Die schweizweite Aufmerksamkeit war der Stadt Solothurn gewiss, als letzten Herbst publik wurde, dass im ansässigen Krematorium Edelmetalle aus der Asche entnommen werden. Allein 2012 flossen so nämlich 35 000 Franken in die städtische Friedhof-Spezialfinanzierung . Stossend sei, dass dies ohne Wissen der Öffentlichkeit und Angehörigen geschah, fand damals SP-Gemeinderätin Katrin Leuenberger und lancierte eine Interpellation, die an der vergangenen Gemeinderatssitzung behandelt worden ist. Denn: «Eine Diskussion über unseren Umgang mit Toten tut not», so die Interpellantin.

Rechtslage zurzeit unklar

Wie Stadtpräsident Kurt Fluri in seiner Antwort schreibt, werde das Vorgehen seit Inbetriebnahme der neuen Aschenmühle 2012 praktiziert. Diese sondert vorhandene Edelmetalle automatisch aus. Zwar darf die Asche laut geltendem Friedhofsreglement nicht nach Wertgegenständen durchsucht werden.

Ungeachtet der Tatsache, dass dieser Passus mit der baldigen Revision des Reglements verschwinden wird: Gilt das Verbot auch, wenn die Fundstücke automatisch aussortiert werden? Das Stadtpräsidium gibt zu: «Die Rechtslage ist leider nicht klar» und: «Unsere Praxis mag bedenklich sein.» Dennoch: Auch aus ökologischer Sicht will man körperfremde Stoffe nicht in der Asche zurücklassen.

Leuenberger prallt auf Fluri

Die ausführliche Interpellationsantwort konnte Leuenberger jedoch nicht zufriedenstellen: «Es ist nach den Betreibungen auf Steuervorbezüge der zweite Fall in zwei Jahren, bei der die Stadt ohne Rechtsgrundlage operiert.» Diese Kritik liess Fluri nicht auf sich sitzen und präzisierte rückblickend: «Wir haben die Betreibungen damals nur eingeleitet.» Unrechtmässig sei aber erst die Durchsetzung.

In Sachen Krematorium sorgte sich Leuenberger insbesondere um den pietätsvollen Umgang: «Wer garantiert, dass nicht noch verrücktere Ideen aufkommen, was man mit unseren Toten machen könnte?»

Ethik-Kodex steht aus

Zwar liess sie durchblicken, «dass auch ein Grossteil aus meinem Bekanntenkreis die Entnahme von Edelmetallen vertretbar findet.» Dies deckt sich mit der breiten öffentlichen Akzeptanz, die trotz rechtlich unklarer Lage herrscht: «Jedoch fanden es viele daneben, dass seitens Stadt nicht informiert wird.»

Leuenberger hofft nun auf Klarheit durch den Schweizer Verband für Feuerbestattung: So könnte noch diesen Juni ein Ethik-Kodex in Kraft treten, der neuen technischen Möglichkeiten der Aussortierung Rechnung trägt.

Demofreiheit vs. Religion

Neben dem Thema «Kremationsasche» dominierten weitere Vorstösse den Gemeinderat: Roberto Conti (SVP) zeigte sich «zum Teil zufrieden» mit der Antwort auf seine Interpellation zu einer Demo des kurdischen Kulturvereins am vergangenen 15. August (Mariä Himmelfahrt).

Damals kam es zu Ausschreitungen zwischen Linksautonomen und Rechtsextremen. Er zeigte sich enttäuscht, dass «das Anrecht auf eine Demonstrationsfreiheit höher gewichtet wird als ein hoher kirchlicher Feiertag.» Auch dass die Kostenhöhe für den Polizeieinsatz nicht präziser als «fünfstellig» ausgewiesen wurde, goutierte Conti nicht. Tvrtko Brzovic (SP) zeigte sich dankbar, dass die Stadt die demokratischen Grundwerte – namentlich die Versammlungsfreiheit – achte.

Bitte kein «Rottweiler tötet Stockente»

Ohne weitere Diskussion wurde die Antwort auf Susan von Sury-Thomas’ (CVP) Interpellation zur «Taubenplage» in Solothurn zur Kenntnis genommen (wir berichteten).

Für einen öffentlichen Zugang zum Aareufer bei der Badi ausserhalb der Badesaison hatte sich in einer Motion die SP starkgemacht. Dies würde jedoch laut Vorstossantwort hohe Kosten für einen demontierbaren Zaun und die nötigen Bodenhülsen verursachen: Insgesamt würden die Massnahmen mit 200 000 Franken zu Buche schlagen. Erstunterzeichner Reiner Bernath zog schliesslich seine Motion zurück und berief sich auf mögliche Probleme mit «Hündelern» im Zusammenhang mit dort ansässigen Wasservögeln. Scherzhaft fügte er an: «Wenn ich mir die Schlagzeile ‹Rottweiler tötet Stockente› vorstelle, ist das natürlich ein Killerargument.»