Prozess
Wärter des Solothurner «Lotterknasts» verurteilt

Im Frühjahr 2009 geriet die Solothurner Strafanstalt Schöngrün schweizweit als «Lotterknast» in die Schlagzeilen: Häftlinge gingen ein und aus und konsumierten auch Drogen. Heute wurde ein Wärter nun verurteilt

Samuel Misteli
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Solothurner Zeitung

Häftlinge gingen in einer Aussenstation der Anstalt der Strafanstalt Schöngrün weitgehend frei ein und aus, bezüglich des Drogenkonsums der Insassen herrschte ein überaus laxes Regime und zwischen Häftlingen und der 14-jährigen Tochter eines Mitinsassen war es angeblich zu sexuellen Kontakten gekommen.

Ein Solothurner Richter hat nun einen der Verantwortlichen für die chaotischen Zustände verurteilt: Ein ehemaliger Wärter wurde wegen Entweichenlassens von Gefangenen, Begünstigung, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen sich Bestechen Lassens und Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen. Der Gerichtspräsident des Amtsgerichtes Bucheggberg-Wasseramt belegte den Ex-Wärter mit einer bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen à 50 Franken und einer Busse von 300 Franken.

Häftlingen den Schlüssel ausgeliehen

Der 36-jährige Verurteilte hatte zwischen November 2006 und Ende 2007 in der mittlerweile geschlossenen Aussenstation gearbeitet. Er gab zu, den Häftlingen in zwei Fällen seinen Anstaltsschlüssel übergeben zu haben. Die Insassen benützten den Schlüssel dazu, einen Schliesszylinder so zu manipulieren, dass sie eine Anstaltstür mit ihren Zellenschlüsseln öffnen konnten. Weiter gab der ehemalige Wärter zu, für einen Häftling Marihuana beschafft zu haben und als Gegenleistung einen Teil der Drogen erhalten zu haben.

Die nun ausgesprochene Strafe fällt milder aus als von der Staatsanwaltschaft beantragt: Die Anklage hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten gefordert. Der Richter begründete das mildere Strafmass damit, dass der Wärter, der zuvor als Behindertenbetreuer gearbeitet hatte, überfordert war und von seinen Vorgesetzten im Stich gelassen wurde. Im Sommer 2007 war der Mann wegen psychischer Probleme zeitweilig arbeitsunfähig. Zuvor hatte er mehrfach erfolglos versucht, auf Missstände aufmerksam zu machen. Zugute gehalten wurde dem Wärter auch, dass er sich im Strafverfahren kooperativ verhalten hatte.

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