Stagediving-Unfall
Wenn der Sensemann unvermittelt zuschlägt, sitzt der Schock tief

Chefredaktor Theodor Eckert zum tödlichen Unfall beim Stagediving in der Kulturfabrik Kofmehl.

Theodor Eckert
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Sprung von der Bühne in die Menge: Stagediving an einem Konzert.

Sprung von der Bühne in die Menge: Stagediving an einem Konzert.

Keystone

Wer nicht auf dem Bau, dem Feld oder im Wald arbeitet, läuft ein geringes Risiko, sich am Arbeitsplatz tödlich zu verletzen. Kompensiert wird in der Freizeit: in den Bergen, im Wasser, auf Rädern, auf Eisenbahnwaggons, in Ausgeh-Lokalen.

Der Tod lauert überall. Er sucht sich seine Opfer scheinbar wahllos aus. Mit ihm rechnen mag während Spass-Stunden niemand. Besonders nicht junge Menschen. In diesem Alter fühlt man sich noch unsterblich.

Entsprechend sorglos wird zuweilen mit dem eigenen und dem fremden Leben umgegangen. Und das Beste daran: Es passiert tatsächlich nichts. Meistens wenigstens.

Wenn der Sensenmann dann aber doch unvermittelt zuschlägt, sitzt der Schock tief. Nicht bloss bei den Nächsten. Die allgemeine Betroffenheit nach dem tragischen Unfall in der Kulturfabrik Kofmehl ist verständlicherweise gross. Fragen nach dem Wie und Weshalb bleiben unbeantwortet. Wie oft in Fällen, wenn das Schicksal erbarmungslos das Geschehen lenkt und über unser Dasein bestimmt. Dies zu akzeptieren fällt schwer. Rasch versuchen wir, mit Regeln und Verboten entgegenzuhalten. Letztlich ist es ein Trugschluss. Die totale Absicherung gibt es nicht und sie ist auch nicht erstrebenswert. Nicht lebenswert. Der Preis für die Bewegungs- und Handlungsfreiheit kann im Extremfall zu hoch sein. Zum Glück wissen wir nicht, wann der Zeitpunkt gekommen ist, da bezahlt werden muss.