Architekturforum

«Weiterbauen am Baudenkmal»: Was bleibt von Salvisberg?

Das Bankgebäude der Crédit Suisse steckt mitten im Umbau.

Das Bankgebäude der Crédit Suisse steckt mitten im Umbau.

Die Sanierung der ehemaligen Volksbank an der Wengistrasse in Solothurn hat vor zwei Monaten begonnen und beschäftigte auch das Architekturforum im Touringhaus, das zu einer Diskussion unter dem Titel «Weiterbauen am Baudenkmal» einlud.

Am Salvisbergtisch sassen nebst zahlreichen Interessenten Anna Suter und Franz Meisterhofer vom Berner Architekturbüro Suter + Partner AG Architekten. Sie haben den Wettbewerb für die Sanierung des berühmten Baudenkmals gewonnen und sich seither intensiv mit dem Projekt auseinander gesetzt. Das Bankgebäude wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals umgebaut. Vor allem der markante bauliche Eingriff in den 80er Jahren hat die Architekten in der Planungsphase beschäftigt und viele Fragen aufgeworfen. «Bei der letzten Sanierung wurde gründlich aufgeräumt, sodass nur noch wenig an das Original von 1927 erinnert», hielt Anna Suter fest.

Salvisberg ist für seine klare und kompromisslose Architektursprache bekannt und verwirklichte mit der Volksbank in Solothurn einen Bau, der ihm für das Neue Bauen so beispielhaft erschien, dass er ihn noch Ende der 30er Jahre in einer Vorlesung an der ETH erwähnte. Auch Anna Suter sprach von einem wichtigen Zeitzeugen und fand Gefallen an den einfachen, klaren Dimensionen, zu denen auch die symmetrische Fassade gehört, die in all den Jahren nicht verändert wurde.

«Es wäre nicht ehrlich»

Wie nun aber umgehen mit diesem edel daherkommenden Repräsentationsbau der auch international in die Architekturgeschichte eingegangen ist? «Einfach war es nicht», gestand Anna Suter. Einerseits habe das einheitliche Erscheinungsbild der heutigen Crédit Suisse nicht viel Spielraum offen gelassen. Anderseits war der Versuch verlockend, wieder auf Elemente von Salvisberg zurückzugreifen. Doch das stand für Anna Suter nach all den einschneidenden Umbauten nicht mehr zur Diskussion. «Es wäre nicht ehrlich, wenn man die Geschichte zurückbauen würde», sagt die Architektin und wird dabei von ihrem Kollegen, Franz Meisterhofer, unterstützt.

Trotzdem haben sie den Versuch gewagt, einzelne Elemente rückgängig zu machen. So wird das Zwischengeschoss entfernt, um die ursprünglich gemeinte Grosszügigkeit der Halle wieder herzustellen. Sichtbar gelassen wird im Einvernehmen mit der Bank die farbige Bemalung an der Betonbalkendecke, die an eine Holzdecke erinnert. Die bisher vermisste Trennung zwischen dem Kunden- und Mitarbeiterbereich wird konsequent durchgezogen, was zur Folge hat, dass sich der Kunde nur noch im Erdgeschoss frei bewegen kann. Im Vordergrund stehen auch die Erneuerung der in die Jahre gekommenen Technik und die Anpassung an umweltfreundliche Materialien. Unangetastet bleibt laut den Wettbewerbsgewinnern die aus porösem, grünlichem Kunststein bestehende Fassade.

Eine Diskussion entstand um die geplante Erhaltung des voluminösen Treppenhauses, die laut Anna Suter durchaus diskutierbar ist, aber von den Architekten als erhaltenswert empfunden wurde.

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