Solothurn
«Was haben wir doch für schöne, freche Zungen»

Der Solothurner Frauenchor bocc’aperta feiert demnächst bei KreuzKultur sein 25-jähriges Bestehen.

Gundi Klemm
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Der Solothurner Frauenchor bocc’aperta unterhält seit 25 Jahren sein Publikum.

Der Solothurner Frauenchor bocc’aperta unterhält seit 25 Jahren sein Publikum.

zvg

Wer die vielen Konzerte besuchte, die der Frauenchor bocc’aperta im Vierteljahrhundert seit seiner Gründung gestaltet hatte, fühlte sich stets beglückt und bereichert durch die Musikalität und vor allem durch die Ideenfülle. Nie glich ein Konzertentwurf dem anderen. Vielmehr schöpfte die seit 25 Jahren für ihren Chor engagierte Dirigentin Renata Würsten bei ihren Aufführungskonzepten aus einem Schatz von Geschichten, der nur darauf wartete, von ihr gehoben und in ein mitreissendes Programm gekleidet zu werden.

Damit wird das Publikum auch an den Jubiläums-Konzertabenden vom 23./25. und 26. November im «Kreuz» wieder in seinen Bann gezogen, wenn es wie in einem italienischen Frauenlied heisst: «Was haben wir doch für schöne, freche Zungen» («..abiam’ delle belle buone lingue»).

Der Zündfunke

Auslöser für das Zusammenrücken politisch und gesellschaftlich interessierter Frauen war der Frauenstreik 1991. Die Bucheggbergerin Esther Wüthrich sammelte aufgeschlossene Zeitgenossinnen um sich, um die Kernbotschaft des Frauentages öffentlich mit Lesungen und vielfältigen Veranstaltungen im Bewusstsein zu halten. Dies bildete den Zündfunken zur Gründung des Chors 1992, der sehr bald im freien Singen feststellte, dass es sich lohne, auf Ziele hinzuarbeiten. Von Anfang an war Musikpädagogin und Musikerin Renata Würsten an Bord, konzipierte die Programme, in die sie immer wieder auch weitere Kunstschaffende einband.

Als Literatin las beispielsweise Ursula Hohler (Ehefrau von Franz Hohler) und liess sich wie die Zuhörerschaft von ihrer durch Barbara Jost vertonten Poesie bezaubern. Die bildende Künstlerin Fränzi Neuhaus etwa war wesentlich an der fantasievollen Ausstattung vom Konzert «Klangformen» beteiligt. Auch im Zusammengehen mit der Brass Band Lommiswil entstanden weitere, experimentell bewunderte Akzente. Aber es kamen nicht nur Kräfte von aussen. «Wir sind als Chor in der glücklichen Lage, in unserer Gemeinschaft aus einem Netz von Kompetenzen zu schöpfen», unterstreicht Renata Würsten vielerlei Anregungen und ebenso tatkräftige Hilfe, in welche sich auch die Angehörigen der Sängerinnen immer wieder einspannen lassen.

Im Verlauf der Jahre haben sich im Chor viele tragende Freundschaften entwickelt, die der Gruppe einen spürbar intensiven Kitt verleihen. Die augenblicklich 36 Mitglieder, von denen etliche schon von Anfang an der Vereinigung «Bocc’ aperta», (übersetzt dem zum Singen «offenen Mund») die Treue halten, gewinnen per Mundpropaganda genügend Zuwachs, um als menschlich und stimmlich gute Mischung oder laut Chorleiterin «als Einheit mit Herz und Engagement» weiter zu bestehen.

Denn zu den selbstgesuchten Vereinsaufgaben zählen viele Auftritte und sozial geprägte Veranstaltungen mit Menschen, die eher am Rande stehen. Behinderte, Flüchtlinge, Betagte und Kranke. «Diese Ereignisse waren für uns und alle Beteiligten immer sehr berührend», erinnert sich Würsten.

Quer durch die 25 Jahre

Dieses kraftvolle, gelegentlich kämpferische, aber immer klangvolle Singen neuer Werke und eines inzwischen weitgespannten Repertoires wird auch an den bevorstehenden Konzertabenden zu hören sein. Laut Dirigentin bietet dazu die Genossenschaft «Kreuz» «die wichtige Chorheimat, die uns seit Jahren umsichtig unterstützt». Mit ihrem ins Programm eingestreuten Rap wird Denise Schütz aus der Chorgeschichte berichten. Die aus Priska Stampfli, Mariann Rivar und Romy David bestehende Ad-hoc-Band begleitet und lockert den Konzertverlauf auf.

Trotz ihrer langen Verantwortung für bocc’aperta hat Renata Würsten nichts von ihrer Leidenschaft für die Musik- und Talentförderung verloren. Ob Musikschulunterricht, Chorwesen, eigene musikalische Tätigkeit und ständige Weiterbildungen: In alles steckt die Chorleiterin, die mit dem bildenden Künstler Alois Herger verheiratet ist, grossen Einsatz und viel Liebe.

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