Am Samstag war es soweit: In Anwesenheit von zahlreichen Gästen wurde an der Nordostecke des Amthausplatzes zwischen dem Muttiturm und der Baloise Bank SoBa unter der Bezeichnung «Viewer» ein Objekt eingeweiht, das künftig die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich lenken und einem breiten Publikum zeitgenössische Kunst näherbringen soll.

Die Aufstellung des Schaukastens wurde von der Altstadtkommission geprüft und vorläufig für fünf Jahre bewilligt. Für die Realisierung des Objektes wurde von der Projektgruppe ein Budget von 43'500 Franken erarbeitet. Die Betreuung des Schaukastens und die Organisation erfolgen ehrenamtlich durch den Vereinsvorstand.

Eine Ausstellungsplattform

Den Grund, weshalb ein Kunstschaukasten nach dem Vorbild von Kunstvitrinen in Luzern und Winterthur ins Auge gefasst wurde, vernahm man an der Vernissage von der Vertreterin des Kunstvereins Solothurn, Patricia Bieder: «Der Kunstverein war bisher im öffentlichen Raum nicht präsent», gab sie zu bedenken. Das wollte man ändern. Der Solothurner Künstler Jürg Hugentobler orientierte sich an der Form eines alten Dia-Betrachters und baute den sogenannten «Viewer», in den man zwar hineinschauen aber den man nicht betreten kann.

Er soll künftig als Ausstellungsplattform nicht nur Passanten anziehen, sondern auch regionalen und nationalen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geben, auf ihr Schaffen aufmerksam zu machen und Beziehungsnetze aufzubauen. Mitinitiiert haben das Projekt die Vorstandsmitglieder Patricia Bieder und Fränze Aerni.

Geplant sind fünf Ausstellungen pro Jahr. Das Konzept sieht vor, dass der erste Kunstschaffende der jeweiligen Ausstellungsreihe vom Team der «Viewers» ausgewählt wird und aus dem Kanton Solothurn stammen muss. Anschliessend gilt das Domino-Prinzip: «Der eingeladene Kunstschaffende bestimmt seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin, die nicht zwingend im Kanton ansässig sein müssen», so Bieder. Dadurch entstehe ein interessanter Bildwechsel, der den «Viewer» immer wieder zu einem Anziehungspunkt für das Publikum mache.

Als Entwerfer und Erbauer des «Viewers» ist Jürg Hugentobler der erste, der den leeren Raum des ungewohnten Ausstellungsraumes, bei dem ganz auf Lichtquellen und Optik verzichtet wird, unter dem Titel «Einschub» mit Inhalt füllt. Der in Solothurn lebende Künstler beschäftigt sich bei seinem Schaffen konsequent mit Fragen des Raumes, mit Fiktion und Realität, Konstruktion und Dekonstruktion.

Das kommt auch bei seiner Ausstellung im «Viewer» zum Ausdruck. Da steht das raumfüllende, in einem unauffälligen Ton bemalte, aus massgeschneiderten Holzstücken geschaffene Holzhaus wie es in Baumärkten für den Garten oder Schrebergarten angeboten wird. Die vorgesehenen Fenster sind mit Holzbrettern im gleichen Ton wie das Haus zugedeckt. Das Objekt wirkt abweisend und signalisiert: Eintritt verboten. Nur ein Spalt in der Mitte unterteilt den Geräteschuppen in zwei Hälften, was eine Verschiebung der Form zur Folge hat und die Durchsicht bis zum anderen Ende des Viewers ermöglicht.

Die Ausstellung von Jürg Hugentobler dauert bis zum 2. September. Ab 16. September wird der Aargauer Kunstschaffende Philipp Hänger den Raum des Viewers in Besitz nehmen.