Stadtbummel Solothurn

Warum der Stadt den aarewassernassen Rücken kehren?

Abendstimmung auf dem Aaremürli

Abendstimmung auf dem Aaremürli

Warum verlässt man eine Stadt wie Solothurn? Gute Gründe gibt es nun wirklich keine. Nun ja – fast keine.

Gibt es gute Gründe, warum man Solothurn verlässt? Seine Zelte abbricht, eine neue Heimat sucht? Von Solothurn nimmt man nicht leichtherzig Abschied. Spätestens im Traum hören Fortgegangene die St.Ursen-Kathedrale läuten – so heisst es zumindest im Solothurner Lied «’s isch immer so gsi». Könnte das nächtliche Gebimmel der Anlass dafür sein, Lebewohl sagen zu wollen? Vom heiligen Bimbam jedenfalls werden sich die Stadtbewohnerinnen und -bewohner so bald nicht verabschieden.

Zum Glück ist nicht mehr alles so, wie es immer war. Doch müssen sich ausgerechnet jene Dinge ändern, die man besonders lieb gewonnen hat? Da verschwinden Altstadt-Restaurants, in die man so regelmässig einkehrte, wie man seine Ghüder-Säcke für die wöchentliche Abfuhr auf die Gasse stellte.

Auch das Aaremürli-Sitzen ist Vergangenheit. Welch Luxus das doch war, zur Abendstunde das Hinterteil am sonnengetankten Jurakalk gewärmt zu fühlen. Sind eine mögliche Erkältung oder die latente Lust auf eine Pizza Primavera etwa das Motiv, warum man Solothurn den aarewassernassen Rücken kehrt?

Als Velofahrerin muss man sich auf dem Klosterplatz eher vor protzigen Boliden als vor glitschigem «Strossepflaster, so ruch dass Gott erbarm» (Zitat Solothurner Lied) in Acht nehmen. Ist das zugeparkte Lieblingsziel der hiesigen Autoposer vielleicht der Auslöser, dass man sich für eine andere, velofreundlichere Stadt entscheidet?

Ist es die in manchen Solothurner Szenen dominierende «’s isch immer so gsi»-Denkart, die zuweilen nicht nur einen etwas strengen Stallgeruch durch die Gassen wehen lässt, sondern gerne auch mal ihren Hang zum rustikalen Humor offenbart? Ist es, weil so viel von dem, was zur Stadt gehört wie die Krähe auf den Kreuzplatz, heuer nicht ist?

Nein. Mindestens elfmal nein! Der eine gute Grund, Solothurn zu verlassen, ist nicht Solothurn-immanent. Er dringt von aussen in die Beschaulichkeit ein, schüttelt alles einmal kräftig durch und macht es einem dann zumindest einfacher, «Tschau» zu sagen. Dieser eine gute Grund ist die Liebe.

«Tschau» Solothurn, es war schön mit dir.

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