Theater Mausefalle

Wenn der Mond Mord verheisst

Nico Barth und Franziska Bussmann unterhalten sich.

Nico Barth und Franziska Bussmann unterhalten sich.

Atmosphärisch dicht und stimmungsvoll hat das Teatro Mobile in der Mausefalle das Kriminalstück «Drohung bei Mondlicht» von Patrick Hamilton auf die Bühne gebracht.

Auffallend beim Betreten des Theaters und mit Blick auf die Bühne ist das reizvolle Dekor. Links in einem Schrank versteckt die Hausbar mit Gin, Whiskey oder Cognac. Rechts ein Cheminée mit Sessel und Ständerlampe. In der Mitte eine Polstergruppe, die sich um ein kleines Salontischchen reiht. An den cremefarben gestrichenen Wänden Gemälde. An der Hinterwand ein Fenster mit langen Vorhängen. So behaglich kann es eigentlich nur in einer englischen Wohnung in der Zwischenkriegszeit aussehen.

Die Behaglichkeit ausströmende Atmosphäre der Wohnung wird in den kommenden zwei Stunden einer schweren Prüfung unterzogen, wenn, bedingt durch den Vollmond, welcher durchs Fenster blickt, dramatisches Geschehen vorherrscht. Patrick Hamilton versteht es, wie kaum ein anderer englischer Dramatiker, eine an sich harmlose Ausgangslage zu wählen, welche mit zunehmender Dauer des Spiels an Nervenkitzel zunimmt. Hier ist jedoch gleich beizufügen, dass das vorliegende Stück, vielleicht im Gegensatz zu «Cocktail für eine Leiche» oder «Gaslicht», auch zartbesaiteten Besucherinnen durchaus zuzumuten ist. Zudem ist «Drohung bei Mondlicht» ein weitgehend unbekanntes Werk des Autors und somit eine Trouvaille.

Longford möchte allein sein

Neben dem Fenster auf einem Kästchen steht ein Radioapparat. Das Stück spielt 1933, und der Hausbesitzer Sir Charles Waterbury und sein Gast Mr. Longford haben daraus eine Gegensprechanlage gebastelt, so dass sie miteinander kommunizieren können. So möchte Sir Charles, dass sein Gast ihn in den Ausgang begleite. Doch Longford hat keine Lust unter Leute zu gehen und möchte den Abend gemütlich allein verbringen. Doc h kaum hat er sich mit Sandwich und Lektüre eingedeckt, klingelt es. Aber nicht Sir Charles steht vor der Türe, welcher Longford doch noch zum Ausgang überreden möchte, sondern ein gewisser Cyrus Sidney Armstrong.

Der Besucher gibt sich charmant, sagt, er möchte Longford kennenlernen, weil dieser seine Schwester Brenda in einer Bar getroffen habe. Longford möchte Armstrong bald wieder loswerden, doch dieser fängt an über Mond und Jungfräulichkeit zu reden, und die Stimmung wird zusehends ungemütlicher. Bevor es jedoch zu einem tätlichen Angriff seitens Armstrongs kommt, taucht dessen Mutter auf. Mrs. Armstrong schickt ihren Sohn nach Hause und erzählt Longford, dass Cyrus alle sieben Jahre und immer bei Vollmond eine schreckliche Tat begehe. Sie fleht Longford an, sich in Sicherheit zu bringen, da Cyrus nun auf ihn fixiert sei. Mehr indessen sei vom Inhalt nicht verraten.

Überzeugende Darsteller

Das Stück ist eine grosse Herausforderung an den Darsteller des Longford, steht er doch während der ganzen Spieldauer ununterbrochen auf der Bühne. Nico Barth steht das mit Bravour durch und wirkt durch sein Spiel und die präzise Sprache durchwegs überzeugend. Franziska Bussmann als Mrs. Armstrong ist ihm eine ebenbürtige Partnerin und beweist ihr vielseitiges Können. Patrick Kappeler wirkt in jeder Nuance glaubhaft, vom smarten Besucher bis zum bedrohlichen Gast. Aehnliches ist auch von Marc Kaiser zu sagen, welcher dessen Bruder Harry Armstrong verkörpert. Nur durch die Stimme präsent ist Michael Wirz als Sir Charles Waterbury. Der Hausbesitzer im oberen Stockwerk ist durch die Gegensprechanlage zu hören, trägt aber entscheidend zum Finale bei. Selbstredend wird der Text live gesprochen. Erstmals zeichnet Melanie Egger für die Technik verantwortlich und sorgt für Licht und Telefonklingel.

Nächste Aufführungen: Fr./Sa. 23./24. November je 20 Uhr, So. 25. November 17 Uhr, Fr. 30. November und Sa. 1. Dezember je 20 Uhr

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