Altes Spital

Weiterbildungskurse tragen dazu bei selbstbestimmter und unabhängiger zu leben

Menschen mit Beeinträchtigung lernen durch die Weiterbildungskurse von Pro Infirmis unabhängiger und selbstbestimmter zu leben.

Menschen mit Beeinträchtigung lernen durch die Weiterbildungskurse von Pro Infirmis unabhängiger und selbstbestimmter zu leben.

Über 200 Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen besuchen regelmässig die Weiterbildungskurse des Bildungsklubs Pro Infirmis und lernen dabei, den Alltag selbstbestimmter undunabhängiger zu bewältigen.

Im Grossen Saal des Alten Spitals herrscht Hochstimmung. Die Menschen, die sich dort an diesem speziellen Abend ein Stelldichein geben, sprühen vor Lebensfreude. «Bisch zwäg, Michu», ruft eine junge Erwachsene, die bald erklären wird, weshalb sie im Bildungsklub einen Internet-Basiskurs besucht. Michu hält eine Gitarre in der Hand und nickt. Für ihn ist die Musik das halbe Leben und die Lage, wie seinem Blick zu entnehmen ist, im Moment eher ernst. Verstecktes Lampenfieber? Die einen reagieren auf den kommenden Bühnenauftritt mit Introvertiertheit, andere machen Freudensprünge. Hier eine herzhafte Umarmung, dort ein freundliches Lächeln. Menschen ohne eine Beeinträchtigung können an diesem Abend viel lernen.

Endlich ist es so weit, Helga Willimann, seit 13 Jahren Leiterin des Bildungsklubs, greift zum Mikrofon und begrüsst die bunte Schar, die den Saal bis in den kleinsten Winkel füllt.

Die Freude, integriert zu sein

Von überall her sind sie gekommen, die jungen und älteren Menschen, die vormachen, dass man das Leben auch von einer anderen Seite anpacken kann. Sie leben im Discherheim, im Kontiki, im Theresienhaus, in der Hohenlinden und anderen Institutionen, wo sie Geborgenheit spüren und erfahren, dass auch sie vollwertige Menschen sind. Vollwertige Menschen, die auch das Recht haben, zu lernen und sich weiterzubilden, um ihren Alltag besser bewältigen zu können oder ganz einfach, um Freude zu haben und in der Gesellschaft integriert zu sein.

Viel Engagement und Rücksicht

Der Bildungsklub, der diese Weiterbildung in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule möglich macht, nehme auf die Beeinträchtigungen Rücksicht und passe sich dem Tempo der Kursbesucher an, sagt Helga Willimann und bittet die zahlreichen Kursleiter auf die Bühne, bevor sie diese für die Akteure des Abends freigibt. «Ohne sie, die versuchen, alle Wünsche zu erfüllen, gäbe es den Bildungsklub nicht», sagt sie und lobt das Engagement und die Geduld, die es braucht, um auf diesem Gebiet erfolgreich Geschichte zu schreiben.

Es wird gekocht und geklatscht

Doch dann geht es richtig los. Mit viel Herzblut zeigen die Kursteilnehmenden, was sie gelernt haben: im Trommelkurs, in der Kreativwerkstatt, auf der Mundharmonika, beim überaus beliebten Kreistanzen, in der Rappergruppe, im Theater- und Internet-Basiskurs. Und natürlich in der Küche, wo leidenschaftlich gekocht, gebacken und gegessen wurde. Das Publikum macht begeistert mit: singt, klatscht und spornt zu Höchstleistungen an. Es ist der verdiente Lohn für Ausdauer und Fleiss, was nicht in jedem Fall selbstverständlich ist. Helga Willimann weiss das und betont, wie wichtig es auch sei, in einer Gruppe zu lernen und soziale Kontakte zu pflegen. In der Wandelhalle warten selbst gemachte Süssigkeiten und Getränke, und an hübsch hergerichteten Tischchen zeigen Kursleiter, was es sonst noch alles im Bildungsklub zu erlernen gibt.

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