«Segetzteich»

Wegen Trockenheit ist Solothurns «Entenhausen» verwaist

Risse im Teichbett an der Segetzstrasse zeugen von der langen Trockenheit. Von der einstigen Fauna ist nichts mehr zu sehen (WW)

Risse im Teichbett an der Segetzstrasse zeugen von der langen Trockenheit. Von der einstigen Fauna ist nichts mehr zu sehen (WW)

Dort wo einst im «Segetzteich» zahlreiche Enten und Gänse lebten, gibt es kein Wasser mehr - und auch keine Tiere. Die Trockenheit machte die Enten und Gänse zur leichten Beute der Stadtfüchse.

Kein ausgelassenes Gänsegeschnatter mehr, kein heiteres Entenquaken, nur noch eine schlammige Fläche, wo sich Gustav Gans und Donald Duck noch vor kurzem Gutenacht gesagt haben. Der mittlerweile versiegte Weiher an der Segetzstrasse ist - ohne, dass zu dieser Einsicht Fachmeinungen von Meteorologen nötig wären - zum offensichtlichen Indiz für ein trockenes, regenarmes erstes Halbjahr 2011 geworden.

Für die tierischen Benutzer hatte diese nüchterne Einschätzung eineweitaus tragischere Note: Mit dem Teich sind auch sie verschwunden. Hauptverdächtiger in dieser Sache ist der Fuchs, dem die Gänse und Enten ohne Fluchtmöglichkeit aufs Wasser schutzlos ausgeliefert waren. Und die rund 1,2 Meter hohe Umzäunung stellte sich Meister Reineke auch nicht als wirklich ernstzunehmendes Hindernis in den Weg. Als ehemaliger Landwirt weiss Fritz Zwygart, der bislang um Unterhalt und Pflege des Weihers besorgt war, genau: «Da reichte zum Schutz der Hühner nicht mal ein Zweimeterzaun. Der Fuchs übersprang auch eine solche Hürde problemlos - mitsamt Beute.»

Enten, Gänse und Goldfische

Nicht anders dürfte sich der Vorfall im Segetz abgespielt haben: Zehn Enten und fünf Toulouser Gänse sind fort, lediglich Kadaverreste inner- und ausserhalb des Zauns zeugten noch vom Raubzug. Auch Goldfische zählen auch zu den Opfern: Diese sind im Schlamm verendet. Eine erwachsene Laufente und sieben Küken hingegen haben überlebt, da sie in einem überdachten Bereich untergebracht waren. Insgesamt ein schwacher Trost: «Was hätte man dagegen machen können?», zuckt Zwygart mit den Schultern. Einen bescheidenen Obulus von täglich drei Franken erhält er für seine Dienste, die er seit rund 15 Jahren verrichtet. Entschädigt wird er von den elf Stockwerkeigentümern der Segetzstrasse 10, zu denen er selbst gehört.

Zapfen die Bäume Wasser ab?

Mit dem Austrocknen des Weihers habe er nicht gerechnet: «Soweit ich zurückdenken kann, ist das noch nie vorgekommen», betont er mit Fingerzeig auf die vergangenen Trockenmonate. Das Hauptproblem aber sieht Zwygart in den umliegenden Bäumen und Sträuchern: «Die entziehen dem Boden das Wasser und somit auch dem Teich.» Zudem ist der Grünbestand bei der Liegenschaft in den vergangenen Jahren beachtlich gewachsen. Bereits im März wurden drei Bäume wegen der Gefahr herunterfallender Äste gefällt und per Heli abtransportiert.

Wie Stefan Schluep, Leiter Netze Wasser bei der Regio Energie, ausführt, ist der Grundwasserspiegel im Areal relativ hoch: «Es ist nicht anzunehmen, dass der Teich daraus gespeist wird, sondern eher durch eine Quellenleitung.» Diese führe bei Trockenheit auch weniger Wasser. Man dürfe aber davon ausgehen, dass das Wasser wieder zurückkehre. Ob dort dann wieder tierisches Geschnatter zu hören sein wird, bleibt fraglich: Ein Teil der Anwohner zöge stattdessen einen Spielplatz vor.

Im Quartier geschätzt

«Ich habe es noch nicht übers Herz gebracht, meinen jüngeren Enkelkindern davon zu erzählen. Wir gingen die Tiere oft füttern», erinnert sich Anwohnerin Heidi Schläppi. «Ich war überrascht, als plötzlich alle Tiere weg waren.» Mit Erinnerungen verbunden ist der Teich für Lucia Piazza. Seit 28 Jahren ist sie bei der Firma Glutz, der das Areal zuvor gehörte, tätig. Vor Zwygart kümmerte sie sich um die Tiere. Wie sehr der belebte Teich wahrgenommen wurde, zeigt sich an ihrer Reaktion am Tag danach: «Plötzlich eine Totenstille...»

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