«Plaaagette!» Wenn dieser Ruf am Samstagmorgen bis in den kleinsten Winkel durch die Stadt hallt, sind für die Fasnächtler die schönsten Tage des Jahres nicht mehr weit. Bereits zum fünften Mal steht der Hauptgassleist in diesem Jahr vor der Leinenstube am Märetplatz.

Es regnet in Strömen. Die Passanten verstecken sich unter den Regenschirmen und wollen nur eines: Bald wieder am «Schärme» sein. Kein guter Tag für die Strassenverkäufer, die auf einen guten Absatz gehofft haben. «Es isch wies isch», sagt David Maurer, der mit seinem Team auf dem Kronenplatz steht – vier Erwachsene und zwei Nuggis (Kinder).

Noch ist nichts verloren. «Viele Leute entscheiden sich kurzfristig, ob sie sich am Sonntag den Umzug anschauen wollen.» Mit anderen Worten heisst das, dass die beiden kommenden Samstage das Geschäft durchaus noch retten können.

Das ist wichtig, weil der Plakettenverkauf eine nicht zu vernachlässigende Einnahmequelle für die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn (UNO) und die Umzugsteilnehmer ist. Da ist es wichtig, dass auch Leute, die mit der Fasnacht nichts am Hut haben, die aktiven Fasnächtler unterstützen.

Viele wollen verdienen

«Früher haben nur die Zünfte Plaketten verkauft», sagt Markus Jäggi vom Hauptgassleist, der für den Strassenverkauf zuständig ist und bereits als Primarschüler Plaketten verkauft hat. In letzter Zeit seien viele Umzugsgruppierungen unterwegs, die einen Batzen verdienen möchten. Die Kuchenstücke seien deshalb für die Einzelnen kleiner geworden.

Jäggi ist stolz, dass der Hauptgassleist bereits seit 1970 auf dem Märetplatz Plaketten verkauft. Genau dort, wo sich die Zunft an prominenter Stelle mit einem Stein im Strassenpflaster verewigt haben. «Wir waren die Ersten überhaupt, die mit dem Strassenverkauf begonnen haben.» Auch er glaubt, dass sich der Umsatz noch steigern wird, so das Wetter an den beiden kommenden Samstagen und beim Abendverkauf mitmacht.

Was viele nicht wissen: Auch der Plakettenverkauf ist streng reglementiert. Verkauft werden dürfen die Plaketten bereits ab Neujahr. Das Tragen ist aber erst ab Hilari erlaubt. Einer, der genau über das Plakettengeschäft Bescheid weiss, ist Toni Armbrust, der oberste Plakettenchef überhaupt.

Er besitzt eine riesige Plakettensammlung und hat beim Plakettenwettbewerb als Künstler schon mehrere Male den ersten Preis gewonnen. Dieses Jahr hat es nicht gereicht. Er wurde Dritter. Enttäuscht? «Natürlich», sagt er. «Wenn man einmal Erster war, möchte man nicht Dritter sein.»

Bereits 1887 sei eine Plakette im Umlauf gewesen, und zwar eine aus Karton. Verkauft wurde sie für 50 Cents. «1938 hat es dann richtig angefangen.» Mit einem Unterbruch während des Zweiten Weltkrieges, als die Fasnacht ausgesetzt wurde.

Wichtige Einnahmequelle

«Wenn alles gut geht, nimmt die UNO pro Jahr rund 18 000 Franken aus dem Plakettengeschäft ein.» Das sei gut so, denn die Fasnacht koste gesamthaft rund eine halbe Mio. Franken. Inbegriffen seien rund 4 ½ Tonnen Konfetti, die den Zünften für den Umzug zur Verfügung gestellt werden. Kalkuliert wird scharf. «Unsere Reserve ist so ausgerichtet, dass wir eine Fasnacht auch ohne grosse Einnahmen durchziehen könnten.»

Was aber geschieht mit den Plaketten, die übrig bleiben? Toni Armbrust weiss es: «Ein Teil kommt bei uns ins Archiv, der Rest geht an die Herstellerfirma zurück und wird dort recycelt.»
Inzwischen wurde auch das Problem mit den fehlerhaften Nadeln gelöst. «Wenn es trotzdem zu Reklamationen kommen sollte, ersetzen wir die Plakette anstandslos. Wer trotzdem Angst hat vor aufgerissenen Fäden in den Jacken und Mänteln hat, hat die Möglichkeit eine Plakettenkordel zu kaufen.»