«Die Weltwoche on the road»: Verleger, Chefredaktor und SVP-Nationalrat Roger Köppel tourt durch die Schweiz, um Werbung in eigener Sache zu machen und mit «interessanten Persönlichkeiten von links bis rechts» die brisanten Themen der Zeit zu diskutieren – an ihrem Wohn- und Wirkungsort. Am Donnerstag war Station in Solothurn. Zum «Heimspiel» angetreten, wie Köppel sagt: Stadtpräsident und FDP-Nationalrat Kurt Fluri.

Fluri im Heimspiel, das kennen die Solothurner. Wegen einer Partie mehr wird sich der Landhaussaal kaum gefüllt haben. Aber was haben «Die Weltwoche» und dieser Köppel nicht schon auf Fluri eingedroschen, als es um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative der SVP ging. Die «Demokratieverächter» würden angeführt vom Solothurner Kurt Fluri, war etwa zu lesen. Köppel nannte ihn den «ebenfalls hochempfindlichen, ebenfalls unfreisinnigen Kollegen» des damaligen FDP-Präsidenten Philipp Müller, qualifizierte ihn als «juristisches Rumpelstilzchen» ab.

Das versprach schon Spannung. Würde Köppel wieder so auf Fluri einprügeln und würde dieser die Hiebe parieren können? Zu viel erwartet. Auch ein Roger Köppel weiss sich zu benehmen als Gast, der sich selber eingeladen hat, und blieb ausnehmend höflich. Man sei sich zwar nicht einig, aber was er an Fluri ausserordentlich schätze, sei, dass dieser sich immer der Diskussion und Auseinandersetzung stellt.

Klar versuchte der schreib- und nicht minder wortgewandte «Weltwoche»-Chef zu sticheln. Als er auf dem Weg ins Landhaus das Publikum in den Bars am Aarequai gesehen habe und ihm auch Cannabis-Duft in die Nase gestiegen sei, habe er sich schon gefragt, was denn das Erfolgsrezept des «ewigen Stadtpräsidenten» Kurt Fluri sei. In dieser Stadt müsse man sich doch sicher ordentlich nach links verbiegen, um immer wieder gewählt zu werden. Nein, er habe bloss eine gesellschaftsliberale Haltung, so Fluri. Und was Köppel am Landhausquai gesehen habe, sei der Ausdruck solothurnischer Lebensqualität. Zack, 1:0 im Heimspiel, in dem der gegnerische Angreifer beim Warmlaufen die Solothurner «Krokus»-Legende Jürg Naegeli an der Tonanlage doch glatt mit dem legendären Sprayer von Zürich, Harald Naegeli, verwechselt hatte. Dafür gabs einen Lacher, geht aber natürlich trotzdem gar nicht.

Die Antwort von der Genossenschaft Kreuz auf den Besuch von Roger Köppel

Doch, über Politik wurde auch gesprochen, ausführlich sogar. Und in einem Punkt waren sich Köppel und Fluri für einmal sogar einig – einen kurzen Moment lang: Die Verknüpfung der Steuervorlage mit der AHV-Reform ist ein demokratiepolitischer Sündenfall. Fluri hatte im Nationalrat für Eintreten auf die Vorlage, dann für Rückweisung an den Bundesrat, dann für eine Aufteilung in zwei referendumsfähige Beschlüsse zu Steuern und AHV und am Schluss aber doch für das ganze Paket gestimmt. Unter dem Strich müsse man die Nachteile des Pakets im Interesse des Wirtschaftsstandorts dann halt doch in Kauf nehmen. Für Köppel ist das inkonsequent, er findet es «gefährlich, wenn eine so alternativenlose Politik betrieben wird».

Angesagt war unter dem Titel «Die andere Sicht», welche «Die Weltwoche» ja als mehr oder weniger einziges Organ zu bieten für sich in Anspruch nimmt, ein Gespräch über die «brisanten Themen des Monats». Köppel ging es dann aber doch hauptsächlich um die Selbstbestimmungsinitiative der SVP (über die Ende November abgestimmt wird) und noch einmal um die Aufarbeitung des Gesetzgebungsprozesses zur Masseneinwanderungsinitiative in den eidgenössischen Räten von 2016.

Die Argumente hüben und drüben wiederholten sich auch am Donnerstag. Hier ein Roger Köppel, der auf die uneingeschränkte Autorität des Stimmvolks als Souverän pocht, da ein Kurt Fluri mit staatsrechtlichen Exkursen, der für einmal sogar ziemlich barsch wurde: «Souverän heisst nicht, dass man willkürlich herumwüten kann.» Aufatmen, die beiden bleiben Streithähne. Wobei: Kurt Fluri wurde an diesem Abend von Roger Köppel vom «juristischen Rumpelstilzchen» befördert zum «versierten Anwalt, der die Dinge so auslegen kann, dass mans glaubt».