Solothurn
Warum die zwei Hermesbühl-Turnhallen so viel kosten

Das 12-Millionen-Projekt der Hermesbühl-Doppelturnhalle wird kurz vor der Abstimmung fachlich und finanziell hinterfragt. Architekt Markus Ducommun meint: «Die Stadt Solothurn wirft das Geld zum Fenster hinaus.»

Wolfgang Wagmann
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Das Schulhaus Hermesbühl mit dem heutigen Turnhallentrakt (rechts)
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Doppelturnhalle Hermesbühl - über sie stimmen die Stadtsolothurner am 28.September ab
Die obere der beiden Turnhallen
Die untere der beiden Turnhallen mit Böschung für den Lichteinfall
Querschnitt auf die künftige Turnhalle

Das Schulhaus Hermesbühl mit dem heutigen Turnhallentrakt (rechts)

Andreas Kaufmann

Politisch hatte das Projekt noch keine hohen Wellen geworfen, und bisher war es auch vor der Abstimmung zur Doppelturnhalle Hermesbühl am 28. September ruhig gewesen. Genau diese Ruhe stört den Solothurner Architekten Markus Ducommun, immerhin vor über zwei Jahrzehnten Erbauer des damals revolutionären Schulhauses Brühl.

Angesichts des noch zu sprechenden Kredits von fast 10 Mio. Franken für das 12,1-Mio-Projekt übt er scharfe Kritik an den Gesamtkosten: «Die Stadt Solothurn wirft das Geld zum Fenster hinaus. Die Kosten sind mehr als doppelt so hoch als vergleichbare neue Turnhallen in der Region»; verweist er auf realisierte Hallen in Balsthal oder Biberist, die – statt 6 Mio. wie in Solothurn – nur je 2,4 oder 2,6 Mio. Franken «pro Stück» gekostet hätten.

«Eine Ablehnung wäre sehr schlecht»

Ein «Nein» zur Vorlage am 28. September hätte laut Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, gravierende Folgen – es gäbe keine günstigere Neuprojektierung für sie. «Finanziell wie auch betrieblich wäre eine Ablehnung sehr schlecht.» Die Hallen seien baulich in einem sehr schlechten Zustand. Eine Verschiebung hätte zur Folge, dass allenfalls Sofortmassnahmen notwendig würden, wie dies beim Schwimmbad der Fall gewesen war. «2010 haben wir für das Lehrschwimmbecken einen Nachtragskredit von 300 000 Franken geholt. Die Massnahmen wurden gering gehalten, da wir davon ausgingen, dass wir in 2014 bauen. Ansonsten hätte der Kanton uns bezüglich des Schwimmbeckens Auflagen gemacht.» Investitionen in Sofortmassnahmen seien klare Fehlinvestitionen, weil für die Sofortmassnahmen und den Neubau zweimal investiert würde, argumentiert Lenggenhager. Das Projekt nochmals neu zu starten, wäre von der finanziellen Seite her gesehen «ein totaler Unsinn», so die Bauamtsleiterin. Dies würde bedeuten, dass zum dritten Mal ein Wettbewerb durchgeführt werden müsste. Die Aufwendungen für den ersten Wettbewerb mitsamt Verfahrenskosten betrugen 616 000 Franken, rechnet Andrea Lenggenhager vor. «Der zweite Wettbewerb kostete 366 000 Franken. Wir befinden uns jetzt in der Ausführungsplanung und Vorbereitung.» All diese Kosten gingen zulasten des Projekts und verteuerten es. Mit den schon aufgelaufenen Kosten von 1,4 Mio. Franken als «Altlast» bezweifle sie sehr, ob man zu einem günstigeren Projekt komme, betont Lenggenhager und äussert auch submissionsrechtliche Bedenken bei einem Neustart. (ww)

Jede Situation ist anders

Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, gibt sich beim Kostenvergleich zurückhaltend, da sie die anderen Projekte nicht im Detail kenne. Wichtig sei zu wissen, ob von reinen Baukosten gesprochen wird «oder wie bei uns von totalen Projektkosten, die 12,126 Mio. Franken betragen. Sie setzen sich aus Gesamtkosten von 11,45 Mio. plus den Verfahrenskosten aus dem ersten Wettbewerb von 616 000 und 60 000 Franken Reserve für allfällige Mehrleistungen zusammen.» Die Kosten könnten je nach Situation und Lage stark variieren.

In Biberist habe die Dreifachturnhalle auf grüner Wiese erstellt werden können und sie sei nicht unterkellert. «Die Person, die Biberist in der Funktion der Bauherrenunterstützung begleitet hat, hat auch die Kosten unseres Projekts überprüft und bestätigt. Die Hermesbühl-Hallen werden in einer bebauten Umgebung erstellt, wo die Platzverhältnisse sehr eng sind und der Bau sich in eine denkmalgeschützte Anlage einfügen muss.»

Zu den Rahmenbedingungen meint Lenggenhager: «Der Innenhof der bestehenden Anlage musste frei bleiben. Im Vergleich zu Biberist bauen wir sehr nahe an der Strasse, und die eine Turnhalle ist unter dem Boden. Dies ergibt eine aufwendige Baugrube mit Spundwänden, und das bestehende Gebäude, die Pausenhalle, muss mit dem Anschluss der Turnhalle unterfangen werden. Zusätzlich haben wir noch den Rückbau von zwei Turnhallen und einem Schwimmbad.» So gesehen ergäben sich reine Gebäudekosten von noch 7,9 Mio. Franken.

Kritik an der Jury

Fachlich kritisiert Architekt Ducommun, in der Jury sei niemand gesessen, der je eine Turnhalle gebaut hat. Trotzdem habe die Jury festgestellt, dass die Hallen des Siegerprojekts betrieblich problematisch seien. Dazu Andrea Lenggenhager: «Als Experten hatten wir Frank Kockelkorn, Berater für Sportbauten, dabei. Er hat uns beim Erarbeiten des Pflichtenheftes unterstützt und war bei der Beurteilung der Projekte als Experte dabei.» Die Jury habe das Projekt im Jurybericht gewürdigt, im Speziellen die klare und leicht verständliche Organisationsstruktur. «Wie in jedem Wettbewerb weist die Jury auf Punkte hin, die in einer Weiterbearbeitung überarbeitet werden müssen.»

Beim Hermesbühl habe die Fensterproportion zur Südseite bezüglich Blendung und Energieeintrag nochmals bearbeitet werden müssen», räumt die Bauamtsleiterin ein. Für die Beurteilung der vorgeschlagenen Überarbeitungen sei das Stadtbauamt weiterhin durch Frank Kockelkorn und Philipp Grob von der Regio Energie Solothurn unterstützt worden.

1,4 Mio. Franken Mehrkosten

1,4 Mio. Franken Mehrkosten macht Andrea Lenggenhager gegenüber einem Bau auf der grünen Wiese und ohne Unterkellerung geltend. So koste der Rückbau PCB- und asbestbelasteter Bauteile 190 000 Franken, der Rückbau der beiden Turnhallen und des Schwimmbads 340 000 Franken, die Baugrundsicherung (Spundwand) und Wasserhaltung 467 000 Franken, der Aushub 291 000 Franken, die Unterfangung 22 000 Franken, die Anpassung an die bestehende Baute 71 000 Franken. Dazu kämen Provisorien in der Höhe von 22 000 Franken und die Eigenleistung der Bauherrschaft von 310 000 Franken.

Zu dunkel und zu heiss

Markus Ducommun glaubt, es würden nicht nur zu teure, sondern gar unbrauchbare Hallen gebaut. So habe die Beratungsstelle des Bundesamtes für Sport nachträglich ein schlechtes Urteil gefällt: Die Fenster der unteren (Keller)halle seien viel zu klein dimensioniert, sodass nur bei Kunstlicht geturnt werden könne.

Dagegen sei die südseitige Fensterfläche der oberen Halle viel zu gross geplant, sodass im Sommer ein Hitzestau möglich wäre. Andrea Lenggenhager zu diesem Punkt: «Laut Planungsgrundlagen des Bundesamtes für Sport beträgt die Fensterfläche in der Regel 15 bis 30 Prozent der Bodenfläche. Der Fensteranteil der unteren Halle beträgt 16,5, jener der Erdgeschosshalle 39 Prozent. Wie auch im Jurybericht gefordert, wurden die Südfassade wie auch das Lüftungskonzept überarbeitet.» Damit in der oberen Halle keine Blendwirkung eintrete, seien Stoffstoren geplant. Das Gewebe sei unterschiedlich dicht, womit durch die Storen der Ausblick zum Pausenhof gegeben sei. Im oberen Teil sei der Stoff dichter, damit er die Wärme wie auch die Blendung abhalten könne. Zusätzlich seien im oberen Teil der Fassade automatische Abluft- und Nachströmungsöffnungen vorgesehen, die für eine optimale Nachtauskühlung sorgten. Eine Überhitzung der Hallen und Blendungen könnten daher ausgeschlossen werden. Kommentar Seite 20