Generationen-Akademie
Weisheit im Alter als Quelle der Inspiration

Die Lern- und Bildungsinstitution «Akademie der Generationen» feiert ihr fünfjähriges Bestehen.

Andreas Kaufmann
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Rudolf Erzer, Initiant der Akademie, beim Sommerhaus de Vigier.

Rudolf Erzer, Initiant der Akademie, beim Sommerhaus de Vigier.

Andreas Kaufmann

«Will ich dem Gummibaum beim Wachsen zusehen? Oder habe ich mit meinem Leben noch was Besseres vor?» Diese Frage stellte sich der heute 68-jährige Solothurner Rudolf Erzer vor über fünf Jahren angesichts des Älterwerdens.

Weil er wusste, dass er mit dieser Aussicht nicht alleine war und sie mit Altersgenossen teilte, und weil er schon zuvor Projekten um Projekten im Bereich Bildung und Integration Leben eingehaucht hatte, wurde dieses Nachsinnen zur Geburtsstunde der Seniorenakademie, die heute «Akademie der Generationen» heisst.

Das Konzept: Sich in Vorlesungen aus den Bereichen Natur- und Geisteswissenschaften vertiefen und sich darüber austauschen. Zur selben Zeit öffnete damals die Seniorenresidenz Tertianum in der Sphinxmatte ihre Pforten, sodass sich eine Zusammenarbeit geradezu anbot. Stets eine helfende Hand in der Akademie bot auch der 2013 verstorbene ehemalige Oberfeldarzt Gianpiero Lupi.

Das Projekt war ein Schritt ins Ungewisse: Viele Zweifler waren der Meinung, dass Solothurn für Vorlesungen mit universitärem Anstrich kein Nährboden biete. Dennoch wagte Rudolf Erzer den Spagat zwischen einem akademischen Anspruch und dem Streben nach Niederschwelligkeit.

Und bereits in der ersten Veranstaltung im Frühling 2011 zum sinnigen Thema «Weisheit im Alter» wurde Erzer in seinen Bemühungen bestätigt: 120 Leute fanden sich damals im «Tertianum» ein.

Über die Stadtgrenzen

«Glück zum Start», nennt er es heute und hat damit nicht unrecht: Die zweite und dritte Durchführung wäre wegen Ausfall des Referenten beinahe ins Wasser gefallen. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit fand sich schnell ein Ersatz.

Auf diese Weise kam die Seniorenakademie bald ins Rollen, sodass bereits nach einem Jahr im Hotel Eden in Spiez ein Ableger im Berner Oberland entstand. 2013 schliesslich verlieh sich die Seniorenakademie eine neue Ausrichtung, einen neuen Namen und ein neues Logo: Drei Punkte, die drei Generationen symbolisieren, an die sich die Vorträge richten – und nicht bloss den Lebensherbst: «Der alte Name schreckte einige Leute ab. Es brauchte eine Öffnung», erinnert sich Erzer.

«Ich bin noch kein Senior», bekam er indes von 80-Jährigen zu hören, die durch den Titel «Seniorenakademie» abgeschreckt wurden. So entstand die «Akademie der Generationen». Auch verlagerte die Institution ihren Durchführungsort ins nahegelegene Sommerhaus de Vigier. Damit werde der Öffentlichkeit ein Einblick in ein sonst wenig zugängliches Areal gewährt, so Erzer.

Neu als Verein?

«In Zukunft möchten wir uns noch mehr auf Referenten fokussieren, die sonst nicht so zugänglich sind», sagt Erzer weiter. Er verweist auf vergangene, erfolgreiche Durchführungen, z. B. mit Carla Del Ponte oder Claude Nicollier.

Zudem will Erzer die Anzahl der Veranstaltungen zurückfahren. Und auch die Strukturen der Organisation, die aus sechs ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen unter Geschäftsführerin Heidi Lavoyer-Lorétan gebildet wird, könnten sich wandeln: «Überlegt wird, die Akademie in einen Verein umzuwandeln», sinniert Erzer.

Das würde auch die Thematik nach Zuwendungen durch Stiftungen vereinfachen. Diese nämlich bilden zusammen mit den Eintrittseinnahmen das finanzielle Grundgerüst der «Akademie der Generationen».

Damit werden die Raummieten, die Referenten-Gagen, die Werbung und die Personalkosten bestritten. «Einen Profit kann man aus der Akademie nicht schlagen. Finanziell geht es gerade auf.»

Semesterstart An der Volkshochschule Solothurn: Do, 25. August, 15 Uhr, «Europa nach dem Zweiten Weltkrieg» im Zyklus Geschichtszirkel (René Flury). Im Sommerhaus de Vigier: Di, 25. Oktober, «Deutschland, die Schweiz und Europa» (Walter Fust), um 19 Uhr. Alle Anlässe: www.akademie-der-generationen.ch

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