Theater Mausefalle

Wenn aus dem Mail-Verkehr plötzlich weit mehr wird

Mail-Beziehung: Emmi (Janine Frey) und Leo (Leonardo Glutz). zvg

Mail-Beziehung: Emmi (Janine Frey) und Leo (Leonardo Glutz). zvg

Im Theater Mausefalle vermag das Stück «Gegen Nordwind» dank seines witzigen, erotischen und besinnlichen Textes in einer Aufführung auf hohem Niveau von Anfang bis Schluss zu fesseln.

Für Inszenierungen des Teatro Mobile fast untypisch ist das üppige Bühnenbild. Auf der einen Seite das Schlafzimmer einer Frau, auf der anderen das Wohnzimmer eines Mannes.

Hier ein Toilettentisch mit vielen Utensilien, vor allem auch Getränken, und einem Kleiderschrank, dort ein Bücherregal mit Ordnern und schmucklosem Schreibtisch mit Computer.

Die Frau hat einen Laptop. Diesen benutzt sie, um einem Verlag ein Abonnement aufzukündigen. Statt «lieke» tippt sie «leike» ein und prompt kommt dieses E-Mail bei Leo Leike an.

Er schreibt ihr zurück, dass er der falsche Adressat sei. Da er nun offensichtlich auf ihrem Laptop registriert ist, bekommt er ihre Wünsche zum Jahreswechsel. Er ist sauer, schreibt ihr zurück, sie solle ihn nicht mehr belästigen. Sie entschuldigt sich. So beginnt eine ungewöhnliche, wohl aber zeitgemässe Liebesgeschichte.

Intimitäten werden ausgetauscht

Der 1960 in Wien geborene Daniel Glattauer hat seinen E-Mail-Roman «Gut gegen Nordwind» 2006 veröffentlicht. Der Roman wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert und ein Jahr später vom Autor und Ulrike Zemme für die Bühne eingerichtet.

Emmi Rothner, so die Verfasserin des E-Mails, ist mit Bernhard, einem verwitweten Musiklehrer, glücklich verheiratet und erzieht dessen zwei Kinder aus erster Ehe. Leo Leike ist Assistent an der Uni und in diverse Forschungsprojekte involviert.

Er hat gerade eine Beziehung mit Marlene hinter sich, weshalb er über die Neujahrswünsche so verärgert war. In der Folge vertrauen sich Emmi und Leo intimste Dinge an und das Publikum wartet gespannt darauf, ob sie sich auch mal persönlich treffen werden.

Kongeniale Roman-Umsetzung

Wer nun erwarten würde, Emmi und Leo ständig am Laptop oder PC sitzen zu sehen, sieht sich getäuscht. In der Regie von Jörg Studer bewegen sich Janine Frey und Leonardo Glutz ständig in ihrem Bühnenbereich und sprechen dabei die eigentlich nur auf dem Bildschirm ersichtlichen Texte so, wie sie diese in Gedanken in die Tasten hämmern.

Durch Blackouts werden die zeitlichen Distanzen deutlich gemacht. Die hohe Sprachkompetenz von Janine Frey und Leonardo Glutz machen allein das Zuhören der Texte zum Vergnügen.

Da wird geflüstert, geschrien, gespöttelt und angemacht, je nach Stimmung und Laune. Dazu wird aber auch szenisch gespielt. Einmal liegt Emmi im Bett, dann sitzt sie in einem Sessel, um gleich darauf vorne an der Rampe zu sein.

Leo zieht sich Schuhe und Socken aus und läuft barfuss in der Wohnung herum, stöbert im Bücherregal oder liegt auf dem Teppich. So kommt denn nicht nur das Ohr, sondern auch das Auge auf seine Rechnung.

Dass die beiden Protagonisten je nach Jahreszeit auch ihre Kleider wechseln, unterstreicht nur die Perfektion dieser Inszenierung. Die für die Technik verantwortlichen Melanie Egger und Sven Witmer sorgen dafür, dass die Blackouts jeweils richtig platziert sind. Das zahlreiche Publikum bedankte sich zu Recht mit lang anhaltendem Applaus.

Nächste Aufführungen: Samstag, 1. Juni, 20 Uhr; Sonntag, 2. Juni, 17 Uhr; Donnerstag bis Samstag, 6.bis 8. Juni, je 20 Uhr; Sonntag, 9. Juni, 17 Uhr.

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