Solothurner
Weihnachtsreise in den Altstadtgassen: Geschichte vom Christkind neu erlebt

Bei der zehnten Aufführung war der kleine Leandro der Star. Aber auch die anderen Darsteller wie die römischen Legionäre, die drei Könige oder Maria und Josef lieferten ein beeindruckendes Bild.

Deborah Onnis
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Maria und Josef mit «Christkind» Leandro auf dem Marktplatz.

Maria und Josef mit «Christkind» Leandro auf dem Marktplatz.

HANS ULRICH MUELCHI

Auch wer sich am Sonntag in der Altstadt eigentlich nur dem Shopping widmen wollte, konnte sich der herrschenden Weihnachtsstimmung nur schwer entziehen. Bereits das Trompetenspiel der römischen Legionäre vor dem Bieltor rüttelte den mit Kopfhörer ausgestatteten Einkaufsgänger auf. Er hatte nur ein Ziel: Weihnachtsgeschenke. Bald wurde aber klar, dass es das grösste Geschenk gar nicht zu kaufen gab, sondern durch die zehnte Weihnachtsreise in den Gassen einfach nur zu erleben war.

Kleiner Jesus als Star des Tages

Diesmal ist die Hauptattraktion, die sich die ganze Zeit eines grossen Publikums erfreut, auf dem Marktplatz. Dort will es sich niemand nehmen lassen, den «Retter der Welt» und der diesjährigen Weihnachtsreise zu sehen.

Stramm stehen trotz Kälte
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Soldaten
Reise durch die Weihnachtsgeschichte
Reise durch die Weihnachtsgeschichte
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Maria und Joseph und das Neugeborene
Maria und Joseph und das Neugeborene
Koenig Herodes ist unwirsch
Maria und Joseph und das Neugeborene im Stall
Maria und Joseph und das Neugeborene im Stall
Komm wir muessen weiter
Koenig Herodes hoert sich Neuigkeiten an
Koenig Herodes ist genervt
Kinder staunen ueber Koenig Herodes
Hirten beim arbeiten
Kinder staunen ueber Koenig Herodes
Hier kommt keiner durch
Gemeinsames musizieren
Gewaltaetige Soldaten
Ein Stempel zur Registrierung
Das gemeine Volk
Begleiter der Hirten
Darf ich dich streicheln
Aufgebrachter Koenig Herodes
Auch ihr beide muesst euch registrieren
Alles singt mit

Stramm stehen trotz Kälte

Hans Ulrich Mülchi

Warm eingemummt döst das Christkind beziehungsweise der neugeborene Leandro Kohler in den Armen seiner Mutter, ohne die vielen Besucher eines Blickes zu würdigen. Niemand nimmt ihm dies aber übel. Nicht einmal die vielen Kinder, die mit offenem Mund das Christkind bestaunen. Einige der Kleinen scheinen die herrschende Kälte gar nicht zu spüren.

Im Gegensatz zu manchen Eltern: «So, habt ihr jetzt genug geschaut?», sagt eine Mutter zu ihren zwei etwa fünfjährigen Kindern. Immer noch fasziniert und zurückschauend gehen die zwei Kinder weiter zu den nächsten Stationen.

Viele Eltern nutzen die Gelegenheit, um die erstaunten Kinder an den Sinn von Weihnachten zu erinnern. «Dies finde ich besonders schön», erzählt Juliana Kohler, Darstellerin der Mutter Maria. Dies sei für sie auch der Zweck der Aufführung. «Die Kinder sollen realisieren, warum wir Weihnachten feiern», meint sie weiter.

Die meisten Kinder scheinen das auch so zu erleben. «Es ist wunderschön, die strahlenden Gesichter der Kinder zu sehen», schwärmt sie. Da sie mit der Skikleidung unter dem Kostüm genug warm habe, sei die Rolle der Mutter Maria sehr angenehm. Damit spricht sie wohl auch für den 40-Tage-jungen Leandro, der nur die ersten 30 Minuten die Augen offen halten kann. Wie viel er wohl von dem Rummel mitbekommt?

Christmas is in the air

In den Altstadtgassen kommen den vielen Stadtgängern die drei Könige mit Kamelen und auch Hirtenfamilien mit Eseln entgegen. An fast jeder Ecke erinnern sie mit ihrer Präsenz an die Weihnachtsgeschichte. «Das Schauspiel stimmt einen richtig auf Weihnachten ein», meint Familienvater Remo Kissling aus Subingen, der sich mit Frau und Kind das Spektakel nicht entgehen lassen will. Für ihn lasse der Nebel die Szenen noch authentischer wirken.

Für Gesprächsstoff sorgen unter den zahlreichen Stadtbesuchern auch die römischen Legionäre, die in Sommersandalen und kurzer Kleidung nackte Haut zeigen. «Brr, da friert es einem gleich», lacht eine ältere Besucherin.

Für einige Stadtgänger gehört das Erleben der Weihnachtsreise zur Tradition. «Wir sind jedes Jahr dabei. Nicht nur wegen der Kinder, sondern auch wir geniessen das schöne Schauspiel», erzählt Cornelia Beer aus Biberist. «Es gibt nichts, was uns abhalten könnte, das Schauspiel nicht zu sehen – nicht mal die Kälte», meint sie überzeugt. Auch ihre kleine Enja ist begeistert und strahlt: «Mir gefallen die Schäfchen am meisten.»

Auch für Beatrice Mauro aus Derendingen gehört die Weihnachtsreise zu ihrer persönlichen Tradition. Seit der ersten Aufführung besucht sie jedes Jahr begeistert das Weihnachtsschauspiel. «Ich finde die Geschichte gut interpretiert. Die Kostüme und Requisiten werden sogar von Jahr zu Jahr besser», schwärmt sie.

Sehr beeindruckend fand die Weihnachtsreise auch Marianne Widmer aus Oberönz, die das erste Mal das Theater erlebte. «Sogar special effects wurden eingesetzt», stellt sie fest. Damit meint sie die Gottesstimme, die auf dem Friedhofsplatz aus Lautsprechern kommt, die an einem Baum festgemacht sind. So etwas sehe man wirklich nicht überall.