Harsche Kritik am «nicht-öffentlichen» Status des Palais Besenval übte an der Generalversammlung von Region Solothurn Tourismus Stadtpräsident Kurt Fluri. Die Küche im Palais versorgt auch Anlässe im stadteigenen Kongresszentrum Landhaus. Das Essen dort hatte Fluri auch schon öffentlich kritisiert, so zum Beispiel nach dem Hilari-Abend 2017.

Zuständig für die Besenval- und damit die Landhausküche ist das H4 Hotel Solothurn (vormals Ramada), genauer die Palais Besenval & Landhaus Event Gastro AG unter General Manager Eric Ahrend. Seit er im Vorjahr die Führung übernommen habe, seien Verbesserungen im Landhaus erzielt worden, bestätigt der fürs Landhaus zuständige Stadtschreiber Hansjörg Boll. «Doch noch immer fehlt ein bisschen die Konstanz», räumt er ein.

Wie schon 2016 habe man auch letztes Jahr einen Buchungsrückgang im Landhaus hinnehmen müssen, «doch damit liegen wir in einem allgemeinen Trend», glaubt der Stadtschreiber. Zur Führung des Palais Besenval als öffentliches Restaurant kann sich der Stadtschreiber nicht näher äussern. Nur: Eine allfällige Auflösung des Vertrags sei «sehr komplex» und als Konstrukt zwischen mehreren Partnern «eben der Nachteil eines Public-private-Partnership» wie es bei der Seminarmeile damals angewandt worden war.

Zu wenig Werbung möglich?

Auf die Frage, ob das Palais Besenval als öffentliches Restaurant künftig geschlossen bleibe, antwortet Christian Blohm von der Kommunikationsstelle der H-Hotels ausweichend: «Wir werden das Restaurant im Palais Besenval saison- beziehungsweise bedarfsorientiert öffnen. Exklusive Veranstaltungen, deren Nachfrage deutlich gestiegen ist, werden jedoch bevorzugt behandelt.»

Leider, so Blohm weiter, habe das im vergangenen Jahr angedachte Neukonzept nicht komplett umgesetzt werden können. So seien gestalterische Erweiterungen, um auch äusserlich mehr Aufmerksamkeit zu erreichen, «leider am Denkmalschutz gescheitert. So ganz ohne diese werbliche Unterstützung lässt sich das Restaurant nicht wirtschaftlich führen, sodass es zunächst beim bedarfsorientierten Betrieb bleiben wird.»

Doch sei das ganze Ensemble aus Palais Besenval, Landhaus und Barockgarten «eine wundervoll stimmungsvolle Eventlocation, die gern für Hochzeiten und Familienfeiern oder von Unternehmen für Seminare angenommen wird.» Dies sei auch weiterhin möglich, betont Christian Blohm weiter.

Ausbau zur «Top-Location»?

Weiter zeigt sich Blohm für die H-Hotels überzeugt, dass die Nachfrage im Veranstaltungsbereich steigend sei und Solothurn somit «einen echten Bedarf» an einer guten Örtlichkeit für Veranstaltungen jeglicher Art hat. «Wir wollen das Palais Besenval für diesen Bereich als die Top-Location ausbauen. Derzeit kümmert sich ein Team von mindestens zwei Personen um den Vertrieb – und das sehr erfolgreich. So sind bereits jetzt 25 Hochzeiten für das laufende Jahr geplant.»

Denkmalpfleger erstaunt

Doch etwas erstaunt über die Vorwürfe an den Denkmalschutz ist Stefan Blank als kantonaler Denkmalpfleger. «In den letzten Monaten wurden keine konkrete Anliegen zum Palais bei uns geäussert.» Vor längerer Zeit hingegen sei einmal der Wunsch deponiert worden, die Türen des Haupteingangs durch eine Verglasung zu ersetzen, was abgelehnt worden sei. Doch jetzt die Schuld am Nichtfunktionieren des Restaurants dem Denkmalschutz zuzuschieben, sei «etwas billig», meint Blank.

Vorwürfe zurückgewiesen

Zum einen kritisiert der Stadtpräsident die Führung des Palais Besenval, zum andern übt diese ebenfalls Kritik an der Stadt. Nochmals Christian Blohm für H-Hotels zum Volumen-Rückkgang der letzten Jahre im Landhaus: «Allerdings bedauern wir sehr, dass die Stadt weniger Grossveranstaltungen im Landhaus durchführt oder verkauft.»

Was wiederum Stadtschreiber Boll erstaunt: «Wir haben als Organisator keine einzige Veranstaltung aus dem Landhaus abgezogen», verweist er beispielsweise auf den bevorstehenden Städtetag, der im Landhaus stattfindet. Und wenn unzufriedene Firmen wie die AEK oder die Narrenzunft Honolulu als Hilari-Organisatoren ihren Anlass-Durchführungsort wechseln, sei dies nicht der Stadt anzulasten.

Kanton wird aktiv

Ein «Direktbetroffener» in Sachen Palais Besenval ist Staatsschreiber Andreas Eng. Er gehört dem Burgerleist an, der aufgrund des «Krone»-Umbaus seine Leiststube verlegen musste – ins Palais Besenval. Dort stiess der Leist zuletzt aber auf das Problem, dass Reservationen für seine Anlässe gar nicht mehr möglich gewesen waren.

Nun, so Eng, sei man auch beim Kanton als Baurechtsgeber auf das Palais-Problem aufmerksam geworden. Und deshalb habe die Regierung diese Woche entschieden, das kantonale Hochbaumt solle mit Solothurns Tourismusdirektor Jürgen Hofer und Stadtschreiber Hansjörg Boll das gesamte Vertragswerk unter die Lupe nehmen. Ob damit allerdings ein «Anfang zum Ausstieg» gemacht wird, konnte auch Andreas Eng nicht sagen.