Noch ist fürs Solothurner Gewerbe die Hoffnung auf einen ertragsreichen Schlussspurt vor Heiligabend mehr als intakt: Heute Mittwoch findet der Abendverkauf vorgezogen statt.

Bis dahin aber resümiert Caroline Jäggi, Geschäftsführerin der Stadt- und Gewerbevereinigung, zurückhaltend, gerade mit Blick auf die beiden vergangenen Sonntagsverkäufe: «Der Geschäftserfolg ist eher gleich oder rückläufig gegenüber dem Vorjahr.» Laut vereinzelten Rückmeldungen aus Gewerbekreisen spiele der Zeitpunkt der Sonntagsverkäufe eine grosse Rolle. So lag der Sonntagsverkauf im vergangenen Jahr mit dem 21. Dezember um einen Tag näher an Weihnachten als heuer, was ebenso zum Umsatz beitrage.

Das ist zumindest ein Hinweis darauf, dass viele Konsumenten nach dem «Last Minute»-Prinzip funktionieren. Positiv ausgewirkt habe sich das Wetter: «Es war nicht schön, aber auch nicht regnerisch während der Sonntagsverkäufe.» Die Weihnachtsreise, die am ersten Verkaufssonntag zahlreiche Besucher in die Altstadt lockte, hat zwar vielerorts für mehr Kundschaft auch in den Läden gesorgt, aber nicht in dem Ausmasse, wie man es sich von einem Multiplikator dieser Art erhoffen konnte: «Die Besucher haben sich vor allem auf die Weihnachtsreise selbst konzentriert.»

Darüber hinaus dürfte für den gegenwärtig verhaltenen Konsum auch der Blick über Stadtgrenzen hinaus trösten: «In anderen Städten sind ähnliche Tendenzen spürbar», so Jäggi. Weitere Hoffnung hegt sie für die Altjahrwoche: «In dieser Zeit dürften noch viele Geschenkgutscheine eingelöst werden.»

Gut frequentierte Verkaufssonntage

Für ein definitives Fazit zuwarten will «Manor». «Die Konstellation der Feiertage mit zusätzlichem Verkaufstag vor Weihnachten ist speziell», sagt Jürg Bächli, Direktor in der Solothurner Niederlassung. Entscheidend seinen die verbleibenden Tage bis Weihnachten, ebenso jene der Altjahrwoche. «Entsprechend können wir noch keine Angaben zum Umsatz oder zur Ausgabebereitschaft der Kunden machen.»

Klar ist: Für die beiden Sonntagsverkäufe kann eine hohe Kundenfrequenz bilanziert werden. Spielwaren, Parfüms, Bijouteriewaren und der Homebereich zählen zu den Erfolgsprodukten. Besonders beliebt in Solothurn sind laut Bächli mobile Lautsprecher, Kopfhörer, Sportkameras, Tablets, LED-Kerzen, Diamantschmuck und – passend zum aktuellen Kinoprogramm  – Lego-Spielzeug zum neusten «Star Wars»-Film.

«Mehr gekauft als nur geschaut»

Einen guten ersten und einen sehr guten zweiten Sonntagsverkauf verzeichnete die Genossenschaft «Spielhimmel» an der Theatergasse. «In Vorjahren haben die Kunden mehr geschaut, heuer mehr gekauft», bestätigt Genossenschafterin Esther Jenny. Dies zeigt sich gerade auch an der Tatsache, dass neben dem Siebner-Team auch einige «Päckli-Frauen» emsig am Werk sind.

Kaum erstaunlicher Fakt ist: «Für uns ist der Dezember bei weitem der stärkste Monat», stellt Jenny fest. Gerade auch teurere Waren, die sich als Geschenke für unter den Weihnachtsbaum eignen, laufen besonders gut. Und: Was dem Trend der Videospiele zuwiderläuft: «Es werden wieder vermehrt Brett- und Kartenspiele gespielt.»

«Das Büchergeschäft ist rückläufig bis zur Schmerzgrenze», stellt Sabine Schafroth von der Säli-Buchhandlung fest. Damit dürfte sich der Kleinbetrieb am Ritterquai gegenüber den Branchenmitstreitern und insbesondere gegenüber dem Online-Geschäft im Hintertreff befinden. «Ausserdem schlägt der Euro-Kurs auf die Marge», ergänzt sie. Eine treue Kundschaft und ihre ideelle Motivation für das «Säli»-Geschäft halten sie bei Stange.

Guten Umsatz mache sie mit Klangschalen und Räucherware, ferner erfreue sich die Buchhandlung auch als Vorverkaufsstelle für Veranstaltungstickets einer hohen Beliebtheit. Kein Thema sind E-Books: «Meine Kundschaft will das gedruckte Buch», gibt sie sich überzeugt. Für die Sonntagsverkäufe im Dezember verzeichnet Schafroth ebenso höhere Frequenzen. «Unter dem Jahr verweigere ich mich aber dem Anlass.»

Ausverkauf als Unmode

Auf den Ansturm wartet auch Sabine Lindt, Co-Geschäftsführerin bei Lindt Dessous: «Das Weihnachtsgeschäft war anfänglich sehr verhalten und hat erst in der letzten Woche angefangen.» Erst mit dem zweiten Sonntagsverkauf habe man sich in der Nähe des Vorjahreserfolgs bewegt. Lindt moniert die grassierende «Sale»-Mentalität in Solothurn: «Schon Anfang Dezember wird vielerorts der Ausverkauf mit 50 bis 70 Prozent Rabatt angepriesen.»

Bei diesem Trend, der von der eigenen Kundschaft auch nicht verlangt werde, mache man nicht mit. «Man erzieht die Kunden dazu, dass sie darauf anspringen», so die Kritik. Auch die Auslandseinkäufe und die Einkäufe über Internet seien zu spüren. Für sie liegt es auf der Hand, dass Kunden im Laden anprobieren und dann per Mausklick bestellen. Mit der Bademode besetzt das Geschäft ganzjährig eine wichtige Gewerbenische, betont Lindt. «Damit sind wir auf Platz Solothurn allein.»

Gerade für Wellnessferien und Abstecher in den Süden sei die Bademode auch in der kalten Jahreszeit angesagt. «Der ganzen Modebranche hat dafür der goldene Herbst einen Strich durch die Rechnung gemacht», stellt Lindt weiter fest. Und aus ihrer Sicht sei der derzeitige provisorische Ladenstandort ein Verkaufshemmer: «Viele Kunden haben uns anfänglich gar nicht gefunden.»

An «zwei gute Sonntage» denkt Cornelia Grossenbacher vom «Idea»-Geschenk- und vom Schmuckladen zurück, ebenso an den verkaufsstarken vergangenen Samstag. «Aber die stärksten Tage kommen erst. Schmuck wird auf den letzten Drücker gekauft», weiss auch sie. ««Die Männer schauen am 23. und 24. Dezember vorbei.

Darauf ist Verlass.» Mit genügend Beratungspersonal macht sie sich auf diesen Ansturm gefasst. Gleiches hofft sie für den Geschenke- und Papeterieladen: «Was bisher grandios eingeschlagen ist, sind lustige Schilder und Karten.» Mit grossem Sortiment will sie nun auch im Schlussspurt punkten.