Podium zur Medtech

Weniger als zwei Minuten sollte die Produktion in der Schweiz dauern

In der Produktion gibt es Zeitdruck.

In der Produktion gibt es Zeitdruck.

Spannende Einblicke in die Medizinaltechnik offenbarten sich den Zuhörern im Schloss Blumenstein. Im Rahmen der Ausstellung zur Solothurner Industriegeschichte diskutierte ein Podium über die Konkurrenz der Schweizer Industrie mit der Chinesischen.

Kann die Schweizer Industrie mit China mithalten? Für Ypsomed-Vizepräsident Simon Michel war die Antwort am Dienstagabend klar. «Wenn die Herstellung eines Produkts länger als zwei Minuten dauert, macht die Produktion in der Schweiz keinen Sinn mehr.» Chancen für die Schweiz sieht der Hersteller von Injektionssystemen dagegen in der hochautomatisierten Produktion: «Hier bauen wir in der Region aus. Auf eine Million Spritzen machen die Kosten eines Mitarbeiters nicht mehr viel aus.»

Es waren spannende Einblicke in die Medizinaltechnik, die ein hochkarätiges Podium am Dienstagabend im Museum Blumenstein gab. Im Rahmen der Ausstellung zur Solothurner Industriegeschichte diskutierten vier Branchenvertreter über das «Medtech Valley Jurasüdfuss»: Arne-C. Faisst, CEO der Mathys AG, Simon Michel, Senior Vice President von Ypsomed, Erich Tschannen, von Stryker Osteosynthesis und Bruno Fellmann, Geschäftsführer der Sphinx Werkzeuge.

(von links) Erich Tschannen, Marketing Manager Stryker Osteosynthesis, Arne C. Faisst, CEO Mathys AG, Simon Michel, Senior Vice President Ypsomed und Bruno Fellmann, Geschäftsführer und Verwaltungsrat Sphinx Werkzeuge.

Spitzenvertreter der Solothurner Medtech-Industrie versammelten sich zum Gespräch im Museum Blumenstein

(von links) Erich Tschannen, Marketing Manager Stryker Osteosynthesis, Arne C. Faisst, CEO Mathys AG, Simon Michel, Senior Vice President Ypsomed und Bruno Fellmann, Geschäftsführer und Verwaltungsrat Sphinx Werkzeuge.

«Es ist möglich, günstiger als in China zu produzieren», sagte Erich Tschannen von Stryker. «Wir müssen bereits heute intern mit China und Puerto Rico konkurrenzieren.» Dafür seien innovative Lösungen nötig, die Kosten senken. In Selzach tragen «Geisterschichten am Wochenende» dazu bei. Sie benötigen kein Personal. «Wir haben uns alle den Herausforderungen gestellt», fügte Mathys-CEO Arne-C. Faisst an. «Vor zehn Jahren hätte niemand der Anwesenden gewusst, wie lange die Produktion eines Werkstücks dauert.» Heute kenne jeder die Zahlen.

95 Prozent Export

Länger beschäftigte sich das Podium mit der Qualitätssicherung. Acht Prozent der Kosten wendet Yposmed dafür auf. Alle zwei Wochen gebe es ein Audit japanischer, brasilianischer amerikanischer Behörden, sagte Michel. Denn Ypsomed liefert 95 Prozent in den Export. «In China gelten die gleichen Qualitätsstandards wie hier. Das Knowhow können wir hier aber beispielhaft garantierten», ergänzte Mathys-CEO Faisst.
Wo denn die Hürden und Gefahren für die Zukunft liegen, wollte Gesprächsleiter Andreas Toggweiler, Redaktor bei der Solothurner Zeitung, wissen. Defizite machten die Anwesenden bei der Personalsituation aus. Simon Michel erwähnte, dass gegen 100 Leute aus Deutschland bei Ypsomed arbeiten würden, weil es gewisse Ausbildungen in der Schweiz nicht gebe. «Da haben wir noch Potential.» Als Sicherheit für die Standorts in der Region erwähnte Michel, dass die Besitzer verschiedener Medtechfirmen aus der Region kämen und mit ihr verankert seien.

Langjährige Mitarbeiter als Vorteil

Faisst betonte als Standortvorteil die Erfahrung seiner Mitarbeiter. Im Familienunternehmen Mathys gebe es immer wieder Leute, die 40 Jahre dort arbeiten. «Wir bauen Produkte, die 10, 15, 20 Jahre halten müssen, dann sollten die Mitarbeiter nicht alle drei Monate wechseln.» Faisst sprach auch die Uhrenindustrie an, die nicht nur Erfahrungen im Präzisionsbereich, sondern auch in der Titanverarbeitung beisteuert. Er sei überzeugt, dass Mathys auch in 20 Jahren noch selbständig sein werde.

Bruno Fellmann, Geschäftsführer der Sphinx Werkzeuge, vertrat die Zulieferindustrie am Podium. Mit seiner Firma stellt er Bohrer her, die nur 0,03 Millimeter Durchmesser haben - ein Haar dagegen hat den Durchmesser von 0,05 Millimeter. «Wenn sie eine ruhige Hand haben, können Sie ein Haar durchbohren», sagte Fellmann. Er beklagte, dass es schwieriger werde, Lehrlinge zu finden. Bis jetzt scheint die Stellensituation insgesamt noch in ruhigen Bahnen zu verlaufen: Sie müssten sich nicht gegenseitig Leute abwerben, gaben die Medtech- Unternehmer an.

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