Solothurn

«Was die Stadt bestimmt, gilt auch für die ‹Wagabunten›»

Am vergangenen Montag ist das Ultimatum der Stadt abgelaufen – bis am Donnerstag hat dies dies die Wagabunten nicht gross gekümmert und sie sind weiterhin im Grabacker anzutreffen.

Am vergangenen Montag ist das Ultimatum der Stadt abgelaufen – bis am Donnerstag hat dies dies die Wagabunten nicht gross gekümmert und sie sind weiterhin im Grabacker anzutreffen.

Die «Wagabunten» sollten schon seit Montag ihre Habseligkeiten gepackt und aus der Stadt Solothurn verschwunden sein. Dem ist aber nicht so, denn sie sind noch immer in der Grabacker-Landschaft. Was meint die Bevölkerung dazu?

Stadtpräsident Kurt Fluri hat den «Wagabunten» ein Ultimatum gestellt, das am Montag abgelaufen ist – passiert ist aber nichts. Regula Burri (55) findet das Wagendorf der Wagabunten vollkommen in Ordnung: «Sie sollen bleiben, sie stören doch niemanden!», sagt die Langendörferin.

Auch eine ältere Solothurnerin meint im Vorbeigehen, dass die Mitglieder der alternativen Wagenkomune friedliebend seien und keinem etwas zuleide tun würden.

Die meisten Leute finden aber, dass es unfair ist, dass die «Wagabunten» steuerfrei in ihren Wohnwagen leben, während die anderen Schweizer Bürger brav ihre Steuern zahlen müssen. Dies in Unkenntnis, dass die Wagenbewohner offenbar durchaus ihrer Steuerpflicht nachkommen. 

Es stört vor allem, dass die «Wagabunten» trotz dem gestellten Ultimatum immer noch da sind. So sagt der 20-jährige Kreshnik: «Wenn die Stadt sagt, die ‹Wagabunten› sollen weg, dann müssen sie das auch.»

Barbara Huli (29) aus Solothurn ist gleicher Meinung: «Das Verhalten der ‹Wagabunten› ist nicht korrekt. Was die Stadt bestimmt, gilt auch für sie.»

Wo sollen sie hin?

Auch der St.Galler Alan Bischof (26) meint dazu: «Das faire Angebot, wenigstens bis zu einem bestimmten Zeitpunkt das Feld zu räumen, hätten sie befolgen sollen. Andererseits – wo sollen sie sonst hin?»

Karima El-Hamdi (13), Salma Essabir (14) und Kobra Hotalei (14) finden, der Kanton solle den Wagabunten Plätze anbieten, wo sie ihre Wohnwagen abstellen und leben könnten.

Ginge es nach Kreshnik (20), sollten die Wagabunten auf Campingplätzen wohnen können. Bei der an sich guten Idee, stellt sich allerdings die Frage, ob dies dem alternativen Lebensstil der Wagabunten entspricht.

Die Meinungen der Passanten gehen auseinander, wie willkommen die «Wagabunten» nun wirklich sind. In einem Punkt sind sich aber alle einig: es muss eine Lösung geben, denn die «Wagabunten» müssen irgendwo leben können. «Die Wagabunten sollten einen ordentlichen Stammplatz haben. Wenn es diesen nicht gibt, sollen die offiziellen Stellen etwas unternehmen», fordert Ernst Walter (76) aus Mümliswil.

So leben ist unvorstellbar

Die meisten Befragten können sich ein Leben als «Wagabunt» nicht vorstellen.

Einzig Regula Burri (55) würde ein solches unkonventionelles Leben reizen – wenn sie die Möglichkeit hätte. Nicht so Barbara Huli: «Im Jahr 2016 ein solches Leben zu führen ist für mich unvorstellbar.»

Auf die Frage, ob das Leben heute so sehr von Normen eingeschränkt wird, um heutzutage einen alternativen Lifestyle zu haben, meint ein 31-jähriger Mann: Er könne jedenfalls nicht verstehen, wieso jemand ohne triftigen Grund so leben kann. «Wieso sollte jemand freiwillig ohne festen Wohnort sein wollen, wenn er nicht obdach- und arbeitslos ist oder für etwas demonstrieren will?»

Frage der Toleranz

Auch wenn die Mehrheit die Haltung der «Wagabunten» nicht nachvollziehen kann, zeigen sich die Befragten gegenüber deren Lebensstil tolerant.

Ein 31-Jähriger findet: «Alle Leute haben das Recht zufrieden zu sein, solange sie bestimmte Grenzen nicht überschreiten.»

Das ist aber der springende Punkt bei den befragten Personen: die Wagabunten sollen nach Meinung der Mehrheit ihr Leben führen können, wie sie es wollen, sich aber dennoch den allgemein gültigen Vorstellungen unterordnen.

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