Seit nun fünf Jahren haben die Wände am Hauptbahnhof Solothurn Augen. Damals nämlich wurden zunächst testweise und dann permanent Überwachungskameras installiert, um die Sicherheit vor Ort zu erhöhen. Acht sind es an der Zahl, die in der Bahnhofsunterführung angebracht sind. Doch welche Schlüsse und welchen Nutzen zieht man nach einem halben Jahrzehnt Betriebszeit aus der Installation?

Das Videomaterial wird nämlich grundsätzlich nur dann gesichtet, wenn bereits ein zu klärender Vorfall vorliegt. Eine Aufzeichnung «auf Vorrat» findet daher nicht statt. Andreas Mock, Mediensprecher bei der Kantonspolizei Solothurn, resümiert. «Pro Jahr greifen wir rund 20 bis 30 Mal auf die aufgenommenen Daten zurück.» Bildmaterial stelle grundsätzlich gutes Fahndungsmaterial dar, sodass es auch für Ermittlungsaufgaben als wichtiges Instrument diene.

Eine Fallstatistik über die Verwendung als Fahndungsmaterial wird indes nicht geführt. Dienlich seien die Kameras für die Personenfahndung im Zusammenhang mit verschiedenen Delikten gewesen; ferner bei der Suche nach Vermissten oder aber, um im Rahmen einer Ermittlung eine zeitliche oder bildliche Rekonstruktion einer Tat, die in der Nähe oder in der Stadt verübt wurde, zu erleichtern.

Oft geht es also darum, bei laufenden Ermittlungen auf das Videomaterial zurückzugreifen. «Mir sind Fälle aus den vergangenen Jahren bekannt, in denen die Bilder halfen, Fälle von Vandalismus und Sachbeschädigungen aufzuklären», so Mock. Ebenso konnte in einem Fall der Tatverdächtige einer sexuellen Belästigung dingfest gemacht werden, die sich in Bahnhofsnähe zugetragen hatte.

Im Februar 2012 halfen die Aufnahmen bei den Ermittlungen um einen Raubversuch, der sich im Regionalzug von Grenchen nach Solothurn abspielte. Damals hatten drei Männer in der Nacht einen Fahrgast bedrängt. Weiter unterstützten die Aufnahmen auch die Suche nach einem vermissten Kind. «In diesem Fall konnte der Weg in Erfahrung gebracht werden, den das Kind ging. Und die Polizei konnte es schliesslich finden.»

Sicherheitslage objektiv ruhig

Genau lässt sich der Aufwand für Betrieb und Unterhalt der Anlage nicht beziffern. «Der Wartungsvertrag umfasst mehrere Standorte und weitere technische Betriebsmittel.» Mock schätzt den Aufwand auf wenige tausend Franken pro Jahr. An den Anlagen selbst wurden über die Jahre nur einzelne Fälle an Vandalismus und Beschädigung verzeichnet.

Die Möglichkeiten, so Beweismaterial zu vernichten, stellt Mock in Abrede: «Die Aufzeichnungen werden übertragen und an einem anderen Ort gespeichert.» Der Betrieb der Kameras wird auch weiter fortgeführt. «Sie haben sich aus Sicht der Polizei bewährt», so Mock. Allgemein beurteilt er die Situation am Hauptbahnhof als sehr ruhig – zumindest was die objektive Sicherheit angeht.