die Heimat von 200 Vögeln erfordert täglich stundenlangen Aufwand. Doch Obmann Walter Ferndriger, sonst stets bei seinen Lieblingen anzutreffen, fällt schon seit zwei Monaten wegen einer Hüftoperation aus.

Am 5. März herrschte plötzlich der Ausnahmezustand in der Voliere: Obmann Walter Ferndriger, der das Vogelparadies zusammen mit seiner Frau Caterina betreut, musste sich einer Hüftoperation unterziehen. Die Folge: Totalausfall. «Ich hoffe, dass ich Mitte Mai wieder einsatzfähig bin», meint der Volieren-Wart, der seine gefiederten Freunde schon zumindest an Krücken besuchen kann.

In die Lücke sprang zusammen mit Caterina Ferndriger ein treues Helferteam, bestehend aus Nachbarin Roswitha Marti, Regine Pounthny sowie dem einzigen Mann im «Frauenpower-Team», Heinz Stettler, der sein sonstiges Pensum in der Voliere aufgestockt hat. Denn täglich gibts für drei bis vier Stunden Arbeit in den Gehegen mit rund 200 Vögeln. «Die wollen alle gefüttert sein. Und daneben ist natürlich jeweils das Putzen die Hauptarbeit. Aber», lacht Caterina Ferndriger, «es macht auch viel Spass!»

Grossfamilie mit Zuwachs

Tatsächlich herrscht in den Voliere-Gehegen ein ständiges Flattern, Zwitschern und Herumhüpfen. Die «Stars» sind eindeutig die beiden Graupapageien Chica und Pauli –sie total vernarrt in Walter Ferndriger, er in Gattin Caterina. Nach dem Winter erhielt die Grossfamilie farbenprächtigen Zuwachs: Schönsittiche. «Im Herbst übernahmen wir einen zugeflogenen Vogel und brachten ihn vorerst zu Hause unter. Wir kauften dann einen zweiten Schönsittich dazu, doch der eine jagte den andern ständig.» Das Rezept von Walter und Caterina Ferndriger: Sie erwarben weitere zwei Schönsittiche und nachdem sich herausgestellt hatte, dass sich die die äussert farbenprächtigen Vögel bestens mit andern vertragen, sind sie nun auch in der Voliere zu bewundern. Dort teilen sich die Schönsittiche einen grösseren Raum mit quirligen Zebrafinken und den «boden-orientierten» Legewachteln. «Damit können wir sie nächsten Winter auch hier in der Voliere behalten», so Ferndriger.

Probleme gabs auch mit dem zutraulichen Nymphensittich Kiki in der grossen Eckvoliere. Gleich zweimal musste er die Krankenstation mit einem Futterwechsel aufsuchen – das zweite Mal vielleicht auch, weil ihm das neue Logis so zugesagt hatte. Speziell ist die Geschichte eines weiteren Populationszuwachses: Aus einer Privathaltung in Neuhausen am Rheinfall stammen fünf der Grünwangenrotschwanzsittiche – die Tochter hatte einen Auslandsaufenthalt angetreten und die Familie sich nach gründlicher Recherche entschieden, ihre Sittiche in die Voliere nach Solothurn zu geben.

Nun gibt es zwei Graupapageien in der Voliere Solothurn – statt zwei Männchen aber ein Männchen und ein Weibchen.

September 2017: Nun gibt es zwei Graupapageien in der Voliere Solothurn – statt zwei Männchen aber ein Männchen und ein Weibchen.

Unterhalt dank Spenden

Das Entgelt für den Unterhalt der Anlage ist gering. «Es deckt gerade gut die Spesen für das Futter und das Benzin», erzählt Walter Ferndriger. Haupteinnahmequelle für die Voliere sind ihre Spendenaktionen mit einem Postkartenversand an Gönnerinen und Gönner. «Seit wir zu der Voliere schauen, haben sich die Spenden verdoppelt», sieht sich das Ehepaar für seinen täglichen Aufwand durchaus belohnt.

Vögel nicht nur in der Voliere

Die diesjährigen Postkarten zeigen auch die Vogelwelt ausserhalb der Voliere rund um die Anlage: Dohlen, Alpen- oder Mauersegler tummeln sich dort im Luftraum. Und deshalb organisiert die Voliere für ihre Fan-Kolonie am Sonntag, 15. Mai, ab 8 Uhr morgens eine zweistündige Führung, auf der mit etwas Glück sogar ein Eisvogel an der Aare gesichtet werden könnte.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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