Es lebt der Raum durch die Kunst – und die Kunst durch den Raum. Wenn zudem zwei Kunstschaffende für ein Projekt zusammenspannen, findet auch im «Dazwischen» Leben statt. Sinnigerweise heisst deshalb auch die aktuelle Doppelausstellung, die bis 30. November im Künstlerhaus S11 zu sehen ist, «Zwischen Pfählen». Dort haben sich die beiden jungen Kunstschaffenden Franziska Baumgartner und Florian Bürki eine Woche lang gemeinsam mit künstlerischen Mach- und Wünschbarkeiten auseinandergesetzt. Sie sind fündig geworden auf der Suche nach einem kleinsten gemeinsamen Nenner, der nun alles andere als klein geblieben ist.

Während Farbe und Fläche für Baumgartner zentrale Gestaltungselemente sind, tritt gerade die Farbe bei Bürki zugunsten von Struktur in den Hintergrund. Umso mehr ergänzen sich die Arbeiten der beiden zu einem Gesamtwerk. Zudem ist ihnen das Thema der Raumgestaltung gemeinsam – bis hin in den letzten Winkel, wo Kunst nicht ist, aber wirkt. «Es geht um den Zwischenraum zwischen den Arbeiten, um unbesetzte Plätze», erklärt Bürki. «Letztlich ist die Ausstellung auch ein Experiment», so Baumgartner.

Bewegung schafft Zugänge

Ein Rundgang durch die Räume zeigt, dass das Projekt nicht an den Anspruch gleichartiger Materialien gebunden ist. Vielmehr beweist es materielle Vielfalt sowie Spielfreude und Experimentierfreudigkeit seiner Urheber. Bei Florian Bürki sind es Installationen wie im Eingangsbereich, wo aus Klebestreifen strukturierte Flächen und damit Räume werden, die auf bestehenden Räumen aufbauen. Oder dann erwarten den Betrachter über den Boden gespannte Kupferdrähte, die je nach Perspektive eine Ahnung von Räumlichkeit vermitteln. Eine weitere Installation täuscht die Sinne im umgekehrten Sinne: Ein Gespann aus Garnlinien liegt scheinbar flächig am Boden, wenn man stillsteht. Bewegt man sich, so erkennt man das schwebend gespannte Fadengeflecht mit räumlicher Struktur.

Forcierte Choreografie

Bei Franziska Baumgartner sind es Rückprojektionen ins Schaufenster, die bereits dem Passanten auffallen. Weiter lassen matt gefärbte Scheiben je nach Bewegung des Betrachters neue Farbüberlagerungen entstehen und alte verschwinden. Baumgartners Videoinstallation im Erdgeschoss zeigt Kinder, die Baufolien kunstvoll durch die Gegend wirbeln – allerdings rückwärts abgespielt, was daraus eine «performative Skulptur» mit Eigenleben werden lässt.

Mit Farbpigmenten versehenes Folienmaterial steht auch bei einem weiteren Werk der Künstlerin im Zentrum: einer mehrschichtigen Hängeinstallation, die sich begehen lässt und durch die man die anderen Besucher wie durch einen Schleier wahrnimmt. Hier wird der Besucher wie in der ganzen Austellung durch die räumliche Umgestaltung dazu gezwungen, der beabsichtigten Choreografie der Werkschau zu folgen, sich dadurch seiner eigenen Schritte, aber auch der Wechselwirkung mit den Exponaten und Installationen bewusst zu werden.

Künstlergespräch Fr, 14. November, 19 Uhr.