Solothurn
Wenn das Treppenhaus der Boden für Verwechslungen, Missverständnisse und Streitigkeiten wird

Die Gesellschaft vom Liebhabertheater feierte mit dem Stück «Gstürm im Stägehuus» Premiere.

Katharina Arni-Howald
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Heidi Scheller (Fabienne Zbinden) verdreht den Männern (hier Max Schor, gespielt von Bernhard Hartmann) den Kopf.

Heidi Scheller (Fabienne Zbinden) verdreht den Männern (hier Max Schor, gespielt von Bernhard Hartmann) den Kopf.

Zur Verfügung gestellt

Wo Meta Boll auftaucht, brodelt es in der Gerüchteküche. Für den neuesten Tratsch geistert sie sogar nachts im Treppenhaus des in die Jahre gekommenen Mietshauses herum, lauscht an Türen und bringt mit ihren Lügereien und übler Nachrede den Hausfrieden der Bewohner in Gefahr. Nichts hält die Klatschsüchtige davon ab, das Erlauschte sofort an den richtigen Mann oder die richtige Frau zu bringen. Insbesondere der brummige Rentner Eduard Brunner, die gutmütige Witwe Hanna Knöpfli und deren Untermieter Heidi Scheller und Peter Brunner haben unter Meta Boll zu leiden. Dazu gesellen sich der Hausbesitzer und Metzgermeister Bernhard Hartmann, der für Ordnung sorgen will, sowie der Garagebesitzer Hans Scheller, der auf der Suche nach seiner Tochter ist, die es wie Peter Brunner zu Hause nicht mehr ausgehalten hat. Eines wird von Anfang an klar: Meta Boll beherrscht das Treppenhaus und schafft den Boden für Verwechslungen, Missverständnisse und Streitigkeiten.

Mit der fröhlichen Heidi Scheller kommt endlich frischer Wind ins Haus. Innert kurzer Zeit gelingt es ihr im nostalgischen Petticoat-Look, die Männer in Balzhähne zu verwandeln. Der Miesepeter Eduard Brunner, dessen Drohfinger sich immer wieder in die Treppenhausluft bohrt, entwickelt sich zum verliebten Gockel, und der verheiratete Hausbesitzer Bernhard Hartmann schleicht mit einer dicken Wurst hinter der jungen Untermieterin her. Selbst ein einziger Damenstrumpf bringt die männlichen Hormone zum Überlaufen.

Schwank aus Norddeutschland

Die neueste Inszenierung der Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn (LTG) «Gstürm im Stägehuus» ist ein Schwank in vier Akten vom bekannten norddeutschen Laientheater-Schauspieler und Autor Jens Exler und wurde 1960 in Flensburg in plattdeutscher Sprache uraufgeführt. Unter dem deutschen Titel «Tratsch im Treppenhaus» ist die Komödie im deutschsprachigen Raum sehr beliebt.

Es ist eine Rückschau in eine Zeit, als Moral und Anstand oftmals auf den Säulen einer prüden Verklemmtheit errichtet worden sind. Temporeiche Dialoge mit einem Gespür für spannungsreiche Auf- und Abgänge sowie Schauspieler, die grosse Lust am Verkörpern ihrer Rollen hatten, machten das Lustspiel auch am Stadttheater Solothurn zu einem volkstümlichen Spektakel der Extraklasse.

«Ich will nichts gesagt haben.»

Spritzig, witzig und turbulent, so kann man die hervorragende Aufführung, die am Wochenende Premiere hatte, in wenigen Worten beschreiben. Das Lob gilt zuallererst Rita Lysser (Meta Boll), die in der Paraderolle eine hervorragende Arbeit leistete und mit ihren Intrigenspielen das Treppenhaus jederzeit von oben bis unten im Griff hatte. Von ihr, die es mit der Wahrheit nicht immer so genau nahm, stammt auch der wohl wichtigste Satz des Abends: «Ich will nichts gesagt haben.» Exzellent besetzt waren auch die anderen Rollen. René Stocker (Eduard Brunner) lief im Alkoholrausch nach dem Kaninchenzüchterball zusammen mit Sabina Vitelli (Hanna Köpfli) zur Hochform auf. Mit ihrer fröhlichen und einnehmenden Art überzeugte Fabienne Zbinden (Heidi Scheller) und trug damit zum versöhnlichen Ausgang des Stückes bei. Auch Simon Schär (Peter Brunner) Fritz Fankhauser (Hans Scheller) und Max Schor (Bernhard Hartmann) hatten ihre Rollen hervorragend einstudiert und verliehen der Aufführung ihren besonderen Charme. Viel zu verdanken hatte das Ensemble auch Regisseur Kurt Egger, der die Verantwortung für die Inszenierung übernommen hatte und die Grundvoraussetzungen schuf, dass das Publikum bis auf die letzte Minute köstlich unterhalten wurde.

Eine Treppe, ein Flur und vier Türen. Mehr hatte es nicht gebraucht, um ein Bühnenbild zu gestalten, das die Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts hervorragend dokumentierte. Der Premierenapplaus im vollbesetzten Haus war lang anhaltend und herzlich.

Weitere Vorstellungen: 7. Dezember, 19.30 Uhr; 10. Dezember, 17 Uhr; 13. Dezember, 19.30 Uhr; Samstag, 30. Dezember, 19 Uhr- Stadttheater Solothurn.

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