Kulturfabrik Kofmehl

Wenn 4- bis 10-Jährige in die Disco gehen

In der Kulturfabrik Kofmehl ist am Sonntag die erste Kinderdisco über die Bühne gegangen. Das Motto war Superhelden. Angesprochen sind mit dem innovativen Format Kinder von vier bis zehn Jahren.

Während die typische Zielgruppe der Kofmehl-Besucher früher auf zwei bis drei Lebensjahrzehnte beschränkt war, geht längst auch reiferes Publikum in der Kulturfabrik ein und aus. Mit einem neuen Format setzen die beiden Kulturvermittler Christoph Stapfer und Remo Streit vom Verein «monday’s kulturmanagement» nun am anderen Ende an. Sie bringen als erstes Vereinsprojekt die Kinderdisco in die Kofmehl-Raumbar. Nach ihrer Einschätzung ist es in der Region die einzige, die regelmässig stattfindet.

Eine gelungene Pilotveranstaltung im Dezember mit rund 100 Besuchern (inkl. Erwachsene) gab Rückenwind, um für dieses Jahr gleich vier Nachmittage zu lancieren, an denen Kinder zwischen vier und zehn Jahren tanzen, spielen, sich begegnen, aber vor allem Spass haben sollen. Der erste davon fand gestern Sonntag statt, der nächste wird am 26. April unter dem Motto «Zirkus» über die Bühne gehen.

Eine vordefinierte pädagogische Mission verfolgen die Organisatoren nicht: «Wichtig ist, dass die Kinder tanzen, Hemmungen abbauen, mit Gspänli spielen können und mit Musik in Kontakt kommen», sagt Christoph Stapfer. Zudem werden die kleinen Besucher ermutigt, sich entsprechend dem jeweils festgelegten Motto zu verkleiden. Eine Schminkecke ermöglicht dann den stimmigen Feinschliff. Und die Musik, die aus den Lautsprechern zu hören ist, ist kindsgerecht – auch Christian Schenker & Grüüveli Tüüfeli oder alterstaugliche Hitparaden-Songs gehören dazu.

Erwachsene werden einbezogen

Fünf Personen sorgen im Vorder- und Hintergrund für Unterhalt und Unterhaltung des Anlasses: Zwei Personen aus dem Kofmehl-Team stehen an der Sirupbar, zwei junge Frauen animieren die Kleinen zu Tanz und Spiel. Weiter wirken auch Stapfer und Streit mit sowie Daniel Lopez, der sich als Kofmehl-Vertreter ebenso zentral in der Konzipierung und Umsetzung einbringt. Die intensive Betreuung macht die Veranstaltung nicht automatisch zum Kinderhort, was letztlich auch eine Frage der Haftung ist: So müssen die Kinder in Begleitung eines Erwachsenen sein. Aber auch für diesen «Anhang» ist gesorgt: Ausserhalb der Raumbar ist für Erwachsene ein Sitzbereich mit Kaffee und Kuchen eingerichtet. Und in dieser geselligen Atmosphäre können sich die Eltern auszutauschen. Nicht zuletzt ist die Kinderdisco auch eine Visitenkarte für weitere Projekte, die dem Verein «monday’s kulturmanagement» entwachsen könnten.

Im Vorfeld des Pilotanlasses gab es kritische Nebengeräusche, wonach die jüngste Zielgruppe hier allzu früh dem Kommerz ausgesetzt würde. Hingegen scheinen weder Stapfers eigene Eindrücke noch die Rückmeldungen der Besucher die Unkenrufe zu bestätigen. Hinter dem Anlass stecke kein Kalkül, Kinder für die spätere «Partytreue» bei Stange zu halten. «Zudem ist der Anlass für Kinder wie Erwachsene kostenlos, ebenso ist der Sirup gratis, der ausgeschenkt wird.» Indes wird das Jahresbudget von 3000 Franken nicht durch Werbesponsoren bestritten, sondern durch Stiftungen in der Kinder- und Jugendförderung. Zugesichert ist bereits ein Beitrag seitens Jugendkommission, weitere Zuwendungen sind auf gutem Wege, wie Stapfer bestätigt. Und am Pilotanlass gab es von einigen Besuchern sogar einen freiwilligen Zustupf.

«Für Kinder und Eltern toll»

Einstweilen sind Stapfer und Streit beim Kofmehl-Team mit dieser Idee auf ein vorhandenes Bedürfnis gestossen. So deckte man mit der «Teen Night» die bislang jüngste Altersgruppe von 13 bis 16 Jahren ab. «Früher waren Kinder bei uns gar kein Thema», sagt Pipo Kofmehl, Leiter der Kulturfabrik.

Mittlerweile seien die Besucher des Kofmehl aber selbst Eltern geworden – was auch ihn als Vater einer mittlerweile zweieinhalbjährigen Tochter mit einschliesst. «Wir haben mit Klara den ersten Anlass besucht. Und sie hatte sichtlich Spass, auch wenn sie für den Anlass noch etwas zu jung ist.» Aber auch für Eltern selbst sei die Kinderdisco eine tolle Sache, fügt er an. «Sie können hier ihre Freuden und Sörgeli austauschen.» Und: «Ich als Papi merke auf einmal, wie wichtig Musik für Kinder ist.»

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