Solothurn
Wann wollen wir Solothurner 2000-jährig werden?

Nach neusten Erkenntnissen müsste die Stadt Solothurn zwischen 15 und 25 n. Chr. entstanden sein. Das könnte Grund sein, schon bald die Festbänke für die 2000-Jahr-Feierlichkeiten abzustauben.

Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen

Hansjörg Sahli

Irgendwann zwischen 2015 und 2025 wird Solothurn wohl «gezwungen» sein, das 2000-jährige Bestehen der Stadt zu begehen. Denn neueste Forschungsergebnisse lassen kaum mehr andere Interpretationen zu. «Das Colloquium im Museum Blumenstein war Auslöser dieser Forschungen», ist Blumenstein-Konservator Erich Weber überzeugt. Im Herbst 2009 hatte sich eine Expertenrunde noch gar nicht auf die engere Gründungszeit einer ersten römischen Siedlung einigen können. Von «vielleicht sind die 2000 Jahre schon vorbei» bis «frühestens in den 40er Jahren n. Chr.» reichte die Spannweite.

Was Tonscherben verraten

Aufschlussreicher sind die Erkenntnisse über die römischen Funde im Bereich der Löwengasse, zuletzt auch beim Umbau des «Breggerhauses»: In einem Beitrag zum 2011er Jahresband «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn» befassen sich Andrea Nold und Mirjam Wullschleger mit einem «Quartier an der Aare im römischen Solothurn».

Akribisch hat Wullschleger die rund 43 Kilo gefundenen Keramikscherben unter die Lupe genommen. Denn Tonwaren waren bei den Römern ein Trendartikel und gewisse Produkte nur wenige Jahrzehnte im Gebrauch. In den Gräben an der Löwengasse fand sich nun der Typus Terra Sigillata, versehen auch mit Töpferstempeln. Keramik, die ab 40 v. Chr. Ihren Siegeszug in Norditalien begann, und später nördlich der Alpen die römischen Haushalte eroberten.

Kontinuierlich besiedelt?

Für den Kantonsarchäologen Pierre Harb steht auch aufgrund dieser Forschungsergebnisse fest: «Die ältesten Funde lassen sich auf die Jahre 15 bis 25 n. Chr. datieren. Sicher ist damals schon eine Siedlung da gewesen.» An sich könnte diese sogar schon ein bisschen früher entstanden sein, denn die Keramikscherben seien ja nicht sofort nach dem Hausbau im Abfall gelandet.» Solothurn sei demnach nicht nur vor knapp 2000 Jahren entstanden, sondern war wahrscheindlich auch dauernd eine Siedlung.

Darauf deuten die neuesten Grabfunde in der Probsteigasse hin, die beweiskräftige «Puzzle-Knochen» für «Zeitenlöcher» liefern. Solothurn hat das 2000-Jahr-Jubiläum wohl auch nicht verpasst. Denn eine frühere Besiedlung des Stadtbodens ist nicht nachweisbar. «Wir haben zwar überall in der Region keltische Sachen», meint Harb, aber den Beweis für eine ständige Siedlung lieferten diese nicht. Und ein Lager am Solothurner Aarestrand in der Steinzeit sei nur eine Episode gewesen – kaum tauglich, die «Stadtgründung» gleich um weitere 2000 Jahre zurück zu datieren.

Die Lücken schliessen

Ein Fest in der goldenen Mitte?

Schon länger ein Thema ist für Stadtpräsident Kurt Fluri eine mögliche 2000-Jahr-Feier der Stadt Solothurn. «Ich habe Blumenstein-Konservator Erich Weber beauftragt, ein Jubiläumskonzept zu erarbeiten.» Dass nun neueste Forschungsergebnisse den Siedlungsbeginn in Solothurn auf die Zeit zwischen 15 und 25 n. Chr. festlegen, hat auch der Stadtpräsident mit Interesse zur Kenntnis genommen. «Einen Zeitpunkt für ein 2000-Jahr-Jubiläum haben wir noch nicht festgelegt. Es müsste wohl irgendwo in der Mitte des fraglichen Zeitraums, also zwischen 2018 und 2022 sein.» Kurt Fluri - so er bis zur Pensionierung Stadtpräsident bleibt - wäre im Mai 2020 gerade 65 geworden. Unter Druck, das Jubiläum rasch durchzuziehen, fühlt er sich offenbar nicht. «Wir werden sicher nicht ins Blaue budgetieren», wehrt er sich dagegen, bereits Mittel für «2000 Jahre Solothurn» zu reservieren. «Eine Vorfinanzierung verfällt auch nach fünf Jahren, wenn ihr Zweck nicht erfüllt wird.» Zumindest eine Publikation oder auch eine Tagung, vielleicht zum Thema «Vergleich der ältesten Städte in (Mittel-)Europa», kann sich Fluri zum 2000-Jahr-Jubiläum durchaus vorstellen. Dazu auch ein Stadtfest - «doch Leute, die ein Fest organisieren, finden wir dann schon». (ww)

Doch auch Stadtpräsident Kurt Fluri hat inzwischen in Sachen «Vergangenheitsbewältigung» einen Schritt getan: «Im Keller des Staatsarchivs in der Zentralbiblothek verfügen wir über einen Raum. Dort wird dieses und nächstes Jahr das Stadtarchiv eingerichtet», skizziert er die Aufgabe, mit der Stadtschreiber Hansjörg Boll betraut sei.

Aktuelle Nachrichten