Wie Frauen riechen, was sie ausscheiden und wie sie sich pflegen ist etwas sehr Intimes. Immer noch fällt es dem weiblichen Geschlecht schwer, über die Monatsblutung oder über ihre sexuelle Lust zu sprechen. «Der Umgang mit unserer Körperlichkeit ist geprägt durch die Erziehung, die Gesellschaft und die Zeit, in der man lebt, und entsprechend mit zahlreichen Tabus und Schamgefühlen verbunden», weiss die Kuratorin Brigitta Berndt vom Museum Blumenstein.

Deshalb hat sie sich mit der Szenografin Stefanie Bittmann hingesetzt und darüber nachgedacht, wie diese Tabus und die damit verbundenen Eigenheiten in eine Ausstellung verpackt werden könnten.

Was es alles zum Thema gibt

Am Dienstagabend ist Ausstellungseröffnung, und hinter dem geheimnisvollen Titel «Seife, Sex und Schokolade» verbirgt sich Spannendes. Die zwei Frauen zeigen auf, wie sich der Umgang mit weiblichen Körpersäften über Jahrhunderte gewandelt hat und warum es heute noch so schwerfällt, über das Thema zu sprechen.

Sie haben keine Mühe gescheut und mit einem Ideenreichtum ohnegleichen Gegenstände zusammengetragen und Inszenierungen vorbereitet. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen zu riechen, zu kosten und herauszufinden, ob «Seife, Sex und Schokolade» die richtigen Mittel sind, um zu gefallen und sich besser zu fühlen.

Die Frauen-Tabuthemen der letzten Jahrhunderte

Die Frauen-Tabuthemen der letzten Jahrhunderte

Vom lebendigen Schwangerschaftstest bis zum Aufpäppeln ohnmächtiger Damen: Das Museum Blumenstein in Solothurn lüftet in einer neuen Ausstellung gut gehütete Geheimnisse der Vergangenheit.

Und ein Schlossgespenst

Angesprochen werden die Themenbereiche «Düfte, Schminke und Haarpflege», «Lust und Leidenschaft», «Kacken» und «Menstruieren». Als Fünfter im Bunde meldet sich in der Zofenetage der «blauseidene Junker», wie historisch belegt, als Verführer der Hausmädchen zu Wort. Das Schlossgespenst, das sich bald als hübscher Edelmann im blauen Seidengewand mit weisser Perücke und bald als Jagdhund offenbart, ist ein ehemaliger Solothurner Offizier, der beim König von Frankreich diente und einige seiner Soldaten gegen einen Jagdhund austauschte. Die Soldaten sind vor Heimweh gestorben und der Edelmann irrt im Schloss herum und muss büssen.

Ein Highlight ist zweifelsohne das Aquarium mit echten Krallenfröschen. Aber was haben diese aus Singapur importierten Tierchen in dieser Ausstellung zu tun? Brigitta Berndt klärt auf: «Krallenfrösche wurden bis in die 1970er-Jahre als lebendiger Schwangerschaftstest verwendet.» Und das ging so: einem männlichen Frosch wurde Urin oder Blutserum einer Frau in den Rücken-Lymphsack eingespritzt. Waren beim Frosch nach drei Stunden Samenzellen nachzuweisen, war die Frau schwanger. Wollte man den Fötus allenfalls austreiben, bot sich unter anderem Bibergeilöl an.

Doch das ist längst nicht alles, was diese Ausstellung an Wissen anbietet. Vom Schwangerschaftsabbruch hüpft man zu Verhütungsmitteln aller Art, alle ordentlich in Vitrinen sichtbar gemacht, landet bei den gefürchteten Geschlechtskrankheiten und hat das Vergnügen, auf einem hölzernen Plumpsklo Platz zu nehmen.

Was Düfte, Schminke und Haarpflege anbelangt, erfährt man auf dem Rundgang besonderer Art, dass diese nicht nur der Schönheit und dem Verführen dienten, sondern über Jahrhunderte die Aufgabe hatten, mangels Bademöglichkeiten den starken und oft ekligen Körpergeruch zu überdecken.

Auch Parfüms sind zu haben

Wohl deshalb bieten die Ausstellungsmacherinnen den Besuchern ein wohlriechendes Parfum nach dem Rezept eines Solothurner Patriziers zum Kauf an. «Jeder, der es sich leisten konnte, hatte sein eigenes Eau de Cologne», weiss Brigitte Berndt. Privilegierten war es auch möglich, mit Schminke der noblen Blässe gerecht zu werden und auf der Haut mit blauer Farbe feine Äderchen nachzuzeichnen. Der so erreichte helle Teint fand mit sogenannten schwarzen Mouches den nötigen Kontrast.

Kein Zweifel: im Museum Blumenstein sind bis Ende Jahr einzigartige Schatztruhen zu finden. Und aufgepasst: die Ausstellung richtet sich nicht nur an Frauen, sondern auch an Männer.