Stadtbummel
Wann wird man zum Nebelflüsterer?

Fabio Vonarburg
Fabio Vonarburg
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Löst sich der Nebel noch auf?

Löst sich der Nebel noch auf?

Was es heisst, Solothurner zu sein, lernt man im Herbst. Leben im Nebel. Erst jetzt versteht man als Zugezogener die Wichtigkeit des Weissensteins. Ist er doch die nahe liegende Option, um der Nebelsuppe zu entfliehen.

Doch bevor man dies tut, fängt das Rätselraten an? Lohnt es sich heute?, oder löst sich der Nebel auf, sobald man mit der Gondel in die Höhe entschwindet und man auf dem Gipfel statt hinab aufs Nebelmeer auf den Platz sieht, wo man jetzt auch sitzen könnte.

Nicht falsch verstehen: Ich bin zwar ein Weissenstein-Spätzünder, wie ich bereits einmal gestand. Doch ich sehe durchaus ein, dass sich der Hausberg lohnt, wenn man statt nur den klaren Blick geradeaus auch hinunter ins Tal sieht. Doch wenn es schon mal sonnig ist im Tal, ist es schon fast schade, in die Höhe zu entfliehen.

Wiederum nervt es aber auch, wenn man sich falsch entscheidet. Im Tal auf Sonne hofft, daneben liegt und dann in den sozialen Medien den ganzen Tag Bilder vom Weissenstein sieht, nachdem man den Weg von der Aare durch den Nebel zurück nach Hause gefunden hat. «Haha», schreien einem all die Bilder vom Nebelmeer förmlich entgegen. «All das hättest du haben können ...»

Doch wie weiss man, ob sich der Nebel lichtet? Und zwar bevor es sich beinahe nicht mehr lohnt, die Beine in Richtung Weissenstein unter die Arme zu nehmen. Denn ab 16 Uhr wird es ja bereits wieder langsam dunkel. Der Blick auf die Wetterapp ist unzuverlässig. Vielleicht wird man mit den Jahren, die man in Solothurn verbringt, zum Nebelflüsterer. Nun müsste man ihm nur noch sagen können, dass er sich verduften soll.

Gut, ein richtiger Solothurner hat vermutlich gar nicht den Wunsch, den Nebel sich fortzuwünschen. Er liebt den Nebel. Diesen Eindruck vermittelte mir zumindest eine Diskussion in den sozialen Medien. «Der Nebel in Olten ist nicht gleich wie der in Solothurn oder Biel», meint da einer, worauf Sandra Boner, die es ja schliesslich wissen muss, erwiderte: «Der Nebel in Solothurn ist viel schöner, viel schöner.» Trotz ihrer Fachexpertise hielt ein Oltner weiterhin dagegen.

An Arbeitstagen bin ich allerdings auch Fan vom Nebel. Es hockt sich viel besser am Computer, wenn man draussen gar nicht sieht, was man verpasst. Und das Beste: Es erspart mir einmal aufstehen. Denn wenn die Sonne scheint, muss der Rollladen runter. Sonst sehe ich trotz Nebelfreiheit nichts auf meinem Bildschirm.

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