Solothurn
Warum diese Jugendlichen eine eigene Kleidermarke gegründet haben

Ihre Kleider bestehen aus hundert Prozent Bio-Baumwolle und tragen den Stempel «Fairtrade». Mit ihrer selbst gegründeten Textilmarke «Brave» wollen drei junge Studenten aus Solothurn ein Zeichen setzen.

Alexandra Just
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Drei junge Solothurner steigen mit ihrer Marke «Brave» in Mode-Business ein
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Die drei «Brave»-Gründer tragen T-Shirts und Pullis, die sie selbst designt und bedruckt haben.
Hier präsentiert Mitgründer Benjamin Helmy ein «Brave»-Sweatshirt.
«Brave» setzt auf eine umweltfreundliche Produktion, weshalb ihre Kleidung ausschliesslich aus Bio-Baumwolle hergestellt wird.
Das Logo von «Brave» zeigt einen Hirsch - und soll den Bezug zur Natur sowie die schweizerische Herkunft der Marke symbolisieren.
Das Logo von «Brave» zeigt einen Hirsch - und soll den Bezug zur Natur sowie die schweizerische Herkunft der Marke symbolisieren.
Benjamin Helmy mit seiner Kollegin Lara Widmer - beide in T-Shirts von «Brave» gekleidet.
Lara Widmer modelt für die Solothurner Kleider-Marke «Brave».
Ein solcher Kapuzenpulli von «Brave» kostet etwa 47 Franken.
Ein kleiner Einblick in den «Brave»-Hauptsitz: Hier werden die Kleider bedruckt und verpackt.
Hier werden die Folien entgittert, danach wird das Logo auf das entsprechende Kleidungsstück aufgedruckt.

Drei junge Solothurner steigen mit ihrer Marke «Brave» in Mode-Business ein

Alexandra Just

Die Idee dazu kam ihnen im Sommer vor einem Jahr, als die drei Kantonsschul-Absolventen – mittlerweile viel beschäftigte Studenten – noch jede Menge Freizeit hatten. Ein gemeinsames Projekt. Irgendetwas Cooles. Etwas, das Gutes bewirkt. Mit diesen Überlegungen habe alles begonnen und langsam, nach einigem Hin und Her sei «das Ganze» schliesslich ins Rollen gekommen, blicken die drei Hobby-Unternehmer beinahe selbst etwas erstaunt zurück.

Mit «das Ganze» meinen die Jungs ihre selbst gegründete Kleidermarke «Brave». Übersetzt: Mutig. Und eben das müsse man auch sein, um etwas Neues auf die Beine zu stellen, lüftet Benjamin Schneider ohne Umschweife das Geheimnis hinter dem englischen Markennamen. Schneider ist neben dem 18-jährigen Benjamin Helmy und dem drei Jahre älteren Furkan Gazozcu das dritte Mitglied im Gründer-Bund. Doch trotz dessen Erläuterung steht die brennendste Frage noch immer offen im Raum: Warum ausgerechnet eine Kleidermarke?

«Also es war nicht so, dass wir gesagt haben: ‹Wir wollen unbedingt eine Kleidermarke gründen, legen wir los!›», stellt Helmy schmunzelnd klar. Aber: Ökologisch nachhaltig und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt – das seien in der heutigen Textilindustrie die wenigsten Kleidungsstücke, schaltet sich jetzt Furkan Gazozcu ein. Und genau hier wollten die drei Initianten ansetzen.

Fair und umweltfreundlich

- Fairness garantiert

Fair Wear Foundation ist eine Non-Profit-Organisation, welche mit Marken, Fabriken und Gewerkschaften zusammenarbeitet, um die Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textilindustrie zu überprüfen und zu verbessern.

- Wirklich umweltfreundlich?

Der Global Organic Textile Standard ist ein weltweit anerkannter Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Er definiert umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten Produktionskette und fordert zugleich die Einhaltung von bestimmten Sozialkriterien.

Die Kleidung, welche sie über einen Grosshändler aus Deutschland bestellen, besteht nicht nur aus hundert Prozent Bio-Baumwolle, sondern entspricht auch den Anforderungen der Fair Wear Foundation und erfüllen den Global Organic Textile Standard (siehe Box). «Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, gegen die konsumorientierte Kleidungsindustrie von heute», umschreibt Gaszozcu die Absicht hinter der Marke «Brave». Eine Absicht, die zwar zweifellos vorbildlich und förderungswürdig, aber nicht gerade brandneu ist?

«Das stimmt schon», räumt Schneider ein. «Aber», setzt Gazozcu sogleich an, «ich habe noch nie erlebt, dass mir jemand so erzählt hat: ‹He, ich habe im Fall ein T-Shirt zu Hause, das fair und sogar umweltfreundlich produziert wurde.›» Was er damit meine: «Solche Kleider sind für Jugendliche meistens einfach zu teuer.»

In diesem Punkt bilde «Brave» jedoch eine Ausnahme, streicht Helmy hervor. Wichtiger als selbst möglichst viel Umsatz zu generieren, sei ihnen nämlich, nachhaltige Kleidung für alle zugänglich zu machen und eben nicht nur denen, «die mal schnell 120 Franken für einen Pulli übrig haben».

Deshalb bezahlt der «Brave»-Kunde für einen Kapuzenpulli mit selbst aufgedruckten Logo lediglich einen Drittel des oben genannten Preises. 47 Franken, um genau zu sein. Dazu kommen noch die Versandkosten von 5 Franken. Eigentlich hätten sie diese gerne weggelassen, gestehen die Jungunternehmer ein. «Aber dafür haben wir noch zu wenig Kundschaft und wir würden wohl endgültig minus machen», lacht Schneider.

Zurzeit schliesst die Rechnung nämlich gerade so mit einer schwarzen Null ab. Darüber sind die drei ehrlich erleichtert, da es am Anfang «schon um viel Geld» gegangen sei. «Wir haben alles selbst finanziert. Das waren für uns als Studenten relativ grosse Investitionen», meint Schneider rückblickend. Diese Investitionen befinden sich nun in Form einer Druckmaschine, einer Transferpresse sowie jeder Menge Folien im «Brave»-Hauptsitz. Namentlich handelt es sich dabei um den Keller von Benjamin Helmy, wo die drei (Arbeits-)Kollegen indes einen Grossteil ihrer Freizeit verbringen.

«Wir sind jeden Tag damit konfrontiert», betont Helmy. Sei es etwa, um ein Werbefoto auf ihrem Instagram-Account zu teilen, E-Mails zu beantworten oder um Bestellungen zu verschicken. Ein regelrechtes Vollzeit-Hobby eben. «Tatsächlich wurde ‹Brave› sehr schnell von einem Projekt zu etwas Ernsthaftem», hält Helmy fest.

Seit dem Verkauf ihres aller ersten Pullovers im Dezember 2017 sei die Nachfrage nie gesunken, erklären die Gründer stolz. Aus diesem Grund würden sie auch über einen Ausbau der Marke nachdenken. Erst kürzlich ergänzten sie daher ihr Sortiment aus T-Shirts und Pullover um Jogginghosen.

«Im Moment verkaufen wir logischer Weise noch an viele Kollegen», heisst es auf die Frage nach den Abnehmern dieser Kleidungsstücke. Hin und wieder würden aber auch Bestellungen reinkommen, deren Absender ihnen nur flüchtig bekannt sei. «Unser Name verbreitet sich langsam», stellt Helmy zufrieden fest und spielt dabei auf eine ganz bestimmte Bestellung an. Lieferadresse: 3900. Zermatt.

Weitere Infos zu «Brave» finden Sie unter: https://www.bravefairfashion.com/