Bundesfeier
Was die Willensnation im Innersten zusammenhält

Eins habe ihm beim Vorbereiten auf seine allererste Erst-August-Rede in Solothurn Erleichterung verschafft, schickte Nationalratskandidat Yves Derendinger anlässlich der Bundesfeier voraus: der Rat, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen.

Andreas Kaufmann
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Parteipolitik aussen vor lassen – ein Versprechen, das Redner Yves Derendinger einhielt. Hanspeter Bärtschi

Parteipolitik aussen vor lassen – ein Versprechen, das Redner Yves Derendinger einhielt. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

«Der Inhalt einer Rede macht keine zehn Prozent des Eindrucks aus, den Zuhörerinnen und Zuhörer mit nach Hause nehmen», zitierte Derendinger aus einem Zeitungsartikel. Da über Äusserlichkeiten im Nachhinein mehr geredet werde als über den Inhalt, habe er sich deshalb besonders herausgeputzt, witzelte er selbstironisch vor den rund 200 Anwesenden und fügte an: «Obwohl – über meine Frisur, wenn man es denn so nennen will, wirds im Nachhinein nicht viel zu reden geben.»

Das Gefühl «deheime zsy»

Und sogleich kam der Gemeinde- und Kantonsrat auch allfälligen Verdachtsmomenten zuvor, hier Wahlkampf für seine Nationalratskandidatur betreiben zu wollen: «Jene, die es interessiert, wissen, in welcher Partei ich bin. Und jene die es nicht interessiert, wissen es nicht. Und das ist auch gut so.» Es gehe nicht darum, politische Standpunkte vorzubeten.

Und er hielt sich dran: Stattdessen sinnierte Derendinger über das Gefühl der Heimat, über das Gefühl des «Daheimseins», was ihn dazu verleitete, zur Liebeserklärung an die Stadt und ihre Gemütlichkeit anzustimmen. Indem er über den Mikrokosmos Solothurn, sprich die Silhouette der Kathedrale oder Sommerabende an der Aare, schwärmte, schickte er dem Publikum eine Ansichtskarte aus Lokalkolorit vom Rednerpult. Untypisch aber erfrischend, der Solothurner Bsetzistei-Perspektive den Vorzug zu geben: «Nach einer in Grenchen gemachten Liebeserklärung an Solothurn dürfte ich mich dort nicht mehr blicken lassen», scherzte er.

Lösungsorientierte Stadtpolitik

Auch liess er hinter die Kulissen städtischer Politik blicken und lobte die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinaus: «In Solothurn springt man häufig über den parteipolitischen Schatten, weil man weiss, dass eine gute Lösung gefunden wurde.» Und bei einem Drink nach den Sitzungen diskutiere man auch über andere Dinge als über Politik.

Alsdann schwenkte Derendinger auf die nationale Ebene ein und stellte die Faust’sche Frage, was die Welt – oder die Willensnation Schweiz – im Innersten zusammenhalte. Anhand historischer Katastrophen wie dem Goldauer Bergsturz, dem Brand von Glarus oder dem Erdrutsch von Gondo und daraus folgenden Spendenaktionen der Bevölkerung lieferte er gleich selbst die Antwort: «Solidarität ist für unser Zusammengehörigkeitsgefühl immer wichtig gewesen – und ist es auch heute noch» – was gerade im schönen Solothurn bewusst gemacht werden müsse, «hier wo es uns gut geht.»

Auch das Publikum liess es sich gut gehen: Musik, Licht und ein Gastroangebot rundeten die Feierlichkeiten beim Soldatendenkmal passend ab: Die Stadtmusik brachte der 720-jährigen Helvetia Ständchen von Calypso bis Marsch, und der Tambourenverein lieferte eine tosende Vorahnung auf das kommende Barock- sowie Hochfeuerwerk der Stadt. Und vielleicht blieben – trotz Spektakel am makellosen Nachthimmel – doch mehr als zehn Prozent der Worte Derendingers über Solidarität haften?

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