Sportstadt Solothurn

Warum sich die Handballer von der Politik allein gelassen fühlen

Co-Präsidium mit Stefan Blaser und Gaudenz Oetterli.

Co-Präsidium mit Stefan Blaser und Gaudenz Oetterli.

Für den TV Solothurn Handball könnten einige Rahmenbedingungen besser sein. Der Verein fühlt sich allein gelassen. «Der Ballsport fristet in Solothurn ein stiefmütterliches Dasein», sagt Co-Präsident Stefan Blaser.

Sie machen sich nichts vor, Stefan Blaser und Gaudenz Oetterli, die beiden Co-Präsidenten des TV Solothurn Handball: Ihre Leidenschaft, der sie von Kindsbeinen an nachgehen, gilt einer Randsportart. «Zumindest in der Auffassung des Publikums betreiben wir nach wie vor eine», sagt der 36-jährige Oetterli, der im Alter von sechs Jahren mit Minihandball begann und seither dem TV Solothurn angehört, «ein Herzensverein, dem ich durch Höhen und Tiefen treu blieb», wie er anfügt.

Blaser, heute 56 Jahre alt, absolvierte seine Juniorenzeit beim BSV Bern Muri, spielte sechs Jahre lang in der Nationalliga B (NLB), dann beim TV Gerlafingen und ist seit acht Jahren beim TV Solothurn Handball. Erfolge können die beiden aber noch heute «aus dem Ruhestand heraus» feiern: Hat sich die erste Mannschaft doch in der NLB auf dem fünften Schlussrang positioniert – nach chancenreichem Kampf auf die vorderen Plätze. «Mit Herzblut und weil wir Fans sind», erklärt Blaser – und dies unter erschwerten finanziellen Bedingungen: «Wir haben innerhalb der Liga das kleinste Budget.»

Sorgenkind mit drei Buchstaben

Doch dies sind nicht die einzigen Rahmenbedingungen, die besser sein könnten. Blaser dazu: «Der Ballsport fristet in Solothurn ein stiefmütterliches Dasein. Wir fühlen uns manchmal alleingelassen», sagts und bringt gleich das Sorgenkind mit drei Buchstaben ins Gespräch: CIS. Berichtet wird von den Mängeln, denen sie im sanierungsbedürftigen Sportzentrum begegnen. Junioren, die bei 35 Grad spielen müssen, ohne duschen zu können. Oder die Spieler der ersten Mannschaft, die aus gleichen Gründen alle 20 Minuten das triefnasse T-Shirt wechseln. 

Ein Hallenboden, der durch Schweiss oder Regenwasser rutschig und somit zum Unfallrisiko wird. Und die stetige Angst, ein Meisterschaftsspiel Forfait zu verlieren, weil die Halle unbespielbar ist. Die CIS Solothurn AG hat in der Vergangenheit kaum in den 35-jährigen Bau investiert und nach Ansicht von Blaser vor allem Miete eingezogen.

Die Stadt Solothurn hat der AG das Baurecht bis 2074 vergeben und zahlt ihr gleichzeitig Miete für die Nutzung durch städtische Vereine. Die Kosten verrechnet sie den Vereinen in Form von Nutzungsgebühren weiter. Der Verein will nun diese geschuldeten Gebühren zurückhalten und so Druck auf die Stadt ausüben (wir berichteten).

Der TV Solothurn Handball hat sich vor allen anderen nutzniessenden Vereinen der Stadt bisher wohl am vehementesten und medienwirksamsten gegen die marode Bausituation im CIS zur Wehr gesetzt. Und: «Mit einer intakten Hallensituation hätten wir als Verein auch keine Ausrede mehr punkto Finanzen, Attraktivität für Sponsoren und Zuschauer», meint Oetterli augenzwinkernd. Mit der momentanen Infrastruktur gestalte sich vieles aber schwierig.

Für Blaser ist klar: Die Dreifachhalle hat eine Generalüberholung nötig oder einen Neubau als Ablöser. Abgesehen davon, dass die Anlage nicht mehr den Normen entspricht, die das Bundesamt für Sport vorsieht. Am besten, gibt Blaser unumwunden zu, wäre der Konkurs der CIS Solothurn AG – gefolgt von einem Investor, der das sportliche Interesse an oberste Stelle setzt. So oder so liege der Ball aber bei der Stadt: «Gegen die CIS haben wir keine Handhabe, aber die Stadt hat eine.»

Das Problem sei ein grundsätzliches: «Es fliesst mehr Geld in die Kultur als in den Sport.» Oetterli, der sich als Gemeinderat selbst an vorderster Front für den Sport starkmacht, relativiert: «Gebessert hat es sich mit den Wahlen: Plötzlich wurde beim Sport Handlungsbedarf erkannt.»

Nachwuchs mit Potenzial

Auch Budgetfragen beschäftigen den TV Solothurn Handball. Die Suche nach Sponsoren gestalte sich je länger, je mehr schwierig, abgesehen von den eher kleineren, dafür umso treueren Geldgebern. Und immer wieder stehen die Probleme mit dem CIS in einem Zusammenhang: Das Platzieren von Sponsorenwerbung ist schwierig, aber umso wichtiger für die Turniere, die nicht im Fernsehen übertragen werden. Bei Meisterschaftsspielen der ersten Mannschaft sind es bei sehr beengten Verhältnissen im CIS gut und gern 200 bis 300 Zuschauer. «Da müssen wir innovativ sein und Gegenwert für Sponsoren generieren», sagt Oetterli.

Mehrwert entsteht auch durch das selbstlancierte Sponsorennetzwerk «Winner’s Club», in dem die einzelnen Geldgeber an Events oder bei anderen Gelegenheiten miteinander in Kontakt treten können. Umso wichtiger sei auch hier, dass das CIS für Trainings und Spiele oder Einzelevents wie das Minihandball-Turnier auf Vordermann gebracht wird: «Es muss keine Luxuslösung her, aber was wir jetzt haben, ist auch nicht sexy.»

Als gut stuft Blaser die Situation mit dem Nachwuchs ein: «Wir verfügen über einen sehr guten Schulsport.» Dieser umfasst die Junioren von U9, U11 und U13. Die Formel zum Erfolg ist einfach: Was die Vorzeigemannschaft leistet, wirkt sich auch positiv auf die Popularität des Sports bei kleinen Handballern aus. «Dass wir in der NLB sind, hat uns mehr Publizität gebracht, und dies wiederum mehr Nachwuchs», so Oetterli.

Umso wichtiger sei die Elternbetreuung, die schon früh eine mögliche Karriereplanung ins Auge fasst. Eine breite Basis im Nachwuchs sei umso wichtiger, als dass im Alter um acht, neun Jahre und nach Ausbildungsabschluss viele Spieler aussteigen. Stabilität beim Nachwuchs werde auch durch einen Talentaustausch mit dem BSV Bern Muri erzielt. «So nämlich kann jeder auf seinem passenden Niveau aufsteigen.»

Regionaler Blick auf den Sport

Am Schluss bleibt jedoch wieder der Wunsch nach mehr politischem Support. Blaser doppelt nach: «Die Stadt hat für x Millionen Gebäude saniert. Sie wäre aber auch in Sachen Sport am Hebel, Zeichen zu setzen.» Laut denkt er auch über eine Sportfachstelle nach. «Am Beispiel der Traglufthalle in Zuchwil, an der sich die Stadt beteiligen will, zeigt sich, dass wir regional zu denken beginnen», so Oetterli.

Deshalb sei eine Sport- und Kulturfachstelle, die regionale Sportprojekte koordiniert begleitet, durchaus erstrebenswert. Stadtpräsident Kurt Fluri hat sich bislang gegen die Einrichtung einer Sportfachstelle ausgesprochen. «Zum Vornherein zu sagen, so was brauche es nicht, ist eine engstirnige Haltung», meint dazu Oetterli.

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