Stadtbummel Solothurn
Wenn Bernerinnen «soledurnere»

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Das Sujet heisst «chunsch ou» – und nicht «Chunnsch au?».

Das Sujet heisst «chunsch ou» – und nicht «Chunnsch au?».

zvg

Namen sind Schall und Rauch. So muss aus dem «Durstigen Wanderer» in Feldbrunnen zwingend was Neues werden. Fordert ein Gastrokonzept-Päpstli. Wie wärs mit «Bipperlisi»? Und darinnen ein Ambassadorebäse-Stübli? Sowie eine Blechschade-Bar? In der Stadt sind wir ja längst so weit. Die allzu brave «Sonne» mutierte zum «Härdöpfu-Hus», das «Volkshaus» ist, hmm – eine Bierbar geworden, die just vor einem Jahr mit viel Trara angekündigte «Öufi-Beiz» im ehemaligen «Buristurm» war schon bald einmal Makulatur und soll demnächst mit einem neuen Konzept und ergo Namen wieder eröffnet werden. Hauptsache Konzept. Immerhin «Pier 11» hat sich einigermassen in den Solothurner Hirni eingegraben. «La Couronne» wird es sicher noch. «Bier 11» wäre auch noch hübsch. Aber ob das Alex Künzle schmecken würde?

Namhafte Adressen von zurzeit wichtigen Läden sind verschwunden. Nicht, dass es die Läden nicht mehr gäbe. Aber früher, da war alles noch klar. Sobald Solothurn fasnachtssturm dahertaumelte, ging männiglich und auch Frau zum Haefeli oder in den Hirsig. Heute wäre das die Kryolan City GmbH unten an der Schaalgasse oder das Kinderparadies Bohnenblust AG an der Hauptgasse. Wobei letzteres in der Geschäftsinhaberin und Ur-Fasnächtlerin Vreni Holzer eine Top-Ansprechpartnerin für närrische Anliegen hat.

Der Name ist Programm. Manchmal tut s auch ein Begriff oder ein Süschée. Vor 350 Jahren baute Solothurn mächtige Schanzen. Gegen die Berner. Genutzt haben sie bekanntlich nichts. Gegen die Franzosen nicht und gegen die Berner schon gar nicht. Im Gegenteil. Stolz bekennen sich derzeit in Solothurn Tausende zu ihrem Berntum. Und tragen auf dem Revers das «Chunsch ou». Zum Glück werden wir nicht den trostlosen Stadtberner Fasnachtsumzug haben. Ohne Masken und ohne Wagen. Ohne Wagen? Da war doch was... Item. Zurück zu den Bernern in und unter uns. Denn ausgerechnet sie revoluzzen gegen die grossmächtige Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO. Die zwei netten Berner Damen im Landi-Interimsfasnachtslädeli an der Aare unten fragen nämlich in ihrem Flyer very keck: «Chunnsch au?» – Wau! Die Berner femmes fatales bemühen sich offensichtlich um political correctness und schreiben das Süschée tatsächlich – auf soledurndütsch. Nei aber au! Drumm hier der ganz wichtige Tipp für alle, die Schaufenster gestalten und von der UNO prämiert werden möchten: Das hüürige Süschée heisst: «Chunsch ou». Ohne Fragezeichen. Kapiert?

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