Solothurn
Wenn das Lieblingsessen zum Kunden kommt

Der Lieferdienst «Rahim & Co.» beschreitet mit seiner Idee in Solothurn neue Wege. Er liefert das Essen aus dem Lieblingsrestaurant nach Hause.

Andreas Kaufmann
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Jungunternehmer Güney Apaydin will mit seiner Geschäftsidee nach Langenthal auch in Solothurn Fuss fassen.

Jungunternehmer Güney Apaydin will mit seiner Geschäftsidee nach Langenthal auch in Solothurn Fuss fassen.

Andreas Kaufmann

Wer am Samstagabend den Hang zum Dolcefarniente spürt, musste sich bisher kulinarisch mit dem Menü zufriedengeben, das der Kurier an die Haustür bringt: Pizza und Kebap. Neu gilt: Will der Kunde nicht ins Restaurant, so kommt das Restaurant zum Kunden. Sinngemäss folgt diesem Prinzip auch die Geschäftsidee von Güney Apaydin aus Bützberg: Essen aus dem Lieblingsrestaurant auf Bestellung ins Haus geliefert.

Seit Anfang Jahr ist die Firma «Rahim & Co. Lieferungen», die er zusammen mit seiner Verlobten Rukhsar Rahim betreibt, auch in Solothurn aktiv. Der Kunde ruft an, wählt das Solothurner Restaurant und die Speise seiner Wahl, der Lieferdienst bestellt die Ware, holt sie im Lokal ab und bringt sie für einen Lieferbetrag ab 13 Franken dem Kunden in der näheren Umgebung Solothurn.

Zurzeit zeige sich der Erfolg seiner Geschäftsidee hier eher zögerlich. «Der Umsatz bleibt insgesamt noch unter unseren Erwartungen, weil man das Angebot noch nicht so kennt», mutmasst Apaydin. Ausserdem habe es viel auch mit Sympathie und dem Vertrauen zu tun – beides muss noch wachsen.

Leute zahlen gern für Qualität

Auch in Langenthal musste «Rahim & Co. Lieferungen» anfänglich die Werbetrommel rühren – was aber seit März 2013 dank Mundpropaganda zu entsprechendem Bekanntheitsgrad geführt hat. Da Langenthal statistisch als Schweizer Durchschnittsstadt für die Marktforschung gilt, sei sie für den Start von «Rahim & Co.» zum Gradmesser geworden, so Apaydin. «Erstaunlicherweise hat es eher mit Bestellungen kleineren Gruppen und Einzelpersonen angefangen», erinnert sich Apaydin.

Also jene Kundschaft, die auf einen kleinen Warenbetrag verhältnismässig hohe Lieferkosten in Kauf nimmt. «Erst später kamen Gruppenbestellungen von Firmenteams oder Spitalteams hinzu.» Gerade in Branchen, wo nur ein schmales Zeitfenster für die Verpflegung offensteht, kommt Apaydins und Rahims Idee mittlerweile gut an. In Langenthal stehen zwei Mitarbeitende im Einsatz, während Apaydin und Rahim Solothurn betreuen.

Dass die Leute in Kauf nehmen, einen relativ hohen Lieferkostenanteil zu berappen, erklärt Apaydin mit dem Anspruch auf Qualität. «Die Leute sind bereit, dafür auch etwas mehr zu bezahlen.» Und dies soll in erster Linie durch die rasche Auslieferung der frischen, will sagen: noch heissen Ware garantiert werden. Ein Konzept, das auch bei der älteren Bevölkerung funktioniert.

Und: «Das wir gerade bei der Schweizer Bevölkerung gut ankommen, ist nicht selbstverständlich. Schliesslich heisst unser Lieferdienst nicht ‹Meier & Co.›» Immerhin habe seine Verlobte mit afghanischen Wurzeln den Namen beigesteuert, «was immer noch einfacher zu merken ist als ‹Apaydin› und auf arabisch ‹Erneuerung› bedeutet.»

Ein Novum in der Region

Hierzulande ist das Konzept tatsächlich etwas Neues, das auch in Deutschland und Österreich erst am Aufkommen ist. Entstanden ist die Idee bereits im Dezember 2012: «Immer nur Pizza vom Kurier» – dem immer gleichen Kuriermenü wurde der 21-jährige Maturaabgänger mit kurdischen Wurzeln irgendwann mal überdrüssig. «Und auch in meinem Umfeld spürte ich das Bedürfnis, zur Abwechslung die Lieblingspizza zugestellt zu bekommen, oder Speisen, die nicht geliefert werden – Hamburger oder Asiatisches.»

Ob er Angst gehabt habe, als er das Wirtschaftsstudium abbrach, um sich seiner Idee zu widmen? «Nein, Angst nicht, nur hätten flüssige Mittel am Anfang den Einstieg in die Selbstständigkeit sicherlich erleichtert», so Apaydin.

Trotz (oder wegen) des frühen Einstiegs ins Unternehmertum will Apaydin später die Fachhochschule nachholen. Konkreten Anschauungsunterricht steuert dafür das Geschäftsmodell von «Rahim & Co.» allemal zur Genüge bei.