Coronakrise

Wenn der 3D-Drucker für Schutz sorgt: Solothurner Unternehmer stellen Gesichtsschilde her

Markus Arni und Michael Wirz demonstrieren ihren Gesichtsschild aus dem 3D-Drucker.

Markus Arni und Michael Wirz demonstrieren ihren Gesichtsschild aus dem 3D-Drucker.

Markus Arni und Michael Wirz haben in der Coronakrise eine Marktnische ausgemacht. Sie produzieren mit ihrer Firma Display Doktor in Solothurn Gesichtsschilde für Coiffeure oder Kindergärtnerinnen.

Das Unkraut wächst zwischen den Ritzen der Pflastersteine und verrät, dass auf dieser Garageneinfahrt bei einem Einfamilienhaus in der Nähe des Stadions schon lange kein Auto mehr gefahren ist. Tatsächlich stehen hinter dem Garagentor neun 3D-Drucker, die unablässig und fast geräuschlos bunte Plastikteilchen produzieren. Hier stellt die Firma 3D Sol seit neustem Gesichtsschilde her, wie man sie sonst nur im Fernseher bei Reportagen aus einer Intensivstation eines Covid19-Spitals sieht.

Als Michael Wirz und Markus Arni letzten Herbst ihr Zweimann-Unternehmen «Display Doktor» mit Sitz an der Judengasse an der HESO präsentierten, hätten sie sich unmöglich vorstellen können, welchen ungewöhnlichen Gegenstand sie heute produzieren. Das neue Coronavirus war damals ja noch gar nicht von einer Fledermaus auf einen Menschen übergesprungen. Die beiden umtriebigen Solothurner wollten einfach ihr Hobby in eine Geschäftsidee verwandeln und mit einem Messestand Werbung dafür machen. «Wir verkaufen 3D-Drucker und bei uns kann man an zwei Samstagen in einem Workshop lernen, wie ein solcher Drucker funktioniert», erklärt Arni die ursprüngliche Idee.

Eine Firma aus Tschechien macht’s möglich

«Die Gemeinschaft der 3D-Drucker ist bereits sehr gross. Auf frei zugänglichen Datenbanken kann man Vorlagen für weit über eine Million verschiedene Gegenstände gratis downloaden. Wenn man beispielsweise mit seinen Kindern ein schönes Modell zusammenbaut und man merkt am Samstagabend, dass ein einziges Teilchen fehlt, dann ist es natürlich ganz toll, wenn man sich dieses Teilchen ausdrucken kann und das Modell am Sonntag fertig wird.» Das mache einfach Spass.

«Meine Frau ist Filialleiterin in der Solothurner Niederlassung der Drogeriekette Müller und sie suchte für ihre Angestellten einen möglichst guten Schutz vor dem neuen Coronavirus» erzählt Wirz, wie er auf die Idee gekommen ist, Gesichtsschilde zu produzieren. So ging er im Internet auf die Suche und bei der Tschechischen Firma Prusa wurde er fündig. «Sie stellt nicht nur das Design für die Teile zum Bau der Schilde gratis zur Verfügung, die Firma liess die Visiere auch gegen den Coronavirus testen und stellte die Informationen zum korrekten Gebrauch und zur Desinfektion bereit.» Zuletzt wurde noch eine kleine Investition nötig: «Wir brauchten noch einen neuen Schneidplotter, mit dem wir handelsübliche PVC-Scheiben mit einer Dicke von 0,3 Millimetern auf die richtige Form zuschneiden können», erklärt Michael Wirz den letzten Schritt. Der Zusammenbau sei schliesslich Handarbeit. «Das elastische Band ist ein normales Knopflochgummiband. Es ist leicht auf die Kopfgrösse einstellbar, preiswert und kann gewaschen werden.»

Bisher haben die zwei Solothurner, die in ihrem Shop aber auch Gesichtsmasken anbieten, bereits 50 Gesichtsschilde zum Preis von 29 Franken verkauft – und das ohne Werbung. Derzeit stehen neun 3D-Drucker bereit, welche die Teile drucken können. Sollte die Nachfrage extrem steigen, hat es in der Garage noch Platz für neun weitere Drucker. «Diese wären eigentlich für den Verkauf vorgesehen gewesen, wir könnten sie aber rasch für die Produktion einrichten. So könnten wir dann rund 100 Stück pro Tag produzieren», sagt Michael Wirz.

«Wir befinden uns in einem Blindflug»

«Die Einsatzbreite ist gross», meint Markus Arni. Als potenzielle Kunden sieht er zum Beispiel Coiffeure oder Kindergärtnerinnen. «Die Gesichtsschilder haben den Vorteil, dass der Mund nicht verdeckt wird, wodurch die Kommunikation besser möglich ist.» Er rechnet damit, dass man noch lange mit dem Coronavirus leben und sich schützen muss, bis eine Impfung auf den Markt kommen wird.

Michael Wirz befürchtet, dass eine zweite Coronawelle über die Schweiz rollen wird. Markus Arni lobt das bisherige Krisenmanagement: «Der Bundesrat kann es nicht allen recht machen. Als Ladenbesitzer verstehe ich die Ungeduld der Leute. Es geht um Existenzen. Alle wollen deshalb so bald wie möglich zur Normalität zurückkehren.» Ein zweiter Lockdown wäre schlimm, «aber wir befinden uns in einem Blindflug. Prognosen sind problematisch und erst rückblickend weiss man, welche Entscheide richtig und welche falsch waren.»

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