Nationalbank

Was macht den Franken so stark?

Josef Maushart und Carlos Lenz bestritten den Themen-Abend zur Frankenstärke vor der Akademie der Generationen.

Josef Maushart und Carlos Lenz bestritten den Themen-Abend zur Frankenstärke vor der Akademie der Generationen.

«Die Stärke des Frankens, ihre Ursachen und ihre Grenzen» ist ein Thema, das alle beschäftigt. Dazu referierte Carlos Lenz von der Nationalbank vor viel Publikum im Vigier-Sommerhaus.

Wieder einmal hatte die Akademie der Generationen mit Inhaber Rudolf Erzer den Publikumsnerv der Zeit getroffen: Die Frankenstärke geht alle etwas an. Dies stellte bereits Unternehmer Josef Maushart, Präsident des Industrievereins Solothurn, in seiner Einführung klar: 20'000 Stellen abgebaut, Pensionskassen, die in Schieflage geraten und damit eine volkswirtschaftliche Blase erzeugen könnten – «der Wechselkurs spielt eine wichtige Rolle».

Seine Firma Fraisa habe wegen des starken Frankens im Vorjahr einen Gewinnrückgang von 35 Prozent hinnehmen müssen, und viele Solothurner Firmen schreiben derzeit rote Zahlen, warnte Maushart vor den Folgen der Frankenstärke, deren Auswirkungen «noch nicht absehbar sind.»

Fluch und Segen

Er bereitet laut Maushart ihre geldpolitischen Entscheide vor: Carlos Lenz, Leiter Volkswirtschaft der Schweizerischen Nationalbank SNB.

Der Referent entführte die Zuhörer vorerst einmal in längst versunkene Zeiten, als das englische Pfund 25 statt knapp 1.50 Franken kostete, oder der Dollar zumindest 5 Franken, was sich nach Aufgabe der Goldparität 1973 rasch geändert habe.

«Der Franken wurde damit stärker» – auch zurückzuführen auf die Preisstabilität. «Seit 1970 sind bei uns die Preise nur um den Faktor 3 gestiegen, in den USA um das Sechs-, in Grossbritannien gar um das Zwölffache.» Es kam der Euro, bei seinem Auftauchen zur Jahrtausendwende noch 1.70 Franken teuer, es kam die Finanzkrise 2007/08 und damit eine «schwierige Zeit», auch was den Wechselkurs anbelangte.

Bei ständig sinkenden Leitzinsen blieb der Nationalbank zuletzt keine Differenz mehr zur Europäischen Zentralbank EZB. Die Einführung von Negativzinsen, die Aufgabe der fixen Euro-Obergrenze von 1.20 Franken Mitte Januar 2015 sind die bekannten Folgen. «Drohende Verluste» von riesigen Ausmassen seien zu befürchten gewesen; die Aufgabe des Fixkurses daher unumgänglich geblieben, so Lenz.

Denn die Faktoren, die alle die Schweiz zum sicheren Hort und den Franken stark machen – darunter neben der geringen Teuerung auch die wichtige politische Stabilität – erwiesen sich nun «als Fluch und Segen». Doch sieht Carlos Lenz schon fast tröstend auch das Positive an der jüngsten Entwicklung: «Auf unsere Währung können wir uns verlassen.»

Was wäre mit und ohne Euro?

«Wir können etwas tun, sind aber kein Allheilmittel», rückte Lenz die Rolle der Nationalbank ins richtige Licht. Man werde weiter am Währungsmarkt intervenieren, auch wenn die SNB-Bilanz inzwischen mit 640 Mrd. Franken die Höhe des Schweizerischen Bruttosozialprodukts erreicht habe.

Ansonsten war der Fachmann mit Prognosen sehr vorsichtig, am genausten noch in der Fragerunde zum Thema Euro. Was, wenn der Euro platzt? Oder schon nur der Brexit kommt? «Eine Phase der Unsicherheit», sieht Lenz in diesem Fall. «Doch mit dem Auseinanderbrechen des Euros rechne ich nicht. Er ist ein politisches Projekt.»

Die Übernahme des Euros anstelle des Frankens würde wohl den EU-Beitritt bedingen – derzeit «politisch eher unmöglich». Ein anderes Szenario, die Anbindung des Frankens an den Euro, wie dies Dänemark tut, würde gemäss Carlos Lenz eine Änderung der Bundesverfassung erfordern. «Damit wäre jedoch die Nationalbank nicht mehr unabhängig. Die Geldpolitik würde in Frankfurt entschieden.»

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