Stadtbummel
Wann kommt die «Mä-Tax»?

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Der Solothurner Märet

Der Solothurner Märet

Oliver Menge

Die Party ist aus. Der grosse Rest des Truthahns steht nun zur Terrine verarbeitet auf dem Fenstersims, der endlich wieder kühlschranktaugliche Temperaturen aufweist. Ja, es war gar nicht lustig, in diesen Vorweihnachtstagen – bei 10 Plusgraden und mehr konnte das edle Geflügel unmöglich draussen aufbewahrt werden. Alles wieder normalo. Oder doch nicht?

Erstmals nämlich kam es zu einer folgenschweren Panne bei der Zubereitung: Zu selbstsicher geworden nach gefühlten 35 Truthähnen blieb das Rezept im Küchenschrank. Den Vogel in den Ofen und schwupps auf ein hochverdientes Christmas-Bierchen ins «Öufi». Wo Brauer Alex Künzle zum Glück auf die Zutaten der Truten-Füllung zu sprechen kam. Morcheln! Verd... wie kann man sie nur vergessen! Sofort heimgerast, den Vogel via Kaiserschnitt nochmals geöffnet und rein mit den Pilzli. Die Füllung war noch roh und garte danach zur wie immer köstlichen Vollendung – mit den im April selbst gesuchten und getrockneten Mörcheli.

Der Fast-Partykiller hat zu einer Einsicht geführt. Allfällige Truthahn-Beratungsgepräche gegen Honorar zu führen ist bei solchen Kompetenz-Mängeln nicht mehr drin. Dabei wäre solches durchaus ins Auge zu fassen. Wer sich im Grupetto mit Waldbruder Michael Daum in der Einsiedelei treffen will, wird ja auch zur Kasse gebeten. Gar keine schlechter Ansatz. Stadtführungen sind ja auch nicht gratis, und wer zu juristischem Beistand antanzt, kann ein Liedli singen, was sich das so zusammenläppert. Für ein bisschen tratschen. Sogar im Coiffeursalon kostets, wenn auch nicht extra. Der Schwatz ist im Haareschneiden inbegriffen.

Dagegen sollte endlich die «Mä-Tax» eingeführt werden. Wer sich am Märetstand nicht nullkommaplötzlich für ein Produkt entscheidet, wird taxpflichtig. Für das Beratungsgespräch. Zwei Stutz zum Beispiel für die Auskunft, ob die weich kochenden Härdöpfu für Häbistock wie Gratin gehen. Oder mindestens ein Fünfliber für die vorwiegend deutschen Märetbummlerinnen, die nicht einfach einen Käse erstehen, sondern sich noch brennend für die Lebensbedingungen der Molkereiprodukte hervorbringenden Tierchen wie Geissen, Schööfli oder Rinvdiecher auf den bestimmt ach so fetten Juraweiden interessieren. Du stehst dahinter, und erfährst so ganz viel Schönes über das idyllische Leben der Käserin da oben. Doch nach dem x-ten Mal fragst Du dich: Muss das sein? Nein, mit der «Mä-Tax» ginge alles viel schneller. So richtig hauruckzackzack!

Partystimmung zu Silvester? Aber nicht in Solothurn. Nirgends kann man sich zum Jahreswechsel irgendwo zwanglos in der Altstadt treffen, um auf das «Nünzähni» anzustossen. Wie in Berlin oder New York. Ein Ansatz dazu war die Millenium-Nacht 1999/2000 auf dem Kronenplatz. Doch morgens um Zwei war unsere damals extra eingerichtete «Millenium-Bar» in der Infothek auch schon wieder leer. Solothurn halt. Mal schauen; Vielleicht gehen wir in die Einsiedelei zum Anstossen. Auch wenn das extra kostet. Aber Hauptsache – Paaaarty!

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