Was noch vor einigen Jahren kaum denkbar war, ist Realität geworden. Die Altersehrung ist kein Anlass mehr, um bloss mit Gleichalterigen ein Mittagessen und ein Glas Wein zu geniessen und - wenn man es bis ins hohe Alter geschafft hat - einen Blumenstrauss und eine Flasche Solothurner Wein geschenkt zu bekommen. Auch nicht, um sich passiv durch ein abwechslungsreiches Programm führen und zu lassen und zu applaudieren. Nein, an der Altersehrung im Landhaus tanzen die Senioren heute Boogie Woogie und zeigen, wie fit sie sind. Domenika Senti, Leiterin der Sozialen Dienste, ist die Freude ins Gesicht geschrieben, als sie sieht, wie sich vorne im Saal der freigelassene Raum auffüllt. Auf der Bühne steht das Tanzpaar Sonja Emch Secchi und Francesco Secchi vom Boogie Woogie Club Pink Cadillac Solothurn und macht vor, was auch in älteren Körpern schlummern kann - wenn auch etwas gemächlicher, aber nicht minder leidenschaftlich. Wer sich nicht nach vorne wagt - vor allem die Männer - hat bei dieser Show eindeutig das Nachsehen.

Von den 1827 Seniorinnen und Senioren, die dieses Jahr zur Altersehrung eingeladen wurden, haben sich insgesamt 503 Personen angemeldet, das ist etwas weniger als in den Vorjahren. Eingeladen wurden Einwohnerinnen und Einwohner ab dem 74. Altersjahr. «Viele fühlen sich in diesem Alter noch zu jung, um an der Altersehrung teilzunehmen, aber sie haben unrecht. Es geht nicht ums Alter, sondern darum, Gleichalterige zu treffen und Gedanken auszutauschen», sagt ein Teilnehmer und wendet sich wieder seinem ehemaligen Arbeitskollegen zu.

Wenn das Alter ab 75 beginnt

Bevor ein Film über den Landhausbrand von 1955 über die Leinwand flimmert und die Schlussfeier des Jodlerfestes von 1990 Erinnerungen weckt, begrüsst Stadtpräsident Kurt Fluri traditionsgemäss die Besucherinnen und Besucher. Auch er stellt fest, dass die heutigen, jüngsten Eingeladenen nicht mehr vergleichbar sind mit denjenigen vor 20 Jahren. «Die Bezeichnung «Altersehrung» passt nicht mehr zu den jüngeren Jahrgängen, deshalb haben wir uns entschlossen, die Altersgrenze neu auf 75 Jahre festzulegen.» Das habe nichts mit Sparmassnahmen zu tun, sondern es gehe lediglich um eine bessere Vereinbarkeit der Jahrgänge mit dem Charakter der Veranstaltung.

Zum Landhausbrand hat Feuerwehrkommandant Martin Allemann einiges zu erzählen. Es sei die Zeit gewesen, als Robert Lembkes heiteres Beruferaten am Fernsehen für hohe Einschaltquoten gesorgt habe, Winston Churchill als Premierminister zurückgetreten und Albert Einstein gestorben sei. Mit seinen Ausführungen sprach Allemann all jene an, die den Brand hautnah miterlebten und wesentlich dazu beitrugen, dass das Landhaus, in dem sie nun geehrt wurden, wieder aufgebaut werden konnte. «Die Alternative wäre gewesen, an diesem Standort Parkplätze zu errichten.», bemerkte er und bezog sich auf einen Bericht im Solothurner Kalender 2015 aus dem Rothus-Verlag. Es ging alles sehr schnell damals: Das Landhaus stand wegen seiner Holzkonstruktion innert kurzer Zeit in Vollbrand. 10 000 Schaulustige verfolgten das Spektakel und Allemann, der damals soeben das Licht der Welt erblickt hatte, fragte sich: «Wieviele von ihnen haben wohl die Arbeit der Feuerwehr behindert?»

Bentz’sche Balladen

Mit dem Satz «Weil wir es in Solothurn gerne so haben, wie es immer schon war», kündete Domenika Senti last but not least auch den ehemaligen Leiter der Sozialen Dienste an. Ohne die Balladen von Urs Bentz würde an der Altersehrung etwas Wesentliches fehlen. Sein von der Gitarre begleiteter Streifzug durch das Städtchen befasste sich mit dem Bipperlisi, dem Sesselilift, der Krone und den künftigen Wahlen.

Senti hat auch gerechnet: «An der diesjährigen Altersehrung kommen 24480 Lebensjahre zusammen.» Eine Ballung an Erfahrungen, Weisheit und Wissen sei das, betonte sie.