Welchen Stellenwert hat der «Prix de Soleure» mittlerweile im Schweizer Filmschaffen?

Seraina Rohrer: Die Solothurner Filmtage vergeben den «Prix de Soleure» dieses Jahr zum achten Mal. Er gehört zu den wichtigen Preisen im Schweizer Film und ist mit 60 000 Franken der höchstdotierte Preis für einen Schweizer Film.

Nimmt man den Preis auch international zur Kenntnis?

Die Gewinnerfilme sind stolz auf den Preis und verwenden ihn für die Promotion. Trotzdem ist die Strahlkraft des Preises primär national.

Welchen Nutzen oder Vorteil haben die Träger dieses Preises?

Die Gewinner des «Prix de Soleure» verwenden das Preisgeld meist für ein nächstes Filmprojekt. Er ermöglicht ihnen, an einem Folgeprojekt zu arbeiten, ohne bereits von allen Förderstellen eine Zusage in der Tasche zu haben.

Welche Rolle spielt das hohe Preisgeld?

Die Dotierung mit 60 000 Franken ist äusserst wichtig. Häufig erhalten Filmschaffende Ruhm und Ehre, aber kaum Geld. Beim «Prix de Soleure» ist dies anders. Ich finde das wichtig, denn es trägt zur Wertsicherung der Arbeit bei.

Wer bestimmt über die Nominierungen?

Die Auswahlkommission wählt die Filme aus. Premieren werden bevorzugt behandelt.
Ist es schwierig oder einfach, Filme zu finden, welche die Preisträger-Kriterien erfüllen?
Bei den Dokumentarfilmen haben wir in der Regel sehr viele Filme, die sich eignen. Bei den Spielfilmen hingegen gibt es häufiger Diskussionen, welchen Film man nominieren sollte. Bei Spielfilmen ist auf den ersten Blick weniger klar, welche wirklich gesellschaftlich relevant sind.

Wie wird die jeweilige Jury zusammengestellt? Welche Vorgaben müssen die Mitglieder erfüllen?

Die Personen, die in der Jury Einsitz nehmen, müssen ein grosses Interesse an Filmen haben. Wichtig ist uns, dass die Jury interdisziplinär zusammengesetzt ist. Wir wollen mindestens eine Filmexpertin oder einen Filmexperten und jemanden aus dem Kontext Gesellschaft oder Politik.

Ist das auch der Grund, warum bisher ausschliesslich Dok-Filme ausgezeichnet wurden?

Bei Dokumentarfilmen ist oft klarer, dass sie eine gesellschaftliche Relevanz haben. Hinzu kommt, dass der Dokumentarfilm in der Schweiz die eigentliche Königsdisziplin ist. Das sieht man auch bei den Erfolgen des Schweizer Films auf dem internationalen Parkett.

Dieses Jahr stehen neun Filme, davon ein Spielfilm, zur Auswahl. Ist dies eine besonders reiche Auslese? Wie viele Filme stehen in der Regel pro Jahr zur Wahl?

In der Regel nominieren wir zwischen fünf und acht Spiel- und Dokumentarfilme. Dieses Jahr haben wir besonders viele Filme erhalten, die sich für eine Nomination anboten. Aber auch hier zeigt sich erneut: Es sind vor allem Dokumentarfilme.

Wissen Sie, welches der bisher erfolgreichste Preisträger-Film war? An weiteren Auszeichnungen oder auch von der Publikums-Beachtung her sowie kommerziell?

Alle mit dem «Prix de Soleure» ausgezeichneten Filme feierten Erfolge an internationalen Filmfestivals. Das freut mich sehr. «Der Imker*» von Mano Khalil lockte gar rund 30 000 Zuschauerinnen und Zuschauer alleine in die Schweizer Kinos. Das ist ziemlich beeindruckend.
(*Dieser Film erhielt laut Swissfilms sieben weitere internationale Dokumentarfilm-Auszeichnungen und wurde an 13 Festivals gezeigt. Die Red.)