Sechs Studenten der ETH Zürich stellten ihre Überlegungen zur Kulturlandschaft Verenaschlucht einer grossen, interessierten Öffentlichkeit vor. Begleitet wurden sie von der Gastprofessorin Marie-José Van Hee, welche bereits zweimal an der Biennale in Venedig ausgestellt und internationale Preise erhalten hat. Ihr Assistent Diego De Angelis umriss einleitend kurz die den Studenten gestellte Aufgabe, den im 18. Jahrhundert angelegten Landschaftsgarten in die heutige Zeit zu überführen.

Von den insgesamt über 20 Arbeiten wurden für diese Präsentation sechs ausgewählt, welche sich geografisch oder konzeptionell voneinander unterscheiden. Allen gemeinsam ist indessen, dass sie die Spiritualität des Ortes hoch bewerteten und erhaltens- und schützenswert befanden. Wenngleich bei mehreren Arbeiten, so auch jener von Christian Ott, das Häuschen des Eremiten in seiner heutigen Form verschwinden würde.

«Das Häusle muss stehen bleiben», meinte indessen der Einsiedler Michael Daum, «denn seit 1442 steht an dieser Stelle eine Klause.» Auch Samuel Rutishauser, ehemaliger kantonaler Denkmalpfleger, ist dieser Ansicht, doch hat er Freude an der Kreativität der Studenten. Sie werden in ihrem Beruf dann noch früh genug mit der Realität konfrontiert werden.

Die sechs Studenten haben drei Modelle mitgebracht und in ihren Ausführungen detailliert über Baupläne und den dazu gehörenden Materialien informiert. Christian Ott, David Bühler und Matheo Michels haben ihr Unbehagen über den nördlichen Zugang zur Einsiedelei in ihren Arbeiten thematisiert. Von Solothurn aus durchschreitet man die Schlucht, welche in die Einsiedelei mündet. Von Rüttenen aus steht man plötzlich vor dieser Einsiedelei, ohne sich darauf einstimmen zu können.

Faszination des Wasserlaufs

David Bühler würde die geteerte Strasse und den Parkplatz aufheben. Die Autos in Rüttenen parkieren lassen und auf einem Uferweg entlang des Verenabaches und dem Geräusch des Wassers folgend so die Einsiedelei von Norden erreichen.

Das jetzige Ausflugsrestaurant würde durch einen Neubau mit einem kleinen Café und einer öffentlichen Toilette ersetzt. Die Fensterfront des Cafés wäre gegen den Bach hin ausgerichtet. Mit der Felsenhöhle links Richtung Solothurn hat sich Leander Peper auseinandergesetzt. Er würde sie in das Wegnetz einbeziehen und die jetzige Strasse den Bikern und Joggern überlassen. An dieser Stelle sei bereits im 18. Jahrhundert gesprengt worden, so dass eine erneute Intervention zulässig sei.

Ebenfalls dem Verenabach zugewendet wäre die Säulengalerie eines für den Eremiten neu zu erstellenden Gebäudes, wie Matheo Michels dies plant. Dieses wäre klosterähnlich, massiv gebaut und würde einen Gästetrakt beinhalten, in welchem sich Leute für einige Tage zurückziehen könnten. Der Eremit könnte seelsorgerliche Gespräche führen, sofern erwünscht. Die Säulengalerie würde den öffentlichen Teil des Gebäudes mit dem Privatbereich des Eremiten verbinden. Einen anderen Ansatz verfolgt Philippe Niffeler mit seiner Arbeit.

Er geht darin vom Aussichtspunkt Wengistein aus und würde einen Weg über die Hügelkante führen und nördlich, mit Aussicht auf den Weissenstein, eine gedeckte Feuerstelle bauen. Eine einfache Konstruktion mit einheimischen Materialien Stein und Holz. Schliesslich präsentierte Marc Over sein «Haus für die Quelle». Ihm schwebt ein Wanderweg vor, welcher sich von der Mündung des Verenabaches in die Aare bis zur Quelle auf dem Jura erstreckt. Im Bereich der Quelle würde er mit einfacher Architektur einen Ort des Verweilens gestalten mit einem Wasserbecken. Umgeben von einer Trockenmauer aus Kalkstein ohne Mörtel. Inzwischen ist dieses Semesterthema für die Studenten bereits Geschichte, doch in ihrem Inneren hallt die Faszination des Kraftortes nach.